Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1867)
- Date
- 1867-02-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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95 dieser geleitete die Juden überall hin, erfrischte und stärkte sie. Der Talmud hat das Judenthum gerettet und frisch erhalten, dem jüdischen Kopf die ElasticitLt, dem jüdischen Geiste die Gelenkigkeit und Schärfe gegeben. Dadurch eben hat er sich den Haß zugezogen, womit innere und äußere Feinde des Judenthums rhn verfolgten. Der Redner hob sodann den Anlaß zur Gründung des Talmud-Vereins hervor, wie dessen stilles und geräuschloses Wirken. In Natur und Geschichte kehrt stets die Wahrnehmung wieder, daß die großen, treibenden, zeugenden, schaffenden Kräfte still und geräuschlos wirken, wogegen die zerstörenden unter Krachen und Getöse ihre Thätigkeit ausüben. Auch heute, tpo der Verein aus seiner bescheidenen Stille herausgetreten, muß er ein höheres Ziel, vor Augen haben, als die Speise- und Weinkarte. Dieses Ziel bestehe in der Gründung emes Rabbiner - Seminars. Vorläufig sei dieser Plan als Saatkorn in die Herzen der Neichen, Gottessürchtigen und Einsichtigen gelegt. Geht es auf, so wird es als ein Baum den Talmud- Verein überragen; wo nicht, so sei es einem kommenden Frühling Vorbehalten, dasselbe zum Leben zu erwecken. Dieser Toast wurde von rauschendem Beisall begleitet. Herr Dr. S. Gumbinner, Couredacteur der Hand und Spener'schen Zeitung, und dessen Bruder, der Gemeindevorsteher med. Dr. P. Gumbinner, gaben den Gefühlen der Versammlung in wenigen, aber markigen Worten beredten Ausdruck. Wiederum folgte ein hebräisches Lied, das die Vergleichung der Weisheit mit dem Weine durchführte, und Herr Or. Apvlant brachte einen Toast auf die Vortragenden und Lehrer des Vereines aus. Nach einem Quartettgesang folgte ein Toast des Dirigenten der Vereinsschule, des Herrn A. Berliner, auf den Vorstand des Vereins mit Heranziehung des Ausspruchs ,,-ddc ieü rrnnn n« "lUDEn r>i> mnsn ‘r>\" Hebräische Melodien, componirt vom Musik-Director Lewandowöky und vom Concertmeister Rehfeld vorgetragen, erhöhten die feierliche Stimmung der Anwesenden. Ein von Herrn Hirschfeld ,.den Armen" gewidmetes und von Lewandowski componirteö Gedicht wurde darauf recitirt. In geistvoller, sinniger, humoristisch gehaltener Ansprache für die Armen verkündete der Banquier, Herr A. H. Heymann, ein von lDn mit dem nown on;n erlassenes Decret an alle milde Herzen, woraus ein endloser Applaus folgte. Die Sammlung ergab 67 Thaler 18 Sgr. Eine Brückenmarke wurde daraus zu Gunsten der Armen versteigert, die Herr Markus Hermann für .3 Thlr. erstand. Zwei Dreier und zwei Pfennige wurden gleichfalls iür einen Thaler verauctionirt und endlich für einen Thaler die von Herrn Hermann zum zweiten Ausgebote überlassene Marke, so daß die Spende für die Armen sich auf 72 Thlr. 18 Sgr. belief. Herr Lewandowöki erfreute die Gesell chaft schließlich noch mit diversen, musikalischen Vorträgen und der Obercantor Herr A. Lichtenstein verrichtete das Tischgebet, womit das Festmahl und die alle Anwesenden in hohem Grade befriedigende Feier schloß. Nack aufgehobener Tafel wurde ein von dem Herrn Redacteur des ,,Israelit," dem Mitbegründer des Vereins, inzwischen eingelausenes Beglückwünschungs-Telegramm verlesen. Der Redacteur d. Bl. hat darauf folgendes Antwortschreiben erhalten: „Der Unterzeichnete Vorstand beehrt sich Ew. Ehrwürden den bei Gelegenheit des jüngst begangenen Festes telegraphisch empfangenen Gruß dankend zu erwidern, und bittet, dem Verein, zu dessen Stiftern Sie gehören, und dem Sie in seiner frühesten Jugend so viel Wohlwollen geschenkt, solches auch ferner zu bewahren, und mit uns für sein Gedeihen nach Kräften thätig sein zu wollen!" Berlin, 6. Januar 1867 "ü?n n"Yj; Der Vorstand des Talmud-Vcreins: L. L ö w e n b e r g L. G o l d s ch m i d t. W. L a 6, m a n u. Or. Poppelauer. Düsseldorf. Zur Erläuterung der in voriger Nummer mitgelheilten Bekanntmachung hat das Coinite zur Errichtung eines Lehrerseminars für die Rheinprovinz noch folgendes Circulär ergehen lasten: .Es gereicht den mitunterzeichneten Mitgliedern des Comites, von welchem der erste Impuls zur Gründung eines Seminars in Rheinland ausgegangen ist, zu hoher Befriedigung, daß sich ihnen bereitwilligst eine Anzahl gleichgesinnter Männer angeschlossen hat, von denen sie in weiten Kreisen Förderung ihrer unbeirrt auf dieses Ziel gerichteten Bestrebungen erwarten dürfen. In einer am 30. Dezember v. I. in Düffeldorf abgehaltenen Versammlung wurde die Seminar-Frage nochmals einer eingehenden Prüfung unterzogen und beschlossen, das ebenso zeitgemäße wie höchst nothwendige Unternehmen, welches sämmtliche Unterzeichner der beifolgenden Erklärung selbst mit allen Kräften zu fördern bereit sind, der wärmsten Theilnahme ihrer Glaubensbrüder zu empfehlen. Wir haben uns erlaubt, einige leitende Gedanken als Grundlagen der in Aussicht genommenen Bildungsanstalt und des für dieselbe wirkenden Vereins auszustellen, weil wir in diesen die Rechtfertigung unseres Strebens nach einem neuen Institute erblicken und durch solche Aufstellung auch das Interests Gleichdenkender zuverstärken und zu concentriren hoffen. Ad. 1. Eine genauere Bezeichnung der religiösen und wiffenschaftlichen Qualification, welche bei den Zöglingen erstrebt werden soll, schien um so nothwendiger zu sein, je mehr in diesen Beziehungen häufig zu Tage getretene Mängel zu der gegenwärtigen Bewegung den Anstoß gegeben haben. Wir wollen also darüber beruhigt sein, daß die künftigen Lehrer unserer Kinder das erforderliche Maaß von allgemeiner