Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1867)
- Date
- 1867-02-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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96 Bildung und von Berufskenntnissen, von pädagogischer Tüchtigkeit und von sittlicher Characterstärke besitzen. Aber wir verlangen auch, daß sie „dem offenbarten Religionsgesctze," welches sie unseren Kindern als heiliges Erbe der Gemeinde Jakobs überliefern sollen, selbst „treu anhangen," daß von Gottes Lehre und Geboten, welche sie den kindlichen Seelen einpslanzen als Stütze, Maaß und Richtschnur ^es Lebens, ihr eigenes Herz und ihr Geist erfüllt seien, ihr eigenes Leben ungcfälschtes Zeugniß gebe, zumal sie außerdem in kleineren Gemeinden beinahe immer auch als Cultus-Beamte fungiren muffen. Unsere Lehrer sollen nicht bloß gottisfürchtig sem und also leben, weil sie andernfalls schwer eine Stelle finden würden, oder weil dieser und jener einflußreiche Mann in der Gemeinde es so von ihnen verlangen; sondern aus tiefinnerster Ueberzeugung sollen sie ihren Gemeinden und besonders den jüngeren Gliedern derselben Vorbilder gottgefälligen Wandels und ergiebige Quellen religiöser Erkenntniß sein. Die Fähigkeit, solche Ansprüche zu befriedigen, können sie aber gewiß nur in einer guteingerichteten Lehranstalt erwerben, deren Einrichtung und deren Leitung den erwähnten religiösen Principien entsprechen. Die Anstalt soll natürlich nicht ausschließlich für Rheinland gegründet werden. Vielmehr ist zu wünschen und zu erwarten, daß auch andere, zunächst die benachbarten Provinzen derselben ihre Tbeilnahme zuwenden, um künftig ihre Früchte zu genießen. Aber sie soll dem ursprünglichen Plane gemäß in der Rheinprovinz gegründet werden, weil sich alsdann die Mitglieder der im § 3 vorgesehenen Fach-Commr'sion leichter in ihrer Nähe finden laffen, auch weil gerade in dieser Provinz bisher noch kein Lehrerseminar besteht. Ad. 2. Da die mangelhafte Vorbereitung vieler in die Seminarien eintretenden jungen Leute wiederholentlich und zwar mit gewiffem Rechts als hauptsächliches Hinderniß beim Erstreben befriedigender Erfolge angeführt worden ist, so erachten wir es für geboten, daß unser Institut durch den Hinzutritt einer Vorbereitungsklasse vervollständigt werde. Mögen die künftigen Aspiranten ein Jahr mehr zu ihren Studien gebrauchen; es wird alsvann kein Vorwand vorbanden und auch hoffentlich keiner nöthig sein, um geistige Blößen der ins Amt tretenden Lehrer zu decken. Außerdem wird auch voraussichtlich weniger Mangel an Lehramts-Aspiranten überhaupt zu Tage treten, wenn den jungen Leuten in einem früheren Lebensalter, ehe sie sich einem anderen Berufe zugewendet haben, der Eintritt ins Seminar erschlossen wird. Ad 3 und 4. Die Trennung der inneren (Unterrichts-) Angelegenheiten von der äußeren Verwaltung in Bezug auf Leitung und Beaufsichtigung müssen wir als ungemein wichtig entschieden festhalten. Die Befähigung zu diesen beiden grundverschiedenen Leistungen findet sich selten in denselben Personen vereinigt. Und welche Gewähr hat man namentlich dafür, daß aus den Zufälligkeiten einer von vielen (weit von einander wohnenden) Personen vollzogenen Wahl gerade solche Männer hervorgehen werden, die auf die Ausbildung unserer Lehrer in der rechten Weise einzuwirken vermögen und geeignet sind? Wobl aber dürfen wir der durch das Vertrauen der Vereinsmitglteder in den Vorstand Berufenen (und unser Verein wird nur gewählte Vorsteher haben,) den Willen und die Fähigkeit zutrau'n, bti5 zu jener Einwirkung am Besten geeigneten Fachmänner auszufinden und in die Fach-Commission zu berufen. Daß wenigstens ein Theil dieser Commission aus im Amte befindlichen Rabbinen bestehe, scheint uns natürlich, da es unserer Rabbinen eigentlicher Beruf ist, den Geist der Bildung und Gesittung und insbesondere den Geist lauterer Sittlichkeit und Gottesverehrung in ihren Gemeinden zu erwecken, zu schützen und zu erhalten. Werden aus diesem Grunde die Gemeindeschulen in der Regel, und selten mit ungünstigem Erfolge, ihrer Beaufsichtigung unterstellt, warum nicht die Schule, in welcher die für jene Unterrichtsanstalten erforderlichen Lehrer gebildet werden? Aus naheliegenden Gründen wird thatlächlich von jüdischen Geistlichen höchst selten aus die Schulen ein wiffensfeindlicher, dagegen zumeist ein die allgemeine Geistesbildung fördernder Einfluß geübt, und jede Kundgebung entgegengesetzter Befürchtungen beruht zumeist aus Selbsttäuschung oder aus Täuschung Anderer. Dennoch halten wir es, um jede Beiorgniß vor irgend welcher einseitigen Einwirkung aus das Seminar zu zerstreuen, für angeiueffen, daß mit den Rabbinen eine gleiche Anzahl anderer fachkundigen Männer in die gedachte Commission berufen werde. — Die Theilnahme des Seminar-Directors an den Berathungen und Beschlüssen der Commission ist durch dessen unzweifelhafte Fachkenntniß und durch den Vorgang anderer Institute gerechtfertigt. (Schluß, f.) Jchenhausen (Bayern). Jüngst las ich in Ihrem geschätzten Blatte: „wenn Ehrenmänner, fromme, gesetzeslreue Israeliten von dieser Welt scheiden, in welcher sie zum Heile und Segen der Mit- und Nachwelt zeitlebens gewirkt, so ist sicherlich der „Israelit" die würdigste Ruhmeshalle für das Andenken dieser Edlen". - Auch ich habe heute mit schmerzlich bewegter Seele den Hingang eines gar trefflichen Mannes, den allgemein geachteten Hirsch Metzger n"y zu beklagen. Der Dahingeschiedene, ein Greis von 78 Jahren, hatte sich von seiner Jugend bis zum letzten Augenblick seines Lebens dem Studium unserer heiligen Lehre gewidmet. Nachts, wenn er von seinen schweren geschäftlichen Arbeiten ausruhen wollte, suchte er sich an dem „Lebensbaume" zu laben, dessen Früchte man