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Der Israelit · 1867-01-30 · Heft 5 (30.1.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 5 (30.1.1867)
Date
1867-01-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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80 Heren Günstling Mendelssohns, späteren Busenfreund des Grafen Kalkreuth zu Carolath, ist vielfach gesprochen und geschrieben worden. Es ist daher durcyaus nicht meine Absicht, über sein Leben, seine Charakterzüge oder über seine Philosophie zu handeln, sondern nur Etwas über die Art und Weise seiner Bestattung mitzutheilen. Schon in Hamburg äußerte er den Wunsch, zum Christenthum'überzutreten; später fand er im Grafen v. Kalkreuth, der in ihm den Nachfolger Kant's verehrte, einen Gönner. Dieser zog ihn in seine Nähe, und da Maimon ohne Existenzmittel war, so begab er sich auf die Güter des Grafen und lebte in Carolath, einem Städtchen bei Beuthen a. O., zwei Meilen von Gr.-Glogau, in einer Weise, die seinen Grundsätzen Ehre machte. Er machte keinen Unterschied zwischen und nsnta, ja er ergab sich sogar dem Laster des Trunks. So war es natürlich, daß er in seinem 47. Lebensjahre, im Jahre 1800, im delirium tremens seinen Untergang fand. Da das Städtchen Carolath noch bis auf den heutigen Tag keinen jüdischen Friedhof besitzt, so mußte seine Leiche nach dem nächsten Gemeinde-Friedhof gebracht werden. Dieser ist in Groß-Glogau. Damals saß auf dem Rabbmatsstuhle der gelehrte und gottesfürchtige Rabbi Abraham Tlktin (Großvater des Oberlandesrabbiners Rabbi Gedalja Tiktin '"5 zu Breslau), welcher in seinem gerechten Abscheu gegen den Dnip’DK anordnete, daß dessen Gebeine nicht in der Reihe, sondern in dem nordöstlichen Winkel des jüdischen, jetzigen alten Friedhofes beigesetzt wurden. Diesem Befehle wurde um so eher Folge geleistet, als Maimon Allen verhaßt war. Als das der Graf v. Kalkreuth erfuhr, stellte er in seiner Entrüstung den Rabbi darüber zu Rede, indem er ihm vorftellte daß es doch ganz ungerecht sei, einen so großen Philosophen wie einen Selbstmörder oder einen andern Verbrecher zu behandeln. Der Rabbi entgegnete ihm darauf Folgendes: „Geehrter Herr Graf! Schon von jeher ist es bei uns Juden Sitte gewesen, daß sich Gleich mit Gleich zusammenfinde. Jeder Rabe nach seiner Art. Sie werden immer finden, daß sich im gewöhnlichen Leben Gelehrte zu Gelehrten, Kaufleute zu Kausteuten u. s. w. finden. Run halten wir es für eine heilige Pflicht, auch den Menschen im Grabe neben seinen Ranges- und Standes- Genoflen zu betten. Wir legen daher Gelehrte neben Gelehrten und Philosophen neben Philosophen. Da wir jedoch bis jetzt noch keinen Philosophen zu beerdigen die Ehre hatten, so mußten wir für diese Klasse von Gelehrten einen gesonderten Platz bestimmen. Diesen haben wir jetzt gesunden, sollte noch ein solch' großer Philosoph, wie dieser da, sterben, so werden wir ihm neben denselben seinen Platz anweisen." Ob der Graf von dieser Antwort befriedigt war, vermag ich nicht zu behaupten. — Ein Zeugniß von der allgemeinen Entrüstung. welche damals alle Gemüther gegen Maimon erfüllte, gibt das sogenannte Chewra- oder Leichen-Buch der Chewra Kadischa zu Gr.-Glogau. In diesem steht nämlich folgendes: ptitd p ^öOKn runo1? pno “Op: jdnd iji« no^ar : pss6 Kann es wohl eine treffendere Bezeichnung für die Stimmung der Glogauer gegen Maimon geben, als die Aenderung seines Namens, jdmid, d. h. der Gläubige, in jönö d. h. der Ungläubige? Das Grab Maimon's ist nicht mehr zu finden; vielmehr liegt die Vermuthung nahe, daß die Eisenbahn über seine Gebeine geht. — David Hausen. Nachbemerkung der Red.: Der obenerwähnte Graf von Kalkreuth ließ auf einem seiner Güter dem verstorbenen Philosophen ein Denkmal setzen, und zwar einen Hund aus Marmor, um zu bezeichnen, daß Salomon Maimon ein Bekenner der cynischen Philosophie (von xvm>, Hund) gewesen!! — Gallerie -er Rabbiner. Erste Centurie. (Fortsetzung. *) 11. tsnvi R. Naphtali Hirsch Katzenellenbogen hatte sich schon in der frühesten Jugend zum wahren Rabbiner gebildet, sich mit Freuden allen Aufopferungen unterworfen, welche dieser Stand mit sich führt und sich der frömmsten Lebensart beflissen. Kaum war er sechszehn Jahre alt, als er sich zu Frankfurt am Main durch eine rabbinische Disseration (p^'n), voll Scharfsinn und tiefer Gelehrsamkeit auszeichnete und die Bewunderung aller Kenner erregte. Der Oberrabbiner Jacob Cohen Poppers zog ihn an seinen Tisch und beehrte ilm mit einem Rabbiner-Diplom. Diese Auszeichnung machte einen tiefen Eindruck auf das Herz der Tochter des Oberrabbiners von Frankfurt. Frommet, so hieß das junge Mädchen, halte nun keinen andern Wunsch mehr, als diesem hochgeehrten Jüngling ihr Leben zu weihen. Ihre Eltern, die ihren Wunsch bald erriethen, überredeten Naphtali Hirsch in Frankfurt zu bleiben, und unter der Direction Cohen Poppers sein Studium zu vollenden. Der junge Katzenellenbogen, der nicht lange vorher feinen Vater und Lehrer, den Rabbiner *) Berichtigung. Nr. 7, S. 13 lies 1604 statt 1614 Nr. 10, S. 49 statt R. Moses b. Jesaia Menachem . . . war R. Moses b. Jesaia Menachem . . . lies R. Moses b. Menachem Bacharach . . . war R. M. b. I. M.

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