Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1867)
- Date
- 1867-02-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Galați 1× ep/1002400
- Nantes 1× ep/1045252
- Tunis 1× ep/1048155
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108 genossen um die Aufhebung derjenigen Gesetze kämpfen, die ihre bürgerlichen und politischen Rechte beschränken, leben sie anderswo inmitten barbarischer Völker, deren Fanatismus sie unaufhörlich der Gewalt aussetzt und sie nur zu oft der gröbsten Mißhandlung überliefert. Wir wollen von Israel die Unwissenheit entfernen und allen Israeliten die Gelegenheit geben, sich jene Kenntnisse zu erwerben, die die allgemeine Grundlage der aufgeklärten Völker bilden; jedoch wie groß ist nicht die Zahl derjenigen, welche, getrennt von uns durch einen unermeßlichen Raum, verbannt inmittm barbarischer Völker, durch die Verfolgung jeder geistigen Arbeit entrissen, und kaum noch eirnge Begriffe von unserer religiösen Wissenschaft besitzend, uns nöthig haben, um von der Erstarrung sich zu erheben, in welcher sie sich befinden! Wir wollen unsere Geschichte, unsere sittlichen und religiösen Lehren, unsere Rolle in der Gesellschaft den Menschen bekannt machen, und noch finden wir auf allen Seiten die abgeschmacktesten Vorurtheile, die durch Fanatismus unterhalten werden. Die Schwierigkeiten unseres Werkes sind unermeßlich. Um sie zu überwinden, muffen sich die Kräfte unserer Glaubensgenoffen in der ganzen Welt vereinen und wir sind bis jetzt nur eine kleine Anzahl. Aber das Werk ist angefangen und rufen wir uns das schon Ausgeführte in's Gedächtniß zurück, so können wir mit Freude behaupten: Unsere Gesellschaft hat eine schöne, herrliche Zukunft! Betrachten wir vor Allem die Fortschritte unserer Einrichtung. Die Gesammtzahl unserer Anhänger hat sich seit der letzten Generalversammlung bedeutend vergrößert. Localcomitä's wurden in Frankreich errichtet zu Belfort, Bischwiller, Carpentras. Kolmar, Spinal, Forbach, Hegenhein, Metz, Rimes, Phalsburg; in Luxemburg; in Italien zu Neapel; in Griechenland zuChalkis; in Marokko, Fez und Tunis; in der Türkei zu Adrianopel, Bagdad, Chumla, Larissa, Philippopel, Serez und Tripolis. Wir haben eine ziemliche Anzahl neuer Mitglieder in Frankreich erhalten, zu Havre, Nantes, Nemiremont; in Algerien zu Bona, Setif, Mostaganem; in Oesterreich zu Wien und Pesth; in mehreren Städten Rumäniens, zu Bukarest, Galatz; in der Türkei zu Rustschuk; in Syrien, Alexandrien und in Beirut; zu Venezuela; in Brasilien zu Rio-Janeiro. Comite's für ganze Länderstriche haben sich da gebildet, wo vergangenes Jahr unser Verein ganz unbekannt war. So erhielten wir von Dänemark, in Folge eines Aufrufs des Oberrabbiners zu Kopenhagen, 247 Mitglieder. Kopenhagen ist der Sitz des Comit^'s für Dänemark. Zu Rochester und Dayton in den Vereinigten Staaten sind Comitö's, die uns zahlreiche Anhänger versprechen. Das Board ofDelegates zu New-Iork, welches viele amerikanische Gemeinden repräsentirt, hat in seinem Budget 500 Fr. für unsere Schulen bestimmt und drückte zugleich sein Bedauern aus, daß seine finanziellen Verhältnisse nicht erlaubt haben, mehr zu geben. Die Gesellschaft der Benei-Berith, ein großer philanthropischer Verein, welcher ungefähr 10,000 Mitglieder in den Vereinigten Staaten hat, sieht mit uns in freundlichster Verbindung und deren Vorsteher geben uns die Hoffnung einer baldigen thätigen Mitwirkung. Zu Pernambuko in Brasilien wurde vor kurzer Zeit von jungen Leuten ein Wohlthätigkeitsverein gegründet, der zu unserm Werk einen jährlichen Beitrag gibt, außerdem in seinen Statuten ausgenommen hat, daß, sobald sich der Verein auflösen werde, das ganze vorhandene Kapital der „Alliance Jsraölite" zufallen solle. Die Damen zu Cura^o haben einen ähnlichen Verein in's Leben gerufen und in ihren Statuten der „Alliance Jsraälite" einen jährlichen Beitrag bestimmt; auch erhielten wir das feste Versprechen, daß man unser Localcomit6 daselbst mit allen Kräften unterstützen werde. Wenn wir sehen, mit welchem Eifer unsere Glaubensgenossen dieser entfernten Länder zu uns kommen, fühlen wir da nicht, daß sie vom alten Geist israel. Liebe entflammt sind? Die israelitischen Zeitungen leisten uns ebenfalls beträchtliche Hilfe. Wenn dieselben auch in gar vielen Fragen getheilter Meinung sind, so sind sie doch in dem Punkte einig, den Eifer unserer Glaubensgenoffen zu Gunsten unseres Vereines zu erregen und hoffen wir auch, daß ihre Propaganda die Entwickelung unserer Gesellschaft in den von Israeliten stark bewohnten Ländern, wo wir nur wenige Anhänger haben, beschleunigen wird. Unser Verein ist in seiner Aufgabe, universeller zu werden, noch sehr weit zurück; dennoch haben wir, trotz der Unzulänglichkeit unserer Mittel, glänzende Resultate hinsichtlich der Verbesserung der politischen und socialen Stellung und sittlichen Entwickelung unserer Glaubensgenossen erlangt. Im Orient ist der Zustand der Israeliten in Persien für uns ein Gegenstand der Trauer und Beunruhigung. Wir haben schon im vorigen Jahre davon gesprochen. Unglücklicherweise ist in dieser Beziehung noch keine Aenderung eingetreten und besonders nicht im Innern des Landes. Sie werden beschimpft, ohne daß sie wagen dürfen, die Beschimpfung zu rächen; geschlagen, ohne sich vertheidigen zu können; beraubt, ohne sich beklagen zu können; ihre Leiden sind schrecklich und