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Der Israelit · 1867-02-13 · Heft 7 (13.2.1867) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 7 (13.2.1867)
Date
1867-02-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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117 aus dem Talmud oder den Poßkim leise recitirt. Dieser arme Mann beschäftigt sich von Jugend auf schon mit dem Studium des Gesetzes, wobei ihn sein außerordentliches Gedächtniß dermaßen unterstützt, daß er in den sämmtlichen Theilen des Talmuds und dessen Codices ungemein bewandert ist. Fragt man ihn um die Erklärung eines Bibelverses, so sagt er sofort denselben mit buchstäblicher Genauigkeit sammt der Erklärung Rasches wortwörtlich aus dem Kopfe her und buchstabirt dabei die in dieser Erklärung enthaltenen Fremdwörter. Nie hat dieser Mann von Anderen selbst die geringste Wohlthat angenommen. Schon sehr oft haben reiche Leute den armen Käsehänoler gebeten, sein Geschäft aufzugeben und zu ihnen ins Haus zu kommen, wo sie ihn völlig versorgen wollten, ohne daß er sich dazu bestimmen ließ. Weder die Nacht noch das schlechteste Wetter stören seine Geschäfte. Seine Waare in der einen, die Wage in der andern Hand durchzieht er die Straßen, während sein Geist in den weilen Gefilden des Talmuds umherschweist. Auch den weltlichen Wiffenschaften ist er zugethan und so lebt er still und zufrieden, aber geschätzt und verehrt von Allen, die das Glück haben, diesen nlerkwürdigen Mann zu kennen. Amerika. 9tew-Nork. Eines der bedeutendsten Blätter der Vereinigten Staaten, „The World,1“ bespricht die jüdischen Gemeindeverhältniffe zu New-Iork. Der amerikanische Journalist constatirt, daß es in New-Pork Orthodoxe und Reformer gebe und läßt den Anstrengungen Beider Gerechtigkeit widerfahren, jedoch sympathiürt derselbe mit den Reformern. Er bespricht besonders den großen Tempel, der drei Mllionen Francs kosten soll und bte anderen Gemeindeinstitutionen. Bei den Orthodoxen sowohl als bei den Reformern, sagt der „World", mache sich der Mangel guter Vorderer und Prediger fühlbar; auch daß die Orthodoxen daher gesonnen seien, ein israelitisch-amerikanisches Rabbiner-Seminar zu gründen. Auch die Orthodoxen bauen zwei Synagogen für ihren Ritus. Den Reformern ist es hauptsächlich um Orgel und Chor, Beten mit entblößtem Haupte und Aufhebung der alten Ordnung, nach welcher die Betenden nach den Geschlechtern getrennt sitzen, zu thun! Welch ein Fortschritt! — Humbug und Sport in der Synagoge! — Feuilleton. Salomon Munk. An diesem berühmten Orientalisten, der zu Anfang der Woche in Paris verstarb, hat die europäische Gelehrtenwelt eines ihrer edelsten und liebenswürdigsten Mitglieder verloren. Geboren 1802 in Glogau, erhielt er zuerst diejenige Erziehung, die man jüdischen Knaben von geistigem Beruf zu geben pflegte; er war schon früh in den schwierigsten Abschnitten des Talmuds heimisch. Bald aber wurde sein Vater in den Stand gesetzt, ihn auf das Joachimsthaler Gymnasium in Berlin zu senden; später studirte er theils in der preußischen Hauptstadt, theils in Bonn Philosophie und orientalische Sprachen. Merkwürdig ist diese Doppelseite seines Talentes; bei einem Scharfsinn, der ihn zum Verständniß mathematischer und scholastischer Probleme befähigte, besaß er zugleich das feinste Urtheil für Sprachformen und philologische Untersuchung. Die schönsten Eigenschaften eines deutschen Gelehrten, echte Liebe zur Sache, ausdauernde Gründlichkeit im Arbeiten und reine Anspruchlosigkeit waren in ihm verbunden. Gleichwohl konnte er bei der damaligen Gesetzaebnng nicht hoffen, im Vaterland eine amtliche Wirksamkeit zu erhalten. Zuvem schien ein längerer Aufenthalt in Paris, wo die Hllfsquellen für orientalische Studien so reich vorhanden sind, für ihn unentbehrlich. Ein solcher Aufenthalt wurde ihm ermöglicht durch die thätige Unterstützung seines Freundes, des edelgesinnten Dichters Michael Beer. Munk betrieb im Umgang mit Sylvestre de Sacy arabische und persische, später gemeinschaftlich mit Wilhelm Chozy Sanskritstudien. Vor allem stellte er sich die Aufgabe, das Gebiet der jüdisch-arabischen Literatur zu bearbeiten und kritisch zu sichten. Vorzugsweise hat Munk seine Sorgfalt dem Hauptwerke der hebräischen Philosophie des Mittelalters, dem „ Führer der Irrenden" des Maimenides zugewandt. Um das arabische Original nach vorhandenen Handschriften herauszugeben, begab er sich auf längere Zeit nach Oxford. Im Jahre 1840 wurde er von der Regierung Ludwig Philipps, welche mit Hinblick auf Algier und den Orient diesen Arbeiten einen neuen Schwung zu geben wußte, an der Bibliotheque royale als Custos der arabischen Manuskripte angestellt. Damals waren in Damaskus die bekannten Judenverfolgungen ausgebrochen; Sir Moses Montefiore machte seine Reise in^s Morgenland, um die Sache seiner Glaubensgenoffen im Verein mit Crämieux zu vertreten. Beide forderten auch Munk in der ehrenvollsten Weise auf, sich ihnen anzuschließen, worein dieser gerne willigte, namentlich da er von der Fahrt auch werthvolle wissenschaftliche Ausbeute hoffte. Er täuschte sich nicht; eine ziemliche Anzahl arabischer Manuscripte, die er von Aegypten mitbrachte, haben die Bibliothek bereichert. Von seiner Rückkehr an blieb das Vierteljahrhundert, das ihm noch zu leben gegönnt war, der emsigen Arbeit gewidmet. Sein Ruf nahm zu, seine Bescheidenheit blieb sich gleich; in ruhigem Verkehr mit Gleichgesinnten genoß er seine

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