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Der Israelit · 1867-02-06 · Heft 6 (6.2.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 6 (6.2.1867)
Date
1867-02-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 6 des Israelit. Leitender Artikel. Die Witthausbrüche eines Neformblaltes gegen die Wiener Lultnsgemeinde, für jeden Unparteiischen beurtheilt von vr. Hildesheimer. (Fortsetzung.) Artikel III. „Der Ausdruck Neuorthodoxie ist weder sprachlich noch sachlich gerechtfertigt, aber er genießt eben Toleranz, ist geläufig und populär geworden und so mag er denn in Gottes Namen, weil er nun einmal verständlich ist, als technischer Ausdruck hingenommen werden, wie man oft die Spitznamen besser als die Familiennamen kennt/' Wir nehmen Akt von diesem Geständnis; und bemerken nur, daß es uns ebenso gleichgültig ist, was die Sz..s und Konforlen von uns halten, wie welche Namen sie uns geben; es ist nicht der erste Unsinn und die erste Lüge derselben und wird nicht der resp. die letzte sein. Gehen wir weiter. Der ganze Artikel strotzt voll einem Phrasengepolter, aus denl man schwer den Gran Sinn heraussinden kann, Geschrei aus tausend Tenorkehlen, und kaum ein Quentchen Wolle. Suchen wir nach dieser. Zuerst stoßen wir aus die Lüge von der Neuorthodoxie. Die Mathadore der Reform haben von jeher das Taschenspieler-Kunststück geübt, erst einen recht scheußlichen und schauerlichen Popanz synthetisch zu adjustiren, etwa wie einen „chomezdigen Bocher" und dann die Gchtheit und Natürlichkeit dieses Gebildes selbstverständlich vorausgesetzt, diesen Popanz recht lächerlich zu machen, um denn die a priori anerzeugten Ungeheuerlichkeiten des Gebildes so recht drastisch zu persistiren. Man sagt, der gemeine Russe lüge solange, bis er's selbst glaubt; dies thut aber nicht nur der gemeine Russe, sondern auch der gemeine Rationalist. Zwar letzterer nicht so ganz mit Unrecht, er kennt mit Recht die ultima ratio der — Selbsterhaltung. Denn in der That, wie könnte ein so Hochweiser Rationalismus fortexistiren, wenn er nicht etwas hätte, woraus er lospauken könnte; und müßte er sich anderen Falls die Frage der Mutter Rebekka (Genesis 25, 22) vorlegen; (jedenfalls werden ihm dies Andere thun) — er braucht nun einmal ein Zerrbild zur Lebensexistenz und deshalb muß er erfinden; er modificirt daher das kartesianische cogito ergo sum in cogito ergo — est. Zn Wahrheit ist alles dieses Lug und Trug , alles eitle Erfindung, ja mehr als dies, Verkehrung der Wahrheit, Verdrehung der That-! fachen, Fälschung der Geschichte. Nach der Lüge der Rationttlisten ist das Alpha und Qmega der „ehrlichen" Neuorthodoxcn, das Schaffen einer Kluft zwischen Lehre und Leben; Religion und Wissenschaft, Gläubigkeit und Vernunft altes ist hier gemacht, nicht Natur. (Mit dieser einen Lüge werden 2%, sage dritthalb Spalten, 134, sage einhundertvierunddreißig Feilen gewonnen und 1246, sage eintausendzweihundertvierzigacht Wörter verkonsumirt. Wahrlich kein kleiner Gewinn, schon der Mühe werth!) Ehe wir auf Grund historischen Nachweises und nickt wie hier auf Grund billigen Bombastes und Ballastes die Fälschung der Geschickte rektificiren, wollen wir nur noch bemerken, daß es uns sehr gleickgiltig ist, ob wir in den Augen des Herrn Sz. den dichterischen Idealen (?) des Herrn Kompert, vor denen uns Gott behüten möge, nahe kommen oder nicht. Schöne Ideale das, deren Ideal Liebäugelei mit der „Majorität," wenn nicht gar glücklicher Sprung in dieselbe hinein ist. Jetzt zur Sacke, und zwar, da uns keine Sorge um 2% Spalten, 134 Zeilen und 1248 Wörter drückt, so gedrängt als möglich, vr. M. Kaiserling, dessen Name in der neueren jüdischen Literatur von gutem Klang, und dem man als Verfasser einer Spezialschrift über Moses Meudelsobn ein Gesammturtbeil über dessen Tendenzen Zutrauen darf, sagt (S. 48 seiner Schrift) ... „und wir würden kein Bedenken tragen, M. den Repräsentanten der deutschen Allsklärung zu nenncil, wenn er nickt in einem Hauptpunkte ein Gegner voll ihnen wäre. Die Aufklärer bestreben sich in dem Kampfe gegen Mvstizismus und Pietismus das Ansehen jeder Religion zu erschüttern ... und wollten allck deil Glauben auf eine natürliche und naturgemäße Basis zurücksübren, wobei sie nicht selten in ungezügelte Verspottllng und den schalsten Atheismus verfielen (gleich deir Heroen der Neuzeit. Dr. I. H.) Von einem solchen Streben hielt sich M. stets fern ... den Glauben seines eigenen Volkes, diesen ihm als göttliches Erbtheil zugefallenen Trost in allen Leiden und Verhältnissen des Lebens, ließ er trotz aller Nesormversuche unangetastet und wollte von einer Reform des Iudenthums in dem jetzt gewöhnlichen Sinne genommen nie etwas wissen." — David Friedländer hingegen, der Nestor und das Idol aller Nihilisten bat allerdings bereits in den an den Qberkonsistorialratb und Probst Teller gerichteten berüchtigten Sendschreiben, vielleicht dem niederträchtigsten das je von einem Juden herrührte, überall Lamentationen wie folgende (S. 9/io). „Die positiven Gesetze sind peinlich, mit Kosten verknüpft (sie!) und zeitraubelld (niederträchtig!), die negativen setzen seiner Thätigkeit überall Schranken, er muß sehr oft in die unbehag-

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