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Der Israelit · 1867-02-27 · Heft 9 (27.2.1867) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 9 (27.2.1867)
Date
1867-02-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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149 willigt werden, 5) daß die hannoversche Bildungsanstalt für jüdische Lehrer fernerweit unter staatlicher Anerkennung, Leitung und Beihülfe erhalten werden möge, 6) daß der Eid more judaico in keiner Weise hier wieder eingeführt werde, 7) daß so lange nicht für alle Staatsbürger die obligatorische Civilehe eingeführt, die Schließung der jüdischen Ehe wie bisher volle staatliche und bürgerliche Gültigkeit behalte, 8) daß die Führung der Civilstandsregister insofern sie nicht überall besonderen Beamten übertragen wird, auch ferner den Vorsteher der Synagogen - Gemeinden verbleiben möge." — Die „Ztg. f. Norddtschl." glaubt nicht, daß die Gemeinden dieser beabsichtigten Petition in allen ihren Theilen zustimmen werden. Italien. Ein jüdischer Vater gab sein Kind in ein französisches Institut, damit es dort erzogen werde. Der Director jener Anstalt fragte den Vater, welcher Confesston er angehöre. Der Vater antwortete, daß er es nicht für nöthig halte, daß sein Sohn irgend einen Religionsunterricht genieße. Er wünschte nur, daß sein Sohn eine liberale Erziehung erhalte, das Uebrige kümmere ihn nicht. Hierauf erwiederte der Director: „Als Vater haben Sie das Recht Ihr Kind zu erziehen, wie Sie es wünschen; aber als Leiter dieses Instituts ist es meine Pflicht, Ihren Sohn nicht aufzunehmen, wenn Sie mir nicht erlauben, ihm irgend einen Religionsunterricht ertheilen zu lassen." Der Vater schwieg beschämt. Das Kind erhielt hierauf Religionsunterricht bei einem Rabbinen. (Educatore Jsraelita.) Rußland. □ Im getarnten Rekruten-Contingente des russischen Reiches für 1866 waren der Nationalität nach 395 Juden; die übrigen Pflichtigen hatten sich theils losgekauft oder waren theils ganz, theils einstweilen entlassen worden. Palästina. Jerusalem, 15. Januar. Im Interesse der Humanität, besonders aber meiner Glaubensbrüder in Palästina, denen Sie mit Hilfe Ihres vielgelesmen Blattes bereits sehr Vieles zur Hebung des geistigen und materiellen Wohles beigetragen haben, erlaube auch ich mir, in Ihrem Blatte die wichtigsten Ursachen der relativ so hohen Krankheitsstala der hiesigen Juden, wie auch meine bescheidenen Ansichten über deren Vorbeugung mitzutheilen: Als praktischer Arzt hieselbst habe ich mich überzeugt, daß ungesunde, nasse, finstere Kammern meistens die Wohnungen der hiesigen Israeliten bilden, — bei uns in Europa würde die Sanitätspolizei augenblicklich solche Baracken räumen und niederreißen lassen. — Abgesehen von den halb in Verwesung begriffenen Cadavern verschiedener Thiere, welche hier in dm Gassen liegend die Luft mit mephitischen Dünstm parfümiren, wird durch den in den Häusern angehäuften Mist das Geruchsorgan des Eintretenven derart afftcirt, daß man sich förmlich in eine momentane Narkose verseht fühlt. — Von der türkischen Sanitätspolizei will ich hier nicht reden, denn was soll man von dieser erwarten? — Beim Qinttiüe in eine solche eben geschilderte Kammer findet man fast sämmtliche Mitglieder der Familie an irgend einem Leiden erkrankt, deren fernere Ursachen ich nun anführen will: Um dem hier häufig herrschenden Wassermangel abzuhelsen, hat zwar der edle Wohlthäter Israels, Herr Moses Monte fröre, vor einigen Jahren mit ungeheuren Kosten eine Wasserleitung errichten lassen, aber bereits seit einem Jahre entbehren die Einwohner Jerusalems auch dieser Wohlthat, indem die Leitungsröhren an irgend einer Stelle zerstört, demzufolge auch das Wasser zu fließen ausgehört hat; die türkische Sorglosigkeit — vielmehr Nachlässigkeit — erinnert sich jedoch nicht im Geringsten daran, diesem Uebel abzuhelsen, und nun muß die arme Klasse der Bewohner der heiligen Stadt das mit verschiedenen Pilzen und Infusorien reich geschwängerte Cisternemoaffer trinken; es darf uns daher nicht Wunder nehmen, wenn in jeder Krankenambulance das größte Contingent der Patienten das Fieber liefert. — Wegen Mangel an Bädern ist natürlich auch die Hautkultur vernachlässigt; demzufolge ist auch die enorme Anzahl von hier herrschenden Hautkrankheiten leicht erklärlich. Die Nässe, die mangelnde Beleuchtung der Wohnungen, der von den hier allgemein gebräuchlichen Kohlenbecken verbreitete Dunst und Rauch bedingen die große Anzahl der Augenkrankheiten. Die schlechten, schwerverdaulichen Nahrungsmittel, die vor dem so häufigen Witterungswechsel mangelhaft schützende Bekleidung bedingen die zahlreichen Fälle der Scrofulose und Erkrankungen der Respirationsorgane rc. Um nun wenigstens theilweise dem Uebel zu steuern, wäre meiner bescheidenen Ansicht nach daS Vernünftigste, was man zur Abhilfe der genannten Miseren leisten könnte: 1) die schleunige Errichtung großer zweckmäßig gebauter Armenhäuser; 2) die Eröffnung mehrerer Suppen-Anstalten; 3) die Errichtung mehrerer Bäder; 4) daß, durch Ankauf von Feldern und durch die zur Bebauung derselben beschäftigten Juden, zahl-

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