Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1867)
- Date
- 1867-02-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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150 reichen Familien ein Erwerb und demzufolge auch Gelegenheit zur besseren Pflege des Körpers geboten wird, ist leicht ersichtlich. Würde nun all' diesen Wünschen bald Rechnung getragen werden, so würde man all' den obgenannten — leider zahlreiche Opfer fordernden — Krankheiten Vorbeugen, den zahlreichen Andrang der vor Hunger erschöpften und entkräfteten Individuen zum Spitale bedeutend vermindern; man würde aber ganz gewiß auch der englischen Mission, welche hier aus die Noth und das Elend der armen halbverhungerten Juden ihre Spekulationen angelegt hat, einen bedeutenden Strich durch die Rechnung ziehen. Sollten nun auch Sie, hochverehrter Herr vr., mit meinen bescheidenen Ansichten zur schleunigen und gründlichen Hilfe für unsere Brüder in Jerusalem einverstanden sein, so erlaube ich mir zur Förderung dieses Zweckes auch Ihren werthen Einfluß höflichst zu erbitten. Di*. Benjamin London, Chef - Arzt des Rothschild - Hospitals in Jerusalem. (Unsere geehrten Leser wissen, daß wir seit Jahren eisrigst für die obenerwähnten Institutionen bemüht sind. Die Redaction.) Cochinchina. Saigon, den 1. Januar. Die religiösen Festlichkeiten werden in Cochinchina, wenigstens in Saigon nicht vergessen. Ein jeder dieser Festtage wird so gut als eben möglich gefeiert. Wir vereinigten uns bei einem Glaudengenoffen, Herr Elie Mayer, der uns eines seiner Zimmer zur Verfügung stellte und hier verrichteten wir gemeinschaftlich unser Gebet. Im Monat September, als dem Todestage einer der Eltern des Herrn Mayer, als auch an den zwei folgenden Tagen des Rosch Haschanah konnten wir zum ersten Male und vielleicht das einzige Mal die vorgeschriebene Zahl Glaubensgenossen zusammen bringen um Minjan zu machen. Schon acht Tage später, an dem großen Bußtage Jom Kippur sahen wir leider schon diese Unmöglichkeit ein, denn zwei Glaubensgenosien waren abgereist, um die Küste Cochinchinas mit dem alten Vaterlands in Europa zu vertauschen. Obschon wir nun unsere Gebete ohne und also ohne die gewöhnlichen Ceremonien verrichten mußten, sind sie dennoch mit großer Andacht gebetet worden. Das Fasten, das uns unter diesem sengenden Sonnenstriche als eine Utopie, als eine Sache, die durchaus hier unmöglich ist, erschienen, ist von unserer kleinen Chebra mit merkwürdiger Leichtigkeit ausgeführt worden. Die Vorsehung hatte unser ernstes Streben sichtlich unterstützt. Einen großen Theil des Tages hatten wir einen sanften und erfrischenden Regen, der unseren chimärischen Befürchtungen einer zu heftigen Alteration zu Schande werden ließ. Unsere intime Vereinigung verschafft den Ideen den Philanthropie sehr oft die ausgebreitetste Ausübung. Die Abgesondertheit ist uns Einmal hier zum Gesetze geworden, der gegenseitige Beistand jedoch zur heiligen Pflicht und aus dieser Bruderliebe ist eine Ruhe, eine Hingebung und ein Zutrauen geworden, welche selbst die Krankheiten, die in diesen Climaten so häufig erscheinen, nicht verwischen können. Vor einiger Zeit wurde eine kleine Commission ernannt, um einem unserer Brüder, der hier 1863 nach kurzem Aufenthalt zu Saigon gestorben, eine naso zu errichten. Der Arme starb gerade, als er im Begriffe war, sich ein schönes Vermögen zu erwerben; jedoch hatte derselbe einem anderen Glaubensgenossen sein Vertrauen geschenkt, so daß dieser jenen Vortheil noch benutzen konnte. Unglückseligerweise ließ sich unser frommes Project nicht realisircn. Die Register des Friedhofs sind abhanden gekommen und der neue Verwalter, der damals diese Stelle noch nicht bekleidete, kann uns nicht den Geringsten Aufschluß geben. Die wenigen Israeliten, die zu Saigon leben, genießen eines sehr guten Rufes und einer ausgezeichneten Achtung. Die Wahl für die Erneuerung der Mitglieder des Handestribunals haben für diese Behauptung ein beredtes Zeugniß abgelegt. Von den zehn bis zwölf Israeliten sind bei 42 Wahlkandidaten dennoch drei jüdische Namen aus der Urne hervorgegangen, welche dem Admiral-Gouverneur zur Bestätigung vorgelegt werden; es sind dieses die Herrn Marx, Albert Meyer und Pohl; Herr Elie Meyer hat trotz der inständigen Bitten auf die Ehre, auf der Wahlliste zu siguriren, verzichtet. — Als treuer Correspondent, werde ich Ihnen, Herr Redacteur, alles das berichten, was ihre Le'er intereffiren könnte: Die Thätigkeit der Israeliten des äußersten Ostens und ihr Gedeihen. Auf meiner Rückkehr nach Frankreich werde ich die Synagogen zu Signapor besuchen, die Sitten und Gebräuche der zahlreichen arabischen Juden, die jenes Land bewohnen, studiren. Ich werde durch Aden reisen, wo eine jüdische Bevölkerung von ungefähr 2,000 Seelen eine Vorstadt bewohnt, woselbst sich eine große Synagoge befindet. Wenn es mir möglich ist, werde ich Jerusalem sehen und Ihnen alsdann getreulich Bericht erstatten. G. Liebschütz, Attache bei der kaiserl. Druckerei zu Saigon. (A. I.)