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Der Israelit · 1867-02-20 · Heft 8 (20.2.1867) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 8 (20.2.1867)
Date
1867-02-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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134 der reichsten und angesehensten christl. Kaufleute fast die höchste Nummer zog. Kaum erfuhr der reiche Vater de- Glücklicheren das harte Loos des armen Juden, als er diesen auch sogleich kommen ließ, ihm für seinen Sohn die hohe Nummer seines eignen Sohnes überließ, und für diesen, der doch schon frei war, einen Stellvertreter kaufte. Dies geschah zu Lübeck, an dem Orte, wo bis zum Jahre 1848 kein Jude wohnen durfte. rvua anx Memel, im Februar. Herr Dr. Rülf, Prediger der hiesigen isr. Gemeinde, hat ein Schriftchen herausgegeben, in welchem er darfiellt, wie es ihm gelungen, einen jüdischen Knaben der protestantischen Mission daselbst, zu entreißen. Herr Dr. R. erzählt: „Etwa um die Mitte des Monats November kamen eines Tages zwei russische Juden, die aber, wie so viele ihrer Glaubens- und Landesgenoffen hier in Memel sich angefiedelt haben, und erzählten mir Folgendes: „„Vor wenigen Tagen fand ein russischer Inden- Knabe in jämmerlichstem Zustande sich hier ein; wir gaben ihm Kleider, Essen, Nachtquartier im Beth-hamidrasch und unterstützten ihn auch mit Geld. Plötzlich war er verschwunden und wir erfuhren, zur Be^ stürzung Aller, daß er dem englischen Prediger in dre Hände gefallen sei und von demselben getauft werden sollte. Da machten wir die hiesige Polizei auf den Knaben aufmerksam, welche sich seiner, als er sich wieder zeigte, bemächtigte. Allein der Prediger hat ihn heute, vermuthlich mit Beihilfe seines Consuls, von dort wieder entnommen und hat ihn, uns so recht zum Aerger und zum Grame, nicht direkt, sondern auf einem Umwege über die Börsenbrücke, mitten durch die dort in Mafien versammelten Juden, wieder nach seiner Wohnung geführt. An Ihnen ist's nun zu rathen und zu helfen, damit der Knabe seiner vielleicht um ihn in schweren Sorgen versenkten Familie, welcher er entsprungen sein mag, zurückgegeben werde."" Ich wandte mich nun mit einem Bittgesuche, worin ich den Knaben für seine Familie reclamirte an den verehrlichen.Magistrat der hiesigen Stadt, welcher dasselbe sofort an das Landrathsamt gelangen ließ." Herrn Dr. Rülf ist es denn auch gelungen, den Knaben seiner Familie zurückzugeben; derselbe heißt Jankel Widrtzki und ist aus Wilna. Der Vater desselben, auf telegraphischem Wege benachrichtigt, kam nach Memel und nahm von dort den seinen Eltern entlaufenen Jungen mit sich nach Wilna. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Im Unterrichtsrath finden gegenwärtig Verhandlungen betreffs der Reorganisirung der israelitischen Vo lksschulen statt, und sind aus diesem Anlaffe mehrere Fachmänner aus den verschiedenen Kronländern hierher berufen worden, um in dieser Angelegenheit ihr Gutachten abzugeben und den betreffenden Verhandlungen beizuwohnen. Prag, den 17. Februar. Der in diesen Blättern bereits mehrfach erwähnte Dr. Emil Hoff aus Neutra in Ungarn ist als Prediger an die hiesige Pinkas-Synagoge berufen und wird am Sabbat Paraichath Schekalim sein Amt antreteten. Gr.-Wardein, 12. Februar. Nach langen hartnäckigen Kämpfen zwischen den Orthodoxen und der Neformpartei ist endlich aus beiden Seiten völlige Apathie eingetreten. Die mit so gewaltigen Anstrengungen erzielte Einrichtung eines Chortempels scheint keinen andern Zweck zu haben, als das Budget, respective Deficit, der Gemeinde um ein Er ormes zu erhöhen; denn außer dem Cantor und Küster, vulgo und sonstigen obligaten Personen, wird derselbe von Niemanden besucht. Es war eben eine Modecapriece, weiter nichts. Allein auch um wahrhaft religiöse und nützliche Gemeinde-Institutionen kümmert sich kein Mensch, man läßt lieber Alles gehen wie es eben geht, aus Furcht, einen neuen Conflict hervorzurufen, denn man ist hier des ewigen Gezänkes müde. Dagegen macht sich jetzt in sehr erfreulicher Weise eine besondere Theilnahrne für Lernvereine geltend. So wurde eine man d"w gegründet, der man mit Zuverläffigkeit ein gutes Prognosticon stellen kann; Besondere Verdievste um diesen Verein hat sich Herr Rafael Kurländer erworben, was ehrende Anerkennung verdient. Ferner wurde auf Anregung Sr. Ehrw. des Herrn Oberrabbivers ein Verein unter dem Namen: min »p’ino ins Leben gerufen, dessen höchst löbliche Aufgabe es ist, armen und bedürftigen Lomde Thora eine angemessene und sorgenfreie Existenz zu beschaffen. Diese Lomdä Thora halten auch allsabbatliche Vorträge aus populär-religiösen Werken. Endlich besteht hier eine sogenannte Schiur-Chevra, deren Mitglieder zumeist dem Handwerkerstände angehören, und "welche einen gelehrten, frommen Mann besolden, der sie das Wort Gottes lehrt. Alle diese Vereine haben ihre Statuten einer hohen K. K. Statthalterei unterbreitet, und es ist zu hoffen, daß sie genehmiget werden, .t-in'i hin 'inx* lpns p?n 'n S. K. Jamnitz (Mähren). Die gegen die Rädelsführer und Theilnehmer an dem Judenexzeß in Jamnitz eingeleitete strafgerichtliche Untersuchung ist im Laufe dieser Tage abgeschlossen worden und ist die Schlußverhandlung dieses höchst interessanten Prozesses beim k.?. Kreisgerichte in Znaim für den 20. d. anberaumt. Die Verhandlung dürste mehrere Tage in Anspruch nehmen, da außer den fünf Rädelsführern, welche sich seit sechs Monaten in Untersuchungshaft in Znaim befinden, noch weitere Theilnehmer, über vierzig an

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