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Der Israelit · 1867-02-06 · Heft 6 (6.2.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 6 (6.2.1867)
Date
1867-02-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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90 daß sie bestrebt seien, dem Wunsche der Eltern zu entsprechen, die ja das Glück ihrer Kinder einzig im Festbalten am heiligen Gottesworte sehen und es in ihm begründen wollen. Herr Wolfsheimer, Lehrer dieser beiden Söhne, hielt nach der Mahlzeit eine kurze aber sehr passende und schöne Rede und erklärte unter Anderem, worin eigentlick die Bürgschaft bestanden habe, aus die hin Gott seinem Volke die mm übergab. Als nämlich Israel die Gotteslehre empfangen sollte, sprach der Heilige, gelobt sei Er: „Was für eine Bürgschaft leistet Ihr mir, daß Ihr meine Lehre halten werdet?" Da sprach Israel: „Unsere Väter sollen unsere Bürgschaft sein." Als jedock der Heilige, gelobt sei Er, diese Bürgschaft verwarf, auck die Propheten als solche nickt annahm, da sprach Israel : „Unsere Kinder seien unsere Bürgen." Und Gott nahm diese Bürgschaft an und übergab seinem Volke die min. Herr W. erklärte nun, das Glück der Kinder zu begründen, darin bestehe die Hauptaufgabe der Eltern. Wenn diese also dort, wo allein das wahre Glück zu finden ist, in der heiligen Lehre, das Wohl ihrer Kinder erblicken, und sie nach ben Vorschriften derselben erziehen, dann ist eine sichere Bürgschaft da, daß sie die heilige Lehre halten werden. Herr W. wandte sich hierauf an das hochverehrte Paar und sagte, daß er, ohne ihrer Bescheidenheit nahe zu treten, ihnen das hohe Verdienst zuerkcnnen müsse, in dem eben erklärten Sinne die von unfern Vätern geleistete Bürgschaft erfüllt zu haben. Möge der Allgütige ihnen den Lohn gewähren, das Glück ihrer Kinder und Kindeskinder zu sehen. Alle Anwesenden waren tief ergriffen, da ein Jeder das reine und erhabene Streben dieser Eltern kannte. Stimmen auch wir ein in den Wunsch des Herrn W., und fügen wir noch hinzu pns' pi m->' p, mögen solcher Eltern noch viele sich sinbcn in Israel' 8. H. Österreichischer Kaiserstaat. Wien, 24. Jan. Es ist wahrhaft herzerhebend zu sehen, wie sehr sich der Spruch unserer Weisen: „D'JEm '52" immer mehr und mehr im Judenthum manifestirt; wie dieses wackere, gefühlvolle Völklein, trotz Mißgunst und mittelalterlicher Anfeindungen und Hindernisse, das Bessere anstrebt und rühmlichst bemüht ist, seine geistige sowohl, wie seine materielle Unterstützung jenen armen Glaubensgenossen angedeihen zu lassen, denen hauptsächlich die Mittel fehlen, ihre Kinder zu braven Bürgern und frommen, zeitgemäßgebildeten Juden erziehen zu lassen. Auf einem bescheidenen, ruhigen Plätzchen der großen und geräuschvollen Metropole, ohne durch ein mit Lapidarschrift versehenes Schild der Welt ihre Anwesenheit anzukündigen, oder sich durch die Tagesbläiter ausposauuen zu lassen, blüht, gedeiht und wirkt bestens die Talmud-Thora-Hauptschule zu Wien. „Die T. T. Hauptschule zu Wien!" hören wir einen Theil unserer hiesigen Glaubensgenossen verwundert und fast entsetzt ausrufen: „Wo ist eine solche Anstalt? Wir kennen ja eine solche gar nicht! Und sollte sie wirklich bestehen; dann wäre besser sie bestünde nickt!" Denn „Talmud-Thora" sind nicht angenehme Klänge für gewisse Ohren, die weit lieber hören: „Pensions-Anstalten für Kinder aus distinguirten israelitiscken Häusern. Es wird gelehrt: Deutsch, Jranzöslsck, Englisch, Tanzen, Turnen und auch für den Religionsunterricht ist gesorgt." Ja, es bestellt eine T. T. Hauptschule in Wien und zwar eine vom Staate anerkannte und unter der unmittelbaren Aufsickt des ehrwürdigen Rabbinats- Kollegiums und der hoben k. k. Schulbehörde stehende. Wir hatten jüngst Gelegenheit von dieser anerkennenswertben Anstalt Akt zu nehmen llnd erfüllen nur die Pflicht der außerordentlichen Pietät gegen diese schule, wenn wir in diesen schätzbaren Blättern ein Referat über dieselbe veröffentlichen, auf daß man sie kenne und damit sie gewissermaßen allen unseren hiesigen Glaubensgenossen zugänglich gemacht werde. Unter der Aegide des Herrn Ignaz Deutsch wurde im Jahre 1849 die Talmud-Thora-Schule ins Leben gerufen. An derselben ward Anfangs hauptsächlich der Talmudpflege und nebenbei der Bibel sammt dem Eommentar Rascki die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Später wurden auch die Lehren der Propheten und besonders die Psalmen Davids berücksichtigt und den Kindern gründlickst vorgetragen. An der Seite des um diese Wohlthätigkeitsanstalt hochverdienten Herrn Deutsch stand ein wackerer Vorstand und mit vereintem Streben gelang' es ihnen auch nach und nach durck milde Spenden und verschiedenartige zu Gunsten dieser Anstalt vorgcnommene Sammlungen es dahin zu bringen, jährlich ungefähr 60 arme Kinder in dem Talmud, der Bibel, dem dazugehörenden Raschi- Eommentar und den Propheten unterrichten zu lassen. Nahezu fünf Jahre sind es nun, seitdem diese Schule organisirt und in eine vierklassige Hauptschule verwandelt wurde. Es wird an dieser Anstalt mit echtjüdischem, zeitgemäßem Geiste sowohl den hebräischen, als auch fämmtlichen deutschen Gegenständen bestens Rechnung getragen. Mit eisernem Fleiße wird an dieser prächtigen Pflanzstätte das Neuhebräische gepflegt. So findet man beispielsweise in der 3. und 4. Klasse Kinder, die mit ziemlicher Gewandtheit recht hübsche hebräische Briefchen schreiben. In demselben Maße wird auf den Unterricht in der deutschen Sprache strengstens gesehen. Die Kinder haben eine bewunderungswürdige Gewandtheit im Gedankenausdrucke. Sie rechnen vorzüglich und haben besonders aus den Realien so vieles Nützliche und Noth-

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