Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-02-27 · Heft 9 (27.2.1867) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 9 (27.2.1867)
Date
1867-02-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447301--04936-2460417
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

147 sich zu reklamiren. — Gott ist nur für denjenigen da, der an ihn glaubt. Maßen nun aber der Convent über ein Gottesbewußtsein weit hinaus zu sein schien; so strich er diese „Tradition" und machte wie in so Manchem Tabula rasa; erst am 20. Prärial (8. Juni) wurde das höchste Wesen wieder pompös emgesührt, und par decret des Conventes unser Hergott durch Männer welche Eichenzweige in den Händen hielten, weißgekleidete Mädchen mit Rosensträußen und Blumenkörben, Jünglinge im Waffenschmuck, Coventsmitglreder in Federbüschen, Bänder rc., wieder eingeführt. Verstehen unsere heutige Nihilisten etwa etwas anderes unter Gottesverehrung als Schärpen und Bänder und sonstiges öffentliches Geflunker? Alles schon da > gewesen, sagt Rabbi Akiba in Uriel Akosta. „Die Demoralisition des scheinheiligen Geschlechtes spielt sich leider als trauriger ntcrn in den Gerichtssälen ab," fährt Herr Sz. fort. So?! Also die Werkheiligkeit spiele sich ab dort in den j Criminalgerichtssälen? Sammelt nur die statistischen Data und wir wollen sehen, ob ihr noch die | Stirne habet, das zu behaupten. Ganz etwas An-! deres lehren die diesbezüglichen traurigen Ersah- ' rungen. Wenn ihr cs denn doch wiffen wollet; ihr Vergötterer des Lebens und Advokaten der nim- - mersatten Concessionen an dasselbe: Schaffet uns die . Zeiten der sittlichen und unschuldigen Jugend wieder, ' Mitlebenden entscheiden, oder muffen hier nicht vielmehr die Stimmen gewogen und die Ansprüche der Nachwelt erwogen werden?" Dieses philosophische Gerede will, in ein undiplomatisches, verständliches Deutsch übersetzt, Folgendes sagen: Erstens: Ich habe euch zwar in diesem Artikel immer von einer Minorität der Orthodoxen gesprochen; ob dieses so wahr ist, weiß ich nicht recht. Möglich (sogar wahrscheinlich) daß das Suftrage universel bei dem rapiden Zuwachse durch die Freizügigkeit gegen mich zeugt, aber dann gilts nichts; da müßt ihr wiegen, mich vor allen Dingen, dann H. Kompert u. s. w. und dann erst das stultum vulgus. Zweitens: Es ist möglich (sogar wahrscheinlich), daß bei meinem noch so großen Gewichte dennoch meine Wagschale hinaufschnellt; ja ihr müßt ja aber auch den Nachwuchs der Wiener Gemeinde bis ans Ende der Tage mitwiegen; wieviel diese wiegen wißt ihr nicht, ich auch nicht; also habe ich Recht. Punktum, Streusand darauf. Jetzt zum Schluffe eine kleine Frage: Wozu hat eigentlich Herr Sz. sich in diesen 5 Artikeln so abgeärgert? Quem ad finem? — Damit nicht ein Mann, wie etwa Herr Anton Bing in den Vorstand gewählt werde. Er ist aber dennoch geworden; also- Dr. I. Hldesh eimer. wo die jüdischen Mädchen noch nicht mit der „Majorität" kokettirten, wo es noch keine Rou4s, noch keine jüdische Dandis, noch keine riesigen Schuldenmacher gab, wo ein jüdischer Räuber noch eine Unmöglichkeit war. Freilich kann ein Leben, in welchem die Reli- , gion nur ein Aschenbrödel ist, nicht immer außer j Collision mit dem Strafgesetze bleiben: unsere „be-! schränkten" Alten aber konnten es wohl. Zieht die! Segel eurer Verführung ein, und die Gerichtsäle werden sehr wenig von Juden zu erzählen haben. — Ja richtig, ganz vergaß ich, daß der Herr Redacteur sich auch weidlich darüber geärgert, daß selbst Männer, die sich nicht zu den Prinzipien der Synagoge in der Schiffgaffe bekennen, dennoch aus Hochachtung vor der Ehrlichkeit dieses Prinzips, den Eynagogenzwecken Spenden zukommen lassen. Nichts Neues unter der Sonne, vergleiche Aboth Kapitel 5 Mischnah 13 Ende. Vergebliches Bemühen, die edlen Zwecke werden doch nach wie vor gefördert, allseitig gefördert werden, wenn längst Niemand mehr an die Neuzeit denken wird. Drollig aber ist es, höchst drollig, damit zu vergleichen, wie ein gewisser Jemand vor den letzten Feiertagen Annoncen über seine Privatbetstube in Gast- und Kaffeehäusern herumgeschickt. Am allerlustigsten aber ist unstreitig der Schluß dieses Artikels, welcher lautet: „Wird eine Fortbewegung auf religiösem Gebete durch ein Suffrage universel erzielt, und darf man in dieser Beziehung nach Stimmenmehrheit der Ieitungsnachrichleir und Correspondenzen. Deutschland. □ München, 17. Februar. Se. Majestät der König haben sich Allergnädigst bewogen gefunden, unterm 13. Jan. l. I. dem Banquier und königl. sächs. Consul Max Wilmersdörffer in München die Bewilligung zur Annahme und zum Tragen des von Sr. Majestät denr Könige von Sachsen chm verliehenen Albrechtsritter-Ordens zu ertheilen. Frankershausen, bei Eschwege. Der, den Lesern dieser geschätzten Zeitung durch Referate und sonstige Artikel wohl nicht unbekannte Lehrer B. W e stheim in Abterode, in moralischer wie in intellektueller Beziehung einer der würdigsten Lehrer Kurhessens, der sich sowohl durch vielseitiges und gründliches Wissen in eoctsn m, als auch durch außer- , gewöhnliches Lehrtalent auszeichnet, und schon seit 34 j Jahren als von der vormals kurfürstlichen Regierung bestellter Lehrer mit segensreichem Erfolge wirkt, die Achtung und Liebe aller seiner Vorgesetzten Behörden und seiner Collegen sich erworben, feierte am 1. Januar d. I. das 25jährige Jubiläum seiner Amtsthätigkeit in Abterode. Siebenzehn jüdische Lehrer aus der Nähe und Ferne und fünf christliche hatten sich, vom Unter-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.