Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-02-27 · Heft 9 (27.2.1867) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 9 (27.2.1867)
Date
1867-02-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447301--04935-2460416
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

146 kann, kann und wird Sein ewiges Gesetz der Wahrheit aufhören und ebensowenig wiederum Israel als der Träger Seiner ewigen Wahrheit. Ziehen wir nun das Resum6 alles Gesagten zusammen, so erhellt daraus, daß das gelammte Israel weder von der Erfüllung des geschriebenen Gottesgesetzes (unzoitf min),' das keinen „starren Glauben" der Orthodoxie fordert, sondern die reinste Orthodoxie aus klarster Ueberzeugung in jedem edeldenkenden Israeliten wie von selbst erzeugt, eben weil es kein „todter Buchstabe", sondern eine unversiegbare Quelle lebendigen und lebenerquickenden Geistes ist — noch von der Erfüllung der mündlich überlieferten Gesetze (hd bjatp.min) — ohne welche die göttlichen Vorschriften theils gar nicht, theils nicht im rechten Sinne verstanden und ausgeübt werden könnten und welche daher die Bewahrung jener reinen Quelle und die Erhaltung Israels durch alle grausigen Stürme der Zeiten bewirkt hat — jemals entbunden werden kann. Es ist daher ein höchst unheilvoller Wahn der Neologen Israels, die obenerwähnten Redensarten der in ihrer Art aufgeklärten Nichtisraeliten nachzuahmen und sie sich gar zu Lebensgrundsätzen zu machen. Es ist dies der gefährlichste Wahn der Neologie, aus dem alles Unheil der Gesetzesuntreue und ihrer schrecklichen Folgen meiftentheils mit Herzuleilen sind. ES ist darum auch höchst lächerlich, aus dem Munde von Jehudim Ausdrücke zu hören, wie: „An das und jenes nichtssagende Gesetz des Talmuds binde ich mich nicht, an die und jene Gebräuche und Ceremonien halte ich mich nicht; sie sind dem Zeitgeiste nicht mehr angemessen; man macht sich lächerlich damit" 2C. 2C. O, möchten doch solche Unverständige in Israel es einsehen lernen, daß die Ausübung aller göttlichen Vorschriften nur geistige Größe, echten Seelenadel, höchste Weisheit, reinste Aufklärung und in Folge dessen unwillkürliche innere Achtung seitens aller wahrhaft Gebildeten andern Glaubens uns schafft; daß wir nur dadurch geeignet sind, den Zeitgeist zu verbessern, der zwar in manchen Dingen schon wahrhaften Fortschritt bekundet, aber noch in den meisten gar sehr der Verbesserung bedarf, und daß wir wiederum nur durch die Befolgung der göttlichen Vorschriften fähig sind, der civilisirten Welt, die Israel nur dadurch in's Leben gerufen und nur dadurch erhält, würdig eingereiht zu werden; daß wir hingegen nur durch unsere persönlichen Thorheiten uns lächerlich und durch schlechte Handlungen verächtlich machen können. Nehmen wir uns darum zur Lebensnorm zwei Wahrsprüche unserer Weisen, die ihre Weisheit durch Jahrtausende bewährt haben: 1) ym nn« pr-rn miarOD rbp msoa “pht mn nisra tw pst?;nn „Beobachte ebenso sorgfältig ein dir unwichtig erscheinendes als ein wichtig in die Augen fallendes Gebot; denn du kennst den hohen Werth der Gebote nicht;" 2) nmy nnu mnyi mso n-nu roso „Die Erfüllung eines Gottesqebotes führt unwillkürlich zur Ausübung mehrerer Tugenden und eine Uebertretung zieht unvermerkt mehrere Vergehen nach sich". Und so sei diese Abhandlung geschloffen mit dem aufrichtigen Wunsche: mno um mm -poti p'2 enn nx „Laß ein neues Licht über Zion leuchten und uns Alle zu Deinem Lichte, Allgütiger, gelangen! Amen! Die Wuthausbrüche eines Rcfsrmblaltes gegen die Wiener Lnltnsgemrinde, für jeden Unparteiischen beurtheilt von Dr. J. Hildesheimer. (Schluß.) „Wenn wir nicht Furcht vor dem Reichthume der Besagten hätten, wir würden ganz andere Seiten aufziehen" — meint der Neuzeitliche. — Wer lacht da? — Aber „gespaßig" ist's auch mitunter. So wird einmal alles Ernstes von der Fütterung der Fische mit Sündenbröschen aus der Hosen- (nichts über die Genauigkeit!) Lasche, alias "i^npn gesprochen; man sieht, welche Ammenmährchen H. Sz. sich aufbinden läßt. Aber das Frage- und Antwortspiel, das ist besonders „putzig". „Nur Geist und Prinzip des Schulchan Arach ist maßgebend, werdet ihr Preßburger und Schiffschulmänner sagen (was diese sagen würden, weiß ich nicht, ich habe kein Mandat, ihr Anwalt zu sein) das dürft ihr aber nicht sagen." Freilich dürfen sie und wir alle das nicht, und fällt eL uns auch nicht im Schlafe ein, solches zu thun, der S. A. gilt dem Geiste und dem Buchstaben nach; auch hat sich derselbe seines Inhaltes durchaus nicht zu schämen, so verbissen auch enragirte Rationalisten immer auf ihn waren und stets auf ihn sein werden; das Lustigste aber ist der Advokatenkniff, mit welchem Herr Szantü den Knoten zerschneiden zu können glaubt. Der S. A. meint der Herr Redacteur, hat nur für Diejenigen Geltung und Recht — die an ihn glauben. Maßen nun aber Herr Sz. über Moses und Propheten, Tanai'm und Amoraim, Rischonim und Achronim viele tausend Sonnenentfernungen steht; so haben alle diese nicht die von Gerechtsame denselben für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.