Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1867)
- Date
- 1867-02-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Familie erklären. Unsere Geschichte ist voll von Zügen, von Heroismus, in welchen sie geglänzt haben; schöne Bilder, die anmuthigsten ihrer häuslichen Tugenden sind in unseren heiligen Büchern verzeichnet. Wohl ist es wahr, daß Gott zu Eva gesagt hat: „Der Mann wird über Dich herrschen," doch hat Er keineswegs gesagt: „Du wirst nie Deinen Willen durchzusetzen wissen." Die Männer besitzen die regierende Kraft, die Frauen Anmuth und Würde. Schließlich verkünde ich es laut: keine Civilisation ist möglich ohne die glückliche Dazwischenkunft der Frau, welcher nur das Vorurtheil eine so untergeordnete Stelle anweist. Erheben wir die Frau zu unserer Gehilfin, so erniedrigen wir uns nicht, aber wir erhöhen das Weib! Während meiner Reise durch Egypten hatte ich in Kairo Gelegenheit den Zustand der Untertänigkeit zu bemerken, in welchem sich daselbst die jüdischen Frauen befinden. Die Töchter der Reichen wurden in Schulen geschickt. Doch in was für Schulen! In unterirdischen Orten, der drückendsten Hitze ausgesetzt, auf Teppichen nachlässig hingestreckt, verbrachten sie die Tage in Trägheit. Die Töchter der Armen hatten gar keine Vereinigungsplätze. Im Innern der Häuser lebten die Frauen in Abhängigkeit und Unterwerfung. Während die Männer, die in der großen Synagoge versammelt waren, mir so große Ehrenbezeugungen erwiesen, daß die Erinnerung daran niemals in meiner Seele erlöschen wird, kamen mir die verbannten Frauen kaum zu Gesicht. Ich hatte beschlossen, mich gegen diese Gewohnheiten in der Familie zu erheben, und ich hielt an diesem heiligen Orte an die Menge, die mich umgab, eine lebhafte Rede: „Seid Ihr Muselmänner," sagte ich zu ihnen, „daß Ihr Eure Frauen behandelt, wie sie die ihrigen? Hat der Gott Israels nicht die Frau von unserem Fleische geschaffen? Ist sie nicht die Mutter Eurer Kinder? Erzählt Euch unsere Geschichte nicht von jenen edlen Frauen, von Rebecka, Rachel, Roemie, als Muster der häuslichen Tugenden, des Heldenmuthes, und von den gottergebenen Frauen: Debora, Esther, von der frommen Esther? Der Berg Sinai ist da vor Euch, sein heiliger Gipfel zeigt sich in gewisser Beziehung Euren Blicken, und Eure Frauen verbeugen sich vor Euch! Seid Ihr denn in Egypten, die Enkel Joseph's, noch Sklaven und folget den Sitten Eurer Unterdrücker? Seid Ihr nicht im Gegentheil die Abkömmlinge von freien Männern, die von Gott selbst das heilige Gesetz empfangen haben? Hat dieses Gesetz nicht die Frau unter die Zahl der Menschen gestellt mit den rührenden Worten: Ehre deinen Vater und deine Mutter? Und wie soll der Sohn seine Mutter ehren, wenn er sie, die Gemahlin, im Hause deö Vaters nicht gleich seinem Vater geehrt sieht?" Ich will Ihnen nicht meine ganze Rede wiedersagen, Ihnen, meine Herren, die Sie den Frauen die größte Ehrerbietung bezeugen; sie wurde günstig ausgenommen. Die Worte desjenigen, der kam um von Mehemed-Ali die Freilassung unserer Brüder, die so verleumderisch angeklagt waren, ihr ungesäuertes Brod mit dem Blute des Paters Thomas geknetet zu haben, zu verlangen — waren für meine Glaubensgenossen heilige Worte, und des andern Tages, am Samstag, vereinigten sich bei meinem Eintritt in den Tempel die Glückwünsche der Frauen mit den Beifallsbezeugungen der Männer. Meine Herren! Wir gründen im Orient Knaben- und Mädchenschulen; aber wir können diesen Etablissements nur unter Mitwirkung unserer Subscribenten weiter helfen. Als unser Kassierer seinen Bericht uns vorgelesen hat, habe ich Ihnen gesagt, daß er Anforderungen an die Kasse eines jeden Einzelnen stellen wird; ich erneuere diese Anforderungen. Wir brauchen Geld, wir brauchen noch viele Subscribenten zu unserem Werke. Es sind kaum 5 Millionen Francs; ich brauche 10 Millionen, ich brauche noch mehr, und hauptsächlich wende ich mich an die Pariser Bevölkerung. Wie? Konstantinopel, Amsterdam, Livorno, Kopenhagen geben uns mehr Subscribenten als Paris? Möge sich Paris beeilen, und mögen viele Anhänger subscribiren! Ihr Reichen, die Ihr von Gott mit irdischen Gütern gesegnet seid, mit denen Ihr unser heiliges Unternehmen unterstützen könnt, kommt zu uns, daß Eure Freigebigkeit uns helfe! Und Ihr, die Ihr bei Eurer Arbeit einen Hller für die Regeneration Israels ersparen wollet, bringet uns Euer frommes Almosen. Almosen sind die Zinsen, die wir Gott selbst entrichten; gebet Almosen, indem Ihr den Heller von der Arbeit der Woche nehmet, das heißt dann Gott selbst bringen das Lob, welches Ihm am meisten gefällt. Subscribirt, und möge jeder Subscribent sich bemühen, der Gesellschaft ein neues Mitglied zu verschaffen. Laffet uns auf diese Weise eine Kette bilden, deren erstes Glied im Himmel sein wird. Laffet uns Alle beisteuern zur Emancipation und Sicherheit unserer Brüder. Saget, welche schönere Mission können wir erfüllen? Und befürchtet nicht, daß unser Unternehmen einstürzen werde. Es war so klein, als es begonnen wurde, sehet, wie es sich heute ausdehnt. Wißt Ihr, was mir vor Augen steht? Das jüdische Volk selbst. Denken Sie sich, unter dieser Menge Einwohner, welche schon damals die Erde erfüllte, von diesen Millionen, welche sie bedeckten, ein Völkchen, bestehend aus 600,000 Männern; denken Sie sich, unter allen diesen Reichen, diesen Staaten, welche die verschiedenen Länder bevölkerten, ein kleines Reich in einem entlegenen Ländchen der Erde: dieses Völkchen, es wurde die jüdische Nation; dieses Reich, es wurde das Reich Juda, mit David und Salomon sah man es heranwachsen und sich entwickeln wie diese Ströme,