Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1867)
- Date
- 1867-02-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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123 zur Seite stand, der erste Versuch mißlang; haben wir dadurch das Recht, für die Folge dem hereinbrechenden Verderben muffig zuzuschauen? Wäre das jüdisch gehandelt? Verdient unsere gute Sache nicht mehr Vertrauen? Ist das ein guter Soldat, der nach dem einmal mißlungenen Angriff das Gewehr wegwirst, ohne einen erneuten Angriff zu wagen? Nein, abermals nein. Versuchen wir also das Unsrige und vertrauen auf den Segen, der von Oben kommt. Jeder trage das Seinige dazu bei, keiner unterschätze seine Kraft. Selbst der Unbedeutendste kann etwas leisten, wenn er nur ernstlich will. Haben wir nur erst in mehreren Städten Männer, die sich der Sache annehmen, so haben wir schon dasjenige, was uns am Meisten Roth Ihut. Diese müßten alsdann Localcomitö's in's Leben rufen, denen ein Centralcomit« vorstünde. Was letzteres nun betrifft, so dürfte sich dasselbe am Besten hier in Mainz bilden, weil gerade von hier aus die Veröffentlichungen am direktesten durch den „Israelit" vor sich gehen kennten. Ich zweifle keinen Augenblick daran, daß sich hier solche Männer, die Eifer und Liebe für die Sache mit dem nöthigen Organisationstalent verbinden, finden werden, um die Geschäfte des eventuellen Centralcomit^s zu übernehmen. Auch an Lolalcomilv's darf es uns bei einem guten Willen nicht fehlen. Gott sei Dank, die Geschäfte, die am Samstag geschloffen sind, zählen noch immer in Deutschland nach Tausenden und in Uesen Geschäften können gar viele fromme junge Leute placirt werden, wenn die Geschäftsherren nur hübsch auf wirklich frommes Personal reflectiren. Was die vollständige Organisation dieses zu gründenden Sabbatvereins betrifft, ob z. B. die Vereinskosten durch einmalige Zahlung der Stellesuchknden oder durch ganz geringe Jahresbeiträge der jungen Geschäftsleute zu decken sind, alles dieses zu beurtheilen, erlasse man dem einfachen Lehrer, darüber mögen kompetentere und erfahrenere Gesinnungsgenoffen sprechen. Die löbl. Redaction des „Israelit" wird gewiß dieser Diskussion mit Vergnügen die Spalten dieses Blattes öffnen und so sehen wir denn denselben mit größtem Interesse entgegen und schließen mit einem „Glückauf der guten Sache". Hirsch Grünebaum. (Wir werben in nächster Nummer auf Obiges zurüökommen. Red.) Bulletin der Alliance Israelite Universelle. (Fortsetzung.) Die persische Gesandtschaft und die englische Regierung verlangten mit uns die strenge Bestrafung dieser Verbrechen. Die politischen Zeitungen theilten mit, daß ein besonderer Abgesandter der Regierung die Verhaftung der sechs Hauptschuldner bewirkt hat und sie mit Ketten beladen nach Teheran abführen ließ. Ihre Bestrafung ist für die Wohlfahrt unserer Glaubensgenossen, welche, verzweifelt, bereits Anstalten treffen wollten, in Massen ihr Land zu verlassen, nöthig. Unsere Pflicht ist es, diese Auswanderung zu ermuthigen, wenn ihre Regierung diese Armen nicht zu beschützen weiß. Ein Land im Orient, wo die Stellung der Israeliten uns das glückliche Gegentheil von der der Israeliten in Persien darbietet, ist die Türkei. Die Negierung ist ein wachsamer Beschützer unserer Glaubensgenossen. Der noch herrschende Fanatismus dient in den meisten Fällen als Vorwand zu eigenmächtigen Handlungen oder Plackereien, welche die Negierung, sobald sie benachrichtigt ist, energisch unterdrückt. Wir haben hiervon in diesem Jahre zahlreiche Beweise erhalten. Die Israeliten von Salonich hatten sich bei uns beklagt über die Verhaftung einer gewissen Anzahl ihrer Angehörigen, welche verweigert hatten, sich einer ungerecht vertheilten Frohne zu unterziehen. Die Regierung ordnete, sobald sie es erfuhr, eine gerichtliche Untersuchung an und beauftragte ihren Gesandten zu Paris, uns das Resultat derselben mitzutheilen. Es war augenscheinlich, daß jede religiöse Leidenschaft dem Gewaltstreiche, über den sich die Israeliten beklagten, und welcher außerdem von gar keiner Wichtigkeit war, fremd geblieben ist. In Bagdad hatte es ein Pascha, der sich eines Pachtvertrages über Domainengüter entledigen wollte, für gut gefunden, die israel. Pächter in den Kerker zu werfen und ihre Güter zu confisciren. Von der Wahrheit dieser unglaublichen That durch einen europäischen Consul überzeugt, gaben wir der ottomanischen Regierung Nachricht davon, und die Israeliten wurden in Freiheit gesetzt. Um sich der Häuser der Israeliten zu bemächtigen, benutzte der Gouverneur der Stadt Larissa einen in ihrer Nähe ausgebrochenen Brand zum Vorwand, sie von ihrem Eigenthume zu vertreiben. Der Gouverneur, zur Erklärung aufgefordert, verhinderte durch falsche Berichte, daß die Israeliten gleich Gerechtigkeit erlangten; er wurde indessen abgesetzt; der an dessen Stelle getretene Pascha versprach den Opfern dieser Ungerechtigkeit volle Genugthuung. Die Regierung zeigt den Israeliten große Zuneigung und die meisten ihrer Beamten sind von Wohlwollen gegen dieselben beseelt, wovon der Pascha zu Jerusalem ein schönes Beispiel gegeben hat. Während der Cholera, die so grausam in Jerusalem gewüthet und unter den Israeliten viele Opfer gefordert hat, lieferte der Pascha einen Beweis von Liebe