Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1867)
- Date
- 1867-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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89 deren Quellen unansehnlich sind, und die während ihres Laufes große Wasiermassen dahinwälzen, um große Ebenen zu befruchten. Aber, wie ist ihm denn diese wunderbare Entwickelung geworden? Meine Herren, dies kommt daher, weil Israel einzig und allein auf seine Fahne geschrieben hatte: „Monotheismus". Ir, es allein — und das ist eben sein unsterblicher Ruhm — war das Volk, das den einzigen Gott verehrte. Unsere Väter, meine Herren, und sagen wir dieses mit einem Gefühle des Stolzes, unsere Väter haben allen Völkern der Erde die Lehre des Monotheismus beigebracht. Denken Sie sich, was die ganze Erde war. als Moses die Lehre vom einzigen Gotte proclamirte. Als das israel. Volk aus Egypten zog, herrschte überall die schändlichste Abgötterei. Die abenteuerlichsten und lächerlichsten Götter theilten sich in die Welt. Der Ochs Apis war das edelste unter den Thieren, vor dem sich die Menschheit niederwarf. In den aufgeklärtesten Ländern hatte jede Leidenschaft ihren eigenen Gott, und dieses waren noch die weniger beklagenswerthen Religionen, w.lche gutmüthige Götter und bezaubernde Göttinnen besaßen. Welch' eine Rothe bedeckt unsere Stirn, wenn wir uns den Gedanken vorstellen: daß die schönsten Genien des Alterthums sich vor dreier endlosen Plejade von Göttern niederwarfen! Welch' eine gerechte und aufrichtige Freude bemächtigt sich jedoch unser, wenn wir uns die Bruderhand reichen und uns sagen können: in diesem Chaos wußten unsere Väter festzuhalten an Gott, dem einig-einzigen Gotte. O, wie könnt Ihr verfolgen die Abkömmlinge, die Abkömmlinge derer, welche der Welt diese unermeßliche Wohlthat gegeben haben, dieie ununterbrochene Quelle der reinsten Moral, das würdigste Gut des Menschen? Wenn manchmal noch die Gewohnheit an die alten Gebräuche sie zum Baalsdienst verleitete, welche Reue folgte da dem Fehltritt! Und als die Tage des Unglücks herankamen, welchen Widerwärtigkeiten, welchen Verfolgungen und Leiden gegenüber wußten die Nachkommen jener Emigranten Egyptens die heilige Fahne des Monotheismus hochzuhalten! sie haben denselben bewahrt, allein, ja einzig und allein; Er, Gott allein ist ein Einziger, den man nicht beschreiben und nicht schildern kann; Er ist der Geist und das Licht, und wenn Ec sich zuerkennen gibt, so sagt er: „Ich bin derjenige, welcher Ich bin". Unbegrenzte Größe, die nicht untergehen konnte! Jene selbst, welche uns verfolgen, nehmen Theil an unserer Gotteslehre. Und welche Gotteslehre? der Decalog enthält sie, und kein anderes Gesetz erhebt sich so hoch, wie dieser Decalog. Meine Herren, ich muß einhalten. Helfen Sie uns denjenigen der Kinder Israels zur Hilfe zu kommen, welche noch in der Erniedrigung leben. Was mich betrifft, so habe ich in den letzten drei Jahren mit meinem ganzen Eifer die Mission zu erfüllen gesucht, welche Sie mir anvertraut haben. An der Seite des Präsidenten, welcher mich ersetzen wird, werde ich fortfahren, —werde ich fortfahren, wie lange noch? Gott weiß es. Meine Herren, die Jahre, die uns nach 70 Lebensjahren beschießen sind, sind Jahre der Gnade, und freimüthig werde ich dieselben nach rechts und links verthecken. Am Ende, wenn mein Leben bald abschließen wird, so habe ich doch während eines halben Jahrhunderts die Pflicht erfüllt, welche ich nur in den ersten Tagen meiner actioen Crrlnbre auferlegt hatte: für die Rechte der Juden zu wirken und ihre geistigen Interessen zu fördern. Sollte mein Leben noch lange dauern, so werde ich darin fortfahren bis zu meinem letzten Tage." Kaum endenwollender Beifall unterbrach wiederholt diese Rede und wurde am Schluffe zu einem stürmischen Applaus, dem erst die Glocke des Präsioeaten ein Ende machen konnte. — In den nächsten Nummern werden wir die Berichte des Seccetärs der Gesellschaft veröffentlichen. AeitungSnach richte« und Correspondenzen. Deutschland. München. Ich bitte Sie, Herr Redacteur, um Entschuldigung, daß ich Ihnen heute einen kleinen Bericht erstatte, der anscheinend wenig zur Veröfsentlichnng geeignet ist. Aber, wenn man in unserer Zeit des Abfalls von dem Glauben unserer Väter seltenen Menschen begegnet, deren Herz noch warm und voll für's Judenthum schlägt, so ist es, glaube ich, Pflicht, solche der Welt zu zeigen zum nachahmunzswerthen Muster. Ihnen, Herr Redakteur, wird die Familie Landauer aus Hürben wohl bekannt sein. In Bayern wissen sehr Biele zu erzählen von der Wohlthätigkeit dieser Familie. Unter den zahlreichen Mitgliedern derselben sind vor Allen den Fußtapfen der Eltern gefolgt Herr Elias Landauer und dessen Gattin. Ich will mich jedoch hier nicht bei Einzelheiten aufhalten, sondern sofort zu dem übergehen, was mich zu diesen Zeilen veranlaßt. Vergangenen Sonntag 222? i"' feierten Herr und Madame Landauer ihren 21. Hochzeitstag. Am Abeüd versammelten sich Verwandte und Bekannte, die dem in den besten Jahren stehenden Paare ihre Glückwünsche darbrachten und sich dann zu einem Festmahle niederließen. Außer diesen Glückwünschen wurden zwar nicht, wie es üblich ist, prachtvolle Geschenke, wie silberne Pokale rc., dargebracht. Eine desto seltenere und viel angenehmere Ueberraschung wurde bereitet. Die beiden ältesten Söhne nämlich, von 15 und 16 Jahren, wußten ihren Eltern zu diesem Tage keine größere Freude zu machen, als durch einen di»d aus rr.3D 'dd ihnen den Beweis zu liefern.