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Der Israelit · 1867-02-13 · Heft 7 (13.2.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 7 (13.2.1867)
Date
1867-02-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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111 dem königl. Statthafte reirathe, den 3. Dez. 1866. Alex. Jaganics m. p. Ludwig Friedrich m. p. Barthy Philipp va. p. (B. CH.) □ Frankreich. Paris. Der Oberrabbine Frankreichs, Herr Isidor, hat am 16. Januar d. I. in die Hände des Cultusministers seinen Amtseid gelegt. Der Präsident des Central-Consistoriums begleitete Herrn Isidor bei diesem osficiellen Besuche und Unterzeichnete mit diesem und dem Herrn Minister das Protokoll.. Wie die „A. I." wissen wollen, habe sich der Herr Minister sehr huldvoll benommen; Herr Barsche hat sich selbst auf eine sehr schmeichelhafte Weise über den israel. Cultus und über Herrn Isidor insbesondere ausgedrückt und den Ausdruck des lebhaften Interesses, welches er für jüdische Interessen hege, erneuert. Paris, den 8. Februar. Heute habe ich Ihnen eine Trauerbotschaft zu melden. Das gelehrte Israel hat einen großen, unermeßlichen Verlust erlitten. Salomon Munk, Professor der orientalischen Sprachen am College de France und Mitglied der Akademie, ist gestorben. Salomon Munk wurde in Glogau am 14. Mai 1805 (?) geboren, kam jedoch früh nach Paris, um Orientalia zu studiren, denen er später Ruf und Ehre verdankte. Sein Hauptfach war die hebräische Sprache und Literatur. (Siehe Näheres in der Beilage.) Feuilleton. Die Rettung. (Fortsetzung.) IV. Auch Rabbi Herz Mainkahn war nicht ausgegangen, den Fackeltanz zu sehen; er saß in seinem Comptoir, als Victor mit Lapierre bei ihm eintrat. „Herr," sprach der Geheimsecretär, nachdem ihn Victor seinem Principale vorgestellt hatte, „ich brauche ein Darlehen von tausend Gulden. Dagegen bin ich bereit, euch einen Rath zu geben, der vielleicht zur Rettung des Juden im Holzthurm führen kann; ich gebe den Rath um so lieber, da dieser junge Mann versichert, daß sein Vater unschuldig ist. Allein ich brauche das Geld zu nöthig, meine Ehre hangt davon ab. Deßhalb werde ich den Rath nicht eher ertheilen, bis ich das Geld empfangen habe; ich bin gern bereit, einen Schuldschein darüber auszustellen." — Ohne ein Wort zu sagen, holte Rabbi Herz eine Rolle mit hundert Louisdor aus seinem Geldfchranke und überreichte sie dem jungen Franzosen. Dieser stellte einen Schuldschein aus und begann folgendermaßen zn reden: „Vor allen Dingen muß ich euch bitten, über das, was ich euch hier mittheile, das tiefste Stillschweigen zu beobachten. Ihr habt wahrscheinlich von dem allgemeinen Erstaunen vernommen, das der Entschluß der Prinzessin Wilhelmine erregte, den glänzenden Hof ihres Bruders zu verlassen, und ihren dauernden Aufenthalt hier am Hofe unsres alten, grämlichen Kurfürsten zu nehmen; ich kann euch dieses Räthsel lösen. Graf St., mein Herr, stand früher in B.'schen Diensten, wo er-Hie Zuneigung der jungen Prinzessin gewann; es war dies der Grund, warum er den dortigen Staatsdienst verlassen mußte. Jetzt ist der Vater gestorben, und die Prinzessin, die unterdeß die glänzendsten Mariagen abgewiesen hat, benützt ihre Freiheit, um ihren alten Freund aufzüsuchen. Seit heute ist sie die Gattin des Grafen St.; heute hat in Gegenwart des Kurfürsten und weniger vertrauter Freunde die heimliche Vermählung stattgefunden. Und nun, merkt euch wohl, was ich euch sagen werde: Die Befreiung des Juden im Holzthurme ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit; allein Graf St. ist der Mann, das Unmögliche möglich zu machen, und Prinzeß Wilhelmiae kann ihn dazu veranlassen. Die Prinzessin hat ein ungemein weiches Herz; sie kann keine Thronen sehen ohne selbst deren zu vergaßen. Ueberdies ist sie, da sie sich selbst so glücklich fühlt, in der Stimmung, auch Andere glücklich zu machen. Habt ihr noch eine Mutter, Victor?" „„Meine Mutter ist mit meinen fünf kleinen Geschwistern hierher nach M.... gekommen."" „Desto besser. G-het ihr, Herr Mainkahn, unter dem Vorwände, Diamanten verkaufen zu wollen, morgen in der Mittagsstunde zur Prinzessin; ich werde die Bedienten instruiren, damit ihr Einlaß bekommt. Nehmt die Frau und ihre fünf kleinen Kinder mit und laßt sie im Vorzimmer warten, bis ihr den Zeitpunkt für geeignet haltet, sie bei der Prinzessin emzuführen. Ihr sollt sehen, es wird Alles gut ablaufen." Noch denselben A^end luchte Victor seine Mutter und Geschwister auf und treufelte Balsam in ihre wunden Herzen. Am andern Tage in der Mittagsstunde sah man Herz Mainkahn in festlicher Kleidung dem Erbacher Hofe, wo die Prinzessin Wohnung genommen hatte, zuschreiten; in einiger Entfernung folgte ihm Leah mit ihren Kindern. Am Eingänge des Erbacher Hofes wartete bereits der Kammerdiener der Prinzessin, dem Rabbi Herz fünf Ducaten in die Hand drückte, und den er bat, die Frau und ihre Kinder im Vorzimmer bereit zu halten, daß wenn er (Rabbi Herz) die Thüre öffne, dieselben gleich hereinkommen und der hohen Frau zu Füßen fallen könnten. Die Prinzessin war durch ihre Dienerschaft auf den Besuch Mainkahns vorbereitet.

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