Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1867)
- Date
- 1867-02-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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116 Vorstand entspricht der natürlichen Stellung beider Körperschaften. Ad 6 und 7. Die Eröffnung der Vereinsschule mit der untersten Klaffe liegt in der Natur der Sache. Sie ist besonders durch den erfahrungsmäßig vorhandenen Umstand geboten, daß sich zur Zeit in der Provinz nur äußerst wenige Lehramts-Aspiranten vorfinden dürsten, die mit den für eine eigentliche Seminarbildung erforderlichen Vorkenntnissen ausgerüstet sind. Die Wahl der Stadt, in welcher die Anstalt vorläufig errichtet werden soll, hat ihren Grund hauptsächlich darin, daß der dortige Rabbiner bis zur Anstellung eines besoldeten Seminar-Directors, (der mindestens für's erste Jahr entschieden entbehrt werden kann) seine unentgeltliche Mitwirkung bei Ectheilung und zur häufigen Controlle des Unterrichts zugesagt hat. Uebrigens soll hierdurch künftiger Verlegung des Instituts nach einem anderen Orte Nichts in den Weg gestellt sein. Auch wird die Vertretung der Anstalt der Vorgesetzten Behörde gegenüber, sobald der Verein sich consolidirt hat, und der Bestand des Seminars dauernd gesichert ist, mit Bewilligung der Regierung auf den Vereins-Vorstand oder den Seminar- Director übergehen. Ad 8. Die Anstalt soll, wie die meisten anderen Seminarien, als Internat begründet werden, weil die Schüler von ihrem Lehrer nicht bloß unterrichtet, sondern auch erzogen, mindestens in ihrem sittlichen und religiösen Wandel in geeigneter Weise überwacht werden muffen. Auch darf alsdann keiner Befürchtung Raum gegeben werden, daß die bedürftigen Zöglinge der Anstalt der Gemeinde des Ortes, an welchem das Seminar errichtet wird, noch durch besondere Unterstützungsgesuche lästig fallen werden. Die auf den Unterhalt der Zöglinge verwandten Kosten werden daher voraussichtlich reiche Früchte tragen. Geehrte Glaubensbrüder! Der Beginn unseres Unternehmens erscheint schon jetzt als gesichert. Um aber zu Ende geführt zu werden, bedarf es noch vielseitiger und nicht unbeträchtlicher Spenden. Doch wann hätte es in Israels Mitte an Opferwilligkeit gefehlt, sobald man das zu erstrebende Ziel als großer Opfer werth erkannte? Die Anstalt, die wir gründen wollen, soll für das jüngere wie für das kommende Geschlecht die rechten Geistes- und Herzensbildner erziehen, sie soll unseren Kindern wahre Intelligenz verbunden mit der Krone alles Wiffens, eingehender Kenntniß der offenbarten Gotteslehre und rechter Würdigung für dieselbe, erringen helfen, damit, was unseren Vätern und uns heilig gewesen, auch ihnen heilig werde, damit auch sie in dem lebendigen Gefühle ihres Zusammenhanges mit Gott Triebfedern zu allem Guten, Schutz vor Versuchungen, Halt und Festigkeit für alle Wechfelfälle des Lebens erlangen. Welche Sache ist wichtiger? welche verdient größere Unterstützung in Wort und That? Nach unseren obigen Erläuterungen aber möchte auch die Frage leicht, zu beantworten sein, ob die Aenderung der Berhältniffe, welche seit dem ersten Bekanntwerden unseres Unternehmens eingetreten ist, hinreichende Bedeutung und hinreichenden Werth hat, um jetzt unser Vorhaben minder zeitgemäß oder minder nothwendig erscheinen zu lassen. Geehrte Brüder! Wählet, entscheidet Euch, folget der Stimme Eures Gewiffens. Diese wird Euch sicherlich gebieten, endlich einmal einen festen, Zukunft verheißenden Bau zu gründen und Euch nicht ferner mit unzulänglichen Bürgschaften zu begnügen, die sich wiederholt als täuschend erwiesen haben. Bekundet Eure Theilnahme für die zu gründende Lehrerbildungs-Anstalt ferner durch freigebige Zeichnungen, und eifert Eure Freunde und Gesinnungsgenossen an, Eurem hochherzigen Beispiele zu folgen. Sobald die beifolgenden Listen, welche wir baldmöglichst ausgefüllt an einen der hier Unterzeichneten zurückzusenden bitte», die für eine Reihe von (mindestens fünf) Jahren erforderlichen Summen aufweisen, werden wir Euch zu einer General-Versammlung einladen, und der von Euch gewählte Vorstand wird mit Gottes Hilfe baldmöglichst das neue Seminar in Rheinland eröffnen. Gottes Segen kröne unser Werk mit Erfolg! Im Aufträge und im Namen der am 30. Dezember in Düsseldorf tagenden Versammlung: Die von derselben erwählte Redactions - Commission Düsseldorf: Dr. W. Feilchenfeld. S. H. Prag. Köln: Dr. Schwarz. I. Frank. Siegburg: Bürger. Anfang Januar 1867. Rußland. Warschau. Der zu Paris erscheinende „Libanon" enthält seit einiger Zeit höchst interessante Berichte über die Gemeindeverhältnisse Warschaus. Demselben entnehmen wir, daß die jetzige jüdische Bevölkerung der polnischen Hauptstadt mehr als 80,000 Seelen zählt. Mit höchst wenigen Ausnahmen sind diese Glaubensgenossen treue und feste Anhänger des traditionellen Judenthums und excelliren dieselben in dem Studium der heiligen Gotteslehre. Unter den vielen Gottesgelehrten Warschaus, die zu den reichsten und angesehensten Bürgern gehören, hat sich uns die Biographie eines schlichten Handelsmannes so sehr eingeprägt, daß wir nicht umhin können, dieselbe unseren Lesern vorzuführen. ist ein armer Käsehändler, der in einen ärmlichen Schafpelz gehüllt, sein Stück Brod zufrieden in seinem improvisirten Lager an der Thüre einer Restauration genießt, und sich am frischen Wasser labt, während er dabei als besondere Würze einen Abschnitt