Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1867)
- Date
- 1867-02-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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148 zeichneten auf diesen Zeitpunkt aufmerksam gemacht, vereinigt, dem Jubilar durch die Widmung einer Ehrengeschenkes ihre Anhänglichkeit und Liebe zu beweisen, und mich mit der Ausführung beehrt. Unser Herr Kreisrabbiner Gold mann zu Eschwege, der mit dem Jubilar stets in einem freundschaftlichen Verhältnisse gestanden und den ersten Impuls zur Feier gegeben, traf am gedachten Tage mit den Lehrern aus der Umgegend und drei entfernteren Collegen aus dem Kreise Rotenburg — die Mehrzahl war leider! durch die schlechte Witterung an ihrer persönlichen Bctheiligung verhindert — beim Jubilar gegen 11 Uhr Vormittags ein, und eröffnete die Feier mtt einer geist und schwungreichen, von echt jüdischem Geiste getragenen, das Lehrerleben im Allgemeinen und das des Jubilars im Besonderen schildernde Rede — vrr o’ccdji ata D-Nsin anai — in welcher er den Jubilar in Bezugnahme auf Daniel 12, H und den talmudischen Ausspruch: mpun hd^ei cpis'O r\"2"p"n vL' nicpb p\ny p p’EN1?. „Die Lehrer, welche redlich und gewissenhaft ihre Pflicht erfüllen, werden einst im Schatten Gottes sitzen" — auf die göttliche Belohnung verwies. Als Beweis seiner besondern persönlichen Achtung behändigte derselbe dem Jubilar ein in den ehrendsten Ausdrücken abgefaßtes lan-DipIom; und nachdem er demselben noch ein Gratulationsschreiben Königlichen Vor st ehe ramtes zu Cassel, worin dem Jubilar die verdiente Anerkennung ausgesprochen und eine Gratification von 15 Thalern übersendet war, übergeben hatte, überreichte ich, Namens der betheiligten Collegen, als wohlverdientes Ehrengeschenk einen werthvollen, mit passender Inschrift versehenen Pokal, wobei ich in der dabei gehaltenen Anrede unter Anderem, ob der wohlverdienten aber ausgebliebenen Anerkennung Seitens der Gemeinde in oorpora, die Worte unseres Erzvaters Jacob: nm n^a mpi am nr>n 'nnn auf den Jubilar anwendete und denselben darauf hinwies, daß, wenn auch die Undankbarkeit in allen Lebenssphären vielfach vorkomme, dies bei den jüdischen Gemeinden ihren Lehrern gegenüber eine nicht seltene Erscheinung sei; daß die Menschen in der Regel nur für einen Vorschub ihres leiblichen Wohls dankbar sind, den des geistigen aber kaum einer Anerkennung werth halten; daß die Mehrzahl die Mühen nicht kennt, unter denen Erkenntnisse gewonnen und Anderen beigebracht werden, — den Werth der Wohlthaten, die sie dem Lehrer zu verdanken haben, nicht zu schätzen verstehen —; daß nur, wer selbst edlen Geistes ist, geistige Wirksamkeit zu würdigen weiß und sich dazu gedrungen fühlt; daß das Bewußtsein der Pflichterfüllung — dieser Hochgenuß — schon des Lohnes reichste Fülle, — unabhängig vom Zufall der Anerkennung, — enthalte; daß der Friede, welcher mit dem Bewußtsein geübter Pflicht ins Herz einzieht, diese wonnevolle Zufriedenheit, im Hinblick auf Gottes Vaterwohlgefallen, in welchem die Seele des Gläubigen trunken schwelgt, unser höchstes Entgelt, unsere Stütze und unser steter Antrieb zu weiterer rastloser Thätigkeit zur Ehre Gottes und unserer heiligen Religion sein müsse; daß wir, da das ena« finysr qib1? für uns jüdische Lehrer im Diesseits von Außen her nur seiten Geltung habe, um so mehr dem Ausspruch b'V'n: i£iDD xbti nobn&D nj’tt nn»atp „Der Lohn wird erst am Schlüsse der Arbeit bezahlt" — hoffnungsvoll entgegen sehen dürfen. Der zu Thränen gerührte Jubilar bankte alsdann in einer längeren, gehaltvollen und ergreifenden Rede. Hierauf wurde derselbe von einer Anzahl Gemeindemitgliedcr mit der Ueberreichung eines silbernen Vorlegelöffels und von verschiedenen Schülern mit anderen Geschenken, sowie durch eine Menge mit der Mittagspost eingetroffenen Gratulationen in Prosa und gebundener Rede erfreut. Bei dem hierauf vom Jubilar auf's beste hergerichteten Festessen herrschte die heiterste Stimmung. Toaste und pikante Auslegungen verschiedener Schriftstellen — min ’-an «nnnan «nto — wechselten mit freundlichen Unterhaltungen. Da ein Theil der Festtheilnehmer einen weiten Weg vor sich hatte, so verließ derselbe schon gegen 4 Uhr die frohe Versammlung und eilte der Heimath zu, während ein anderer Theil noch einige Stunden in ungezwungener Heiterkeit beisammen blieb, bis auch für ihn die Zeit zum Aufbruche gekommen. Der Allgütige wolle Seine Gnade und Barmherzigkeit auch fernerhin unserem gefeierten Collegen zu Theil werden lassen! V. Müller. Lüneburg, 18. Febr. Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Hannover haben nack» vorgängiger Berathung und im Einverständniß mit dem Landrabbiner Dr. Meier alle Synagogengemeinden des vormaligen Königreichs Hannover durch Circularschretben aufgefordert, bei dem königlichen Staatsminister in Berlin, event. bei dem Könige selbst in einer Gesammtpetition zu beantragen', daß „1) die verfaffungsmäßige Gleichberechtigung der hannoverischen Juden in allen ihren Consequenzen erhalten bleibe und factisch durchgeführt werde, 2) daß in dem Armenwesen der Hannover'scheu Juden, wie in den Beiträgen zu den christlichen Schul- und Kirchenlasten, da hier noch einzelne Abweichungen im Principe bestehen, ebenfalls factische Gleichberechtigung herbeigeführt werde, 3) daß die innere Organisation des jüdischen Synagogen- und Schulwesens als berechtigte Eigenthümlichkeit der hannoverschen Juden unter staatlicher Leitung und Anerkennung erhalten werden mögen, 4) daß fernerweit mindestens 5000 Thaler aus Staatsmitteln für das jüdische Synagogen- und Schulwesen Hannovers be-