Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1867)
- Date
- 1867-02-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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14 0 ba§ fünf der Angeklagten entlassen sind und daß endlich der siebente, des falschen Zeugnisses überwiesen, nur Untersuchungshaft auszuhalten hatte. Der Gesandte sprach seine Bereitwilligkeit aus, der Regierung die Klagen der Israeliten zu Wilna, welche durch die Propaganda einer Gesellschaft, die vom Gouverneur beschützt und von den Zeitungen des! Landes ermuthigt, die Vertreibung der Israeliten in Masse bewirken will, in großen Schrecken versetzt wurden — mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften zu unterstützen. Die unaufhörliche Zurückforderung der Gerechtigkeit führt nur langsam zum Triumphe. Einer unserer Mitglieder hat den Gedanken ausgesprochen, daß man nach einem anderen Rettungsmittel für bie Leiden unserer Glaubensgenossen juchen müffe und uns vorgeschlagen, ihre Auswanderung zu ermuthigen. Doch nach welchem Lande soll man sie führen? Die Israeliten zu Schabatz in Serbien wollen nach Palästina auswandern. Aber was sollen sie in einem Lande ohne Ackerbau und Industrie thun? Die Einwohner dieses Landes sind in einer trostlosen Lage. Große Schwierigkeiten bieten sich daselbst dar. Sehr ruhmvoll wäre es, sie zu überwinden. Ein Versuch wird durch eine in Deutschland unter dem Präsidium des Herrn Kalischer, Oberrabbiner zu Thorn. bestehende Gesellschaft unternommen. Diese Gesellschaft hat nur ein kleines Kapital und wurde dasselbe zu unserer Verfügung gestellt, da man dachte, daß es der „Alliance" leicht möglich wäre, es zu vergrößern. Wir haben das Anerbieten angenommen, haben uns aber die Befugniß Vorbehalten, den Ertrag dieses Kapitals zur Förderung des Ackerbaues unter der Form, welche uns als die beste erscheinen wird, verwenden zu dürfen, bis zum Zeitpunkte, wo, Dank der Freigebigkeit unserer Glaubensgenossen, das Kapital zu einem Kolonisationsversuch genügend sein wird. Diese Zeit ist vielleicht ganz nahe, wenn wir durch entschloffene und eifrige Männer, wie den Oberrabbiner zu Thorn, und einige seiner Mithelfer, von denen jüngst ein Rabbiner aus Ungarn, aus Ergebenheit zu seinen Brüdern in Palästina, zu uns kam, unterstützt werden. Das günstigste Land zur Auswanderung ist jetzt Amerika. Dieser große Ecdtheil aut ungeheuer» Ländermassen, mit einem blühenden Ackerbau und Handel, mit einer Freiheit ohne Grenzen, bietet der Thätigkeit des Menschen unerschöpfliche Quellen dar. Hier haben so viele Unglückliche und Unterdrückte ihre Zuflucht gesunden. Die großen Gemeinden Amerika's wurden j von Israeliten aus Europa, welche durch die religiöse! Unduldsamkeit von dort verjagt wurden, gegründet. Nach Amerika muß man diejenigen Glaubensgenosien,! die in ungastfreundlichen Ländern wohnen, zu bringen; suchen. Die äußerste Armuth ist in den meisten Fällen ein Hinderniß zur Auswanderung. Den Auswanderern beizustehen, ist ein würdiges Werk für unsere Glaubensgenosien in Amerika; wir haben es ihnen vorgeschlagen. Unsere armen Glaubensgenosien können sich wohl durch die Auswanderung der Verfolgung entziehen; aber dies ist nicht der einzige Weg der Rettung. Die Meisten hängen an dem Boden, «uf dem sie geboren sind und wollen, wenn ihr Mißgeschick auch noch so groß ist, da bleiben in Erwartung besierer Tage. Das wahre Ziel unseres Werkes ist, die Stellung unserer Glaubensgenosien in ihrem Lande zu ändern und wenn der Einfluß der Civilisation auf die Gesetze und Sitten der Völker zu dieser Aenderung beitragen kann, so muß man von unseren Glaubensgenossen selbst noch mehr erwarten. Mögen sie arbeiten, und hartnäckig kämpfen gegen die Unwiffenheit. Sie werden in einer intellectuellen Bildung, die in ihnen das Gefühl der moralischen Würde entwickelt, das wahre Werkzeug ihrer Freiheit finden. Wir haben dieselbe und uns liegt es daher ob, sie auch ihnen zu verschaffen. Wir müssen ihnen Lehrer, Schulen und Bücher geben. Dieser Aufgabe kommen wir nach. Sobald wir zu der Summe, welche eine Gemeinde jährlich zu geben im Stande ist, das Fehlende zur Unterhaltung der Schule hinzufügen können, wird ihre Errichtung beschlossen. Wir suchen dann, um sie zu leiten, einen Mann, bei dem sich Geradheit, Festigkeit des Charakters, Reinheit der Sitten, Liebe zu seiner Religion und zu seinen Glaubensgenossen mit wissenschaftlicher Bildung vereinigt. Wir geben in seine Hände die Bücher, die Werkzeuge, die Methode, jede wissenschaftliche Ausrüstung unserer Schulen. Er reist ab. Bei seiner Ankunft ist die Schule . eröffnet. Die Einzelheiten ihrer Organisation werden i dann nach der von unserem Cornitä bestimmten Grundlage von ihm und der Gemeinde geordnet. Seine Pflicht ist es, alle Kinder der Stadt aufzunehmen und den Armen wie den Reichen gleiche Plätze zu sichern. Der wohlthätige Einlluß der Schule zeigt sich bald. Man begegnet nicht mehr auf den Straßen umherschweffenden Kindern; sie haben nicht mehr die verkommenen Gesichter, welche ihnen das Unglück und das Elend gab. Sie sind nicht mehr dem Müffiggang und dem Schmutze des Lasters ausgesetzt. Durch den Unterricht werden sie veredelt; chr Gesicht nimmt wieder den Glanz der natürlichen Schönheit an, sie erlangen die Gefühle der persönlichen Würde, welche sie drängt, dem Elende und der Knechtschaft zu entgehen. Die Bildung macht oie Aenderung ihrer Stellung leicht, die Eltern sprechen einander, und die Aussicht einer glücklichen Zukunft für ihre Kinder erhebt sie sel st. Wenn sie auch ihre eigne Stellung nicht