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Der Israelit · 1867-02-20 · Heft 8 (20.2.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 8 (20.2.1867)
Date
1867-02-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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gen wieder ihren gewöhnlichen Berufsgeschäften nach. Alle zweifelten nicht einen Augenblick an der Erfüllung des Versprechens; was auch immer Graf St. versprochen hatte, es war stets erfüllt worden. In seiner Zelle saß in dumpfem Hinbrüten der Gefangene. Als der Wärter Brod und Master brachte, lächelte er so eigenthümlich; allein der Gefangene bemerkte es nicht. Als aber Jakob Etwas esten wollte, fand er in dem Brode ein Zettelchen, auf dem die Worte standen: „Verzage nicht, Vater, es wird noch Alles gut werden. Victor." Ga sprang der Unglückliche auf; seine Ketten rasselten, als er dankend die Hände zum Himmel emporhob. In einer warmen Spätsommernacht durchwogte eine große Menschenmenge die Straßen von M.... Morgen in aller Frühe soll die Hinrichtung eines Falschmünzers stattfinden. Vom Holzthurm bis zum Justizpalast, wo der Stab gebrochen werden soll, und von da bis zur Eisgrube, wo das Schaffst aufgerich tet >st, sind die EtrasikN mit Neugierigen bedeckt. Der Tag bricht an, die Gefängnißpforten thun sich auf, die Diener der Gerechtigkeit treten hervor, aber in ihrer Mitte befindet sich nicht der Gefangene. Die Kunde verbreitet sich schnell, daß die neugierige Menge um das erwartete Schauspiel betrogen ist. Der Gefangene ist entwichen; man hat die Ketten und die Eisenstäbe durchsägt und die Fenster erbrochen gefunden. Eins nur ist zu verwundern, daß bei der bedeutenden Höhe des Gefängnisses der Gefangene ungestraft den gcfäbrlichen Sprung hat wagen dürfen. Fast um dieselbe Zeit wird Herz Mainkahn, der sich mit Victor in Frankfurt a. M. zur Messe befindet. aus dem Schlafe geweckt. Vor seinem Gasthofe hält eine geschloffene Kutsche. Der Kutscher hat an Mainkahn persönlich einen Brief abzugeben. Rabbi Herz öffnet den Brief und liest: „Hiemit empfangen Sie die versprochene Maare. Sorgen Sie für prompte Weiterbeförderung St." Victor, der seinem Principale gefolgt war, reißt schnell den Kutschenschlag auf — Vater und Sohn liegen einander in den Armen. Reichlich belohnt Rabbi Herz den Kutscher und schreibt die Quittung für die „ empfangene Maare " Dann mahnt er zur Erle, und bald befinden sich Jakob und Victor aus dem Wege in die Heimath Der Weg führt durch die Stadt, in der Radbi Mordechai als Rabbiner fungirt. Zu ihm eilt Jakob zuerst, ihm zu danken und seine Verzeihung zu erbitten. Das Verlöbniß Victors mit der Tochter des Rabbiners bestegelt das neugeschloffene Freundschaftsbündniß; als glücklicher Bräutigam kehrt Victor in das Elternhaus zurück, das er mit Trauer im Herzen verlaffen hatte. — VI. Jahre waren seit den erzählten Ereigniffen verffoffen; den biedern Grafen, die anmuthige Prinzessin, den edlen Rabbi Herz Mainkahn, den ehrwürdigen Rabbi Mordechai, den hartgeprüften Jakob Steinlurt, die gute Leah — sie Alle deckte schon der kühle Nasen, als eine Kutsche durch das Neckarthal fuhr, der Hauptstadt des neuen Königreichs Württemberg zu, wo die Juwelen des Exkönigs von Westphalen in öffentlicher Auction versteigert werden sollten. In der Kutsche saßen Rabbi Jakob und Rabbi Bär Mainkahn, dts seligen Rabbi Herz Sohn und Enkel. Die Wege waren schlecht, der Wagen stieß an einen Stein, und eine Axe brach. Man befand sich in der Nähe von Lommersheim; bald verbreitete sich dort die Kunde von dem Unfälle, welcher jüdische Reisende betroffen hatte. Hilfreiche Glaubensgenossen kamen herbei und erkundigten sich nach Namen und Heimath der Reisenden. Da trat ein ehrwürdiger, hochbetagter Greis mit langem, schneeweißem Baite aus Rabbi Jakob Mainkahn zu, ergriff seine Hand und sprach: „O, seid uns herzlich willkommen! Wie oft habe ich euch auf meinen Knien ge chaukelt, da ihr noch ein klemes Kind wart; ich heiße Victor Steinfurt und war Commis bei eurem feli$en Vater." Jnl Triumph führte Victor die Reisenden in sein stattliches Haus. Noch an demselben Abend ward eine große Mahlzeit hergerichtet, an der über hundert Personen theünahmen. „Seht, meine Herren," sprach Victor zu seinen Gästen „das sind lauter Kinder, Enkel und Urenkel Jakob Steinfurt's, dem euer seliger Vater das Leben gerettet hat." Als sie nun gegessen und getrunken hatten, ergriff Victor ein Glas und füllte es mit goldenem Neckar wein und rief: n:rüt> pns “Oi, das Andenken des Gerechten zum Segen! to ü”p V?’iO . . . nrus bn „Wer ein einziges Leben rettet, hat gleichsam die ganze Welt gerettet!" Und er berichtete die von uns hier wiedergegebene Geschichte. Als Rabbi Jakob Mainkahn nach Hause zurückgekehrt war, erzählte er sein schönes Abenteuer im Kreise der Seinen; da war auch der junge Sohn seiner Tochter, der heute ein ehrwürdiger Greis ist, zugegen, und ihm verdanken wir die Mittherlung dieser wah en Begebenheit. — Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofduchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gottsleoen in Main,.

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