Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-02-13 · Heft 7 (13.2.1867) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 7 (13.2.1867)
Date
1867-02-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447299--04899-2460378
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

112 „Hoheit," redete sie dieser an, „Hoheit beglücken unsere Stadt durch Ihre hohe Anwesenheit; ich besitze emen bedeutenden Vorrath köstlicher Steine, und bin der Ansicht, daß das Schönste der Schönsten gezieme." „„Sie wiffen Ihre Maaren gut zu empfehlen,"" entgegnete Wilhelmine, sich leicht, aber anmuthsvoll verneigend. „„Lasten Sie sehen, ob meinem Geschmacks Etwas zusagt!"" Rabbi Herz öffnete das mitgebrachte Kästchen, und die Prinzessin war entzückt, ob der Schönheit der Diamanten und der geschmackvollen Fassung derselben. In lauten Ausrufungen gab sie ihre Bewunderung zu erkennen. *" rief sie, „„dieses Armband ist gewiß das Schönste, was existirt."" „Nicht doch, Hoheit," entgegnete Rabbi Herz, „das Schönste, was existirt, ist das menschliche Herz, wenn es mitleidsvoll für die Mitmenschen schlägt, und Glück verbreitet allüberallhin." Erstaunt sah die Prinzessin den Juden an; eine solche Sprache hatte sie von einem Juwelenhändler noch nicht vernommen. „„Sie sagen das gewiß nicht ohne Absicht!"" antwortete sie, den Kaufmann forschend anblickend. „Dem hohen Verstände und dem feinen Gefühle Eurer Hoheit bleibt nichts verborgen. Ja, Hoheit, ich habe von Ihrem edlen Herzen gehört, das voll Mitgefühl für die leidende und unterdrückte Menschheit schlägt. Das gibt mir den Muth, Ihnen eine kleine Geschichte zu erzählen. — Durch eine unglückliche Verkettung von Umständen ist ein braver, rechtschaffener Familienvater in den Verdacht der Falschmünzerei gerathen; das Gericht nahm den Verdacht für Gewißheit; der Unglückliche ist zum Tode veiurtheilt, und der Kurfürst hat das Todesurtheil bestätigt; schon würde er hingerichtet worden sein, wenn nicht durch die Dazwischenkunft Eurer Hoheit die Hinrichtung aufgeschoben worden. „„Durch meine Dazwischenkunft?"" „Ja, Hoheit, das edle Herz bewirkt auch unbebewnßt Gutes. Graf St., der unser Land regiert, hat die Hinrichtung verschieben laffen, damit die letzten Seufzer des Unglücklichen sich nicht in den Jubel der Feste mischen, die man Eurer Hoheit zu Ehren veranstaltet hat." „„Das hätte St. gethan? Wie gut, wie lieb war das von ihm."" „Hoheit, vollenden Sie mit Bewußtsein, was sie unbewußt begonnen haben! Bedenken sie die Leiden des Unglücklichen, des unschuldig Leidenden! Erbarmen Sie Sich ob der Thronen seiner Frau, seiner Kmder, die ihren Vater, ihren Beschützer und ihren Ernährer verlieren!" Als Rabdi Herz so sprach, wurden die Augen der Fürstin feucht. Sie nahm ihr Taschentuch, um sie zu trockenen. Kaum bemerkte Rabbi Herz diesen Erfolg seiner Worte, als er eiligst die Thüre öffnete; da stürzte Leah mit ihren Kindern herein, der Prinzessin zu Füßen. „Hoheit, seien Sie uns Helferin und Erretterin, retten Sie meinen Gatten, meinen unglücklichen Gatten!" rief Leah schluchzend. „Hoheit, retten Sie unfern armen Vater!" riefen weinend die Kinder. Auch Rabbi Herz standen die Augen voll Thränen; Wilhelmine aber weinte und schluchzte lauter als sie Alle. „„Geht nur, geht nur,"" rie7 sie endlich der jammerden Frau und den weinenden Kindern zu, „„ich will ihn retten!"" Da erhob sich Leah und bückte sich nieder und küßte der hohen Frau den Saum des Gewandes, und die Kinder folgten dem Beispiele der Mutter. Die Prinzessin aber rief: „„Geht, geht, ich ertrage das nicht länger!"" Als Leah und ihre Kinder das Gemach verlaßen hatten, sprach Wilhelmme vorwurfsvoll: „„Herr Mainkahn, was haben Sie mir da gethan!"" „Nichts Hoheit, als Ihnen Gelegenheit geboten, Ihr großes edles Herz zu bewähren. Das ist ja der hohe Vorzug der Fürsten, Unglückliche glücklich machen zu können. „„Aber ich bin nicht die Beherrscherin dieses Landes; werde ich mein verpfändetes Wort lösen können? Wird der Kurfürst auf meine Bitte hin ein Todesurtheil zurücknehmen?" " „Nein, Hoheit, der Kurfürst thut das nicht; aber Graf St. vermag in unserm Lande Alles, was er will!" „„Graf St.? Und habe ich dem Grafen St. zu gebieten?"" „Die Schönheit und Anmuth Eurer Hoheit gebieten der ganzen Welt!" „„Sie würden jedem Hofe Ehre machen, Sie reden wie der feinste CavaUer. Ich habe nicht gewußt, daß man auch in Ihren Kreisen so zu schmeicheln versteht."" „Eure Hoheit können daraus entnehmen, wie mächtig Ihre erhabene Erscheinung wirkt, da sie einen schlichten Kaufmann so zu umwandeln vermag." „„Nehmen Sie Ihre Juwelen, Mainkahn, und bringen Sie dieselben ein anders Mal. Jetzt muß ich darüber Nachdenken, wie ich mein verpfändetes Wort zu lösen im Stande sein werde."" Rabbi Herz verneigte sich und ging. (Schluß folgt). Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Dr. Hermann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Darnpf-Schnellprefsendruck von I. GottSleöen in Main,.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.