Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1867)
- Date
- 1867-02-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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142 tiefgefühlten Dank auszusprechen, so für dieses Vertrauen, wie für die mir bezeugte wohlwollende und nachsichtige Beurtheilung meiner Bestrebungen zum Wohle der geliebten Vaterstadt und des Vaterlandes. Mayer Carl von Rothschild. Frankfurt am Main, den 18. Februar 1867." CU München, 20. Februar. Seit dem Bestände der sogen. „Dulten" dahier gab es unter den dortigen Reihen der Verkaufsbuden auch eine „Judenreihe";. eine ebenso unrichtige, weil sie durchaus nicht von Juden allein frequentirt wurde, als gehässige Bezeichnung: kurz, ein Ueberbleibsel entschwundener Unduldsamkeit. Nachdem nun dieser Name seit dem unvergeßlichen bayr. Landtagsabschiede des sel. Königs Maximilian II. imJahre186l auch keinen Sinn mehr hatte, aber dennoch selbst in öffentlichen hiesigen Tagesblättern fortwährend gebraucht wurde, hat sich Herr Seligumnn Lazarus Skutsch an die kgl. Polizeidirection München gewendet, mit der Bitte um Aufhebung der obenbezeichneten Benennung und dem Nachweise der Richtigkeit obiger Darlegung. Hierauf erhielt Herr Skutsch folgenden Beschluß mit Nr. 16,132 amtlich zugeftellt: 4 (Abdruck.) Dieffeitiges Aktenzeichen: 15,222. Ter Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt München an den Kommissions- und Schreibbureau-Jnhaber Herrn S. L. Skutsch hier. Auf Ihre an die königl. Polizeidirection gerichtete und von dieser anher mihzetheilte Eingabe vom 16. v. M., die Aufhebung der Bezeichnung „Judenreihe" auf der Münchener Dult betr., wird Ihnen hiermit zur Entschließung erwidert, daß der Aushebung der Bezeichnung „Judenreihe" ein Hinderniß nicht im Wege stehe, und daß die fragliche Verkaufsabtherlung in Zukunft „V. Reihe" benannt werden wirb. Am i5. Februar 1867. Bürgermeister: (gez.) v. Widder. Rsm. Die Aufhebung der Bezeichnung „Judenreihe" auf hiesiger Dult betreffend. □ Augsburg, 19. Febr. Der hiesige Stadtmagistrat, an deffen Spitze der tolerante Bürgermeister und Abgeordnete Fischer steht, hat unserer israelitischen Cultus-Gemeinde einen ziemlich großen, (vor dem „rothen Thore" gelegenen) Platz behufs Anlegung eines nnapn tva zum Geschenke gemacht. Gewiß ein Akt der Freigebigkeit und Humanität gegenüber der Stadtbehörde Augsburgs, die noch vor circa einem Jahrhundert „von rechtswegen" verordnete, daß dieses Thor (wie noch mehrere andere), von Juden gar nicht paffirt werden dürfe! — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Ein entsetzlicher Vorfall, welcher geeignet ist, auf die dortigen Sicherheitszustände ein düsteres Licht zu werfen, hat sich in Karls bürg dieser Tage zugeirageu. Bei dem dortigen israelitischen Einwohner Aaron Wols drangen in der Nacht fünf vermummte und bis an die Zähne bewaffnete Kerle ein knebelten die Dienstboten und einen Almosen sammelnden galizischen Juden, welcher sich dort über Nacht befand , und verlangten nun von dem Hausherrn und seiner Frau die Herausgabe alles Bäargeldes und Schmuckes. Da die Beiden sich nicht beeilten, dem Ansinnen der Räuber Folge zu leisten, wurde Aaron Wolf ausgehängt, während die Unmenschen seiner Frau heißes Siegellack in das Gesicht träufelten. Nun wurde eilends alles zusammengerafft, worauf sie den Hausherrn, der noch lebte, von der Schlinge wieder erlösten und ihn mit feiner vor Schmerzen stöhnenden Frau aus dem Boden liegen ließen. Darauf entfernten sich die Räuber, deren Zweck vollständig gelungen war. Man hat bisher keine Ahnung von ihrer Spur. Frankreich. StraHbrrrg. Die „A I." vom 15. Febr. d. I. schreiben: Man berichtet uns, freilich etwas'spät, einen Zug eigenthümlicher Toleranz des Stadtraths zu Straßburg: Man weiß, daß die Neujahrstage und die beiden ersten und letzten Tage Sukkoth dieses Jahr auf Montag nnd Dienstag fielen. Was anfangen, um auf Sonntaa, als dem Nüsttage dieser Feste, frische Fische zu bekommen, die bei der jüdischen Bevölkerung des Elsaß als unentbehrlich zu dieser Feier gelten? Wie konnte man sich dieselben verschaffen, du doch an dem Feiertage der Christen die Kaufläden alle streng geschloffen sind? Die Municipalität hat sich unterzogen, dieses Räthsel zu lösen, indem sie anordnete, daß während dieser drei Sonntage Vormittags zwei Stunden Fischmarkt gehalten werde, und Niemand beklagte sich über diese Verfügung. Belgien. Brüssel. Der nene Landrabbiner Belgiens, Herr Astruc, machte seine Gemeinde auf die Notwendigkeit einer neuen Synagoge für die Stadt Brüffel aufmerksam und wurde dieser Vorschlag mit solchem Enthusiasmus ausgenommen, daß der Senator Bischofsheim allein 40,000 Frcs sofort zu deren Bau zeichnete. Auch andere Gemeindemitglieder tragen bedeutende Summen zu diesem Zwecke bei? i