Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1867)
- Date
- 1867-02-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447301--04932-2460413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
143 England. London. Am 31. Januar d. I. starb dahier im Atter von 66 Jahren Jean Czinski. Früher Advocat zu Lublin, mußte er später als politischer Flüchtling sein Vaterland verlassen. Seine Eltern waren Juden, die zum Katholizismus übergingen, und Jean wurde in dieser Religion geboren und erzogen. Viele Familien der polnischen Aristocratie sind Nachkömmlinge dieser Neophyten, z. B. die Malachowski, die Augustowski, die Wolowski, Lelevel, Mischewitz rc. Alle diese Familien haben sich stets kalt, [a abstoßend gegen die Juden benommen. Jean Czinski allem machte hiervon eine rühmenswerthe Ausnahme. Von seiner frühesten Jugend bis zu seinem letzten Augenblicke liebte er die Juden. Er beschäftigte sich fortwährend für ihr Interesse. Er sprach und schrieb sowohl in polnischer als in französischer Sprache für die Rechte Israels. Unterstützen, empfehlen, anstellen, den armen polnischen Juden Arbeit zu verschaffen war sein größtes Vergnügen, seine beständige Passion. Schon in Polen vertrat er bei der provisorischen Regierung während der Revolution 1630 die Sache der Juden. Sobald er nach Frankreich kam, veröffentlichte er das Werk, „die Juden Polens". Sein gewöhnliches Sprichwort war: „La cause juive est ma vie.“ Ehre und Respect vor diesem Biedermanne. (A. I.) Amerika. Philadelphia. Der „Israelit" brachte in Nr. 7 d. I. einen Leitartikel, worin von der Amtsthätigkeit des Reformrabbiners Samuel Hirsch, früher in Luxemburg, die Rede wir. Nunmehr hat derselbe eine Stelle bei einer Resormgemeinde zu Philadelphia angenommen. Seine Antrittsrede hielt derselbe mit entblößtem Haupte. Ein Correspondent des „Hebrew Leader,“ der den Kenntnissen und Fähigkeiten des Herrn Hirsch alle Gerechtigkeit wiederfahren läßt, schreibt, daß derselbe durch seinen Reformeifer die große einflußreiche und im Ganzen friedliche Gemeinde von Philadelphia außerordentlich zersplittert. Der „Jewish Messenger“ spricht von einer neuen öffentlichen Schule, welche dahier errichtet wurde. Unter Anderem schreibt er, die Mischnaklaffe unter der vortrefflichen Leitung des Herrn Bnttenwieser hat bereits ihren Cursus eröffnet. Diesen Unterricht genießen vorderhand 6 Schüler. Im Allgemeinen erfreut sich die Schule des besten Anklanges." P a l ä st i n a. Austu. Erlauben Sie mir, heute den geschätzten Lesern des „Israelit" Einiges über die Verhältnisse unserer Stadt und Umgebung mitzutheilen. Jaffa hat in neuester Zeit sehr viel in Bezug auf Schönheit und GesundheitSmäßigkeit gewonnen. Früher waren die meisten Straßen so eng, daß keine drei Personen in denselben nebeneinander hergehen konnten. Diesem Uebel ist man jedoch so gründlich, als es bei dm obwaltendm Verhättniffen möglich ist, entgegen getreten. Selbst Gewölbe und Häuser, die der Erweiterung und dem Alignement der Hauptstraßen im Wege standen, wurden abgerissen. Auch beginnt man damit, diese Straßen zu pflastern. Früher war der Landungsplatz des hiesigen Hafens in so elendem Zustande, daß fremde Reisende sich regelmäßig, und zwar mit Recht darüber beklagten. Heute ist kein Grund mehr zu diesen Klagen vorhandm. Auch baut man fleißig an einer Kunststraße von Ecypten hierher, so daß wir hoffen dürfm, die Prophezemna mpyn rmi nypsi» Q’Dznm bald erfüllt zu sehen. — Tue amerikanischen Coloniften sind sehr fleißige Leute, die sich durch die Erfolge, die sie schon in der kurzen Zeit zu erzielen wußten, allgemeine Anerkennung erwerbm. Manch wüster Fleck ist seit einigen Monaten in schön bearbeitetes Ackerland umgewandelt worden. Möge ihnen der nächste Sommer eine recht glückliche Ernte bringen, damit es endlich auch unserm Glaubensgenossen gelinge, sich bei dieser Colonisation zu betheiligen. Meier Hamburger, Gemeindevorstcher. Australien. Sidrrey. Die dritte Jahresprüfung an der hiesigen jüdischen Sabbatschule fand unlängst statt. Diese Schule wird gegmwärtig von 106 Schülern und Schülerinnen besucht. Die Fortschritte der Zöglinge sind sehr erfreuliche. Das sämmtliche Lehrpersonal unterrichtet gratis. Der Rabbme A. B. Davis ist Director und Gründer der Schule und versieht derselbe sein Amt, vereint mit den Lehrkräften, mit wahrhaft ritterlicher Hingebung. (Sidnep Empire.) Feuilleton. Rabbi Elchanan. i. Kennst Du, lieber Leser, das goldene Mainz? Kennst Du den wundervollen Strom, der sich herabwälzt von den mächtigen Alpen, um glückliche reichgesegnete Länder zu durchziehen, an dessen Ufern der Sonne goldner Strahl die köstlichsten Weine reist — kennst Dü den gewaltigen Strom, den unzählige Dichter besungen haben, kennst du den herrlichen Rhein-