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Der Israelit · 1867-01-30 · Heft 5 (30.1.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 5 (30.1.1867)
Date
1867-01-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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79 wangi Was könnten diese Männer vereint wirken! Wahrlich, es ist jammerschade, daß hier, wo noch wahrhafter Sinn für jüdisches Wißen herrscht, dieser so wenig befriedigt wird. Doch, wir wollen statt zu klagen, lieber Thaten sprechen laßen. Vor etwa zwei Jahren wurden in dem Lehrzimmer der hiesigen Mädchenschule Vorträge über Psalmen begonnen, die sich eines überaus zahlreichen Auditoriums zu erfreuen hatten. Warum haben diese aufgehört? Es ist doch bekannt, wie nutzbringend diese Vorträge schon unter Herrn Rabb. Hirsch gewesen! Im Jahre 4861 wurde von Herrn Radb.-Aßessor Kohn nach vielen Anstrengungen eine Talmud- Thora-Schule gegründet, die auch wirklich bis jetzt segensreich wirkte. Warum will man im Jahre 1867 diese treffliche Anstalt eingehen laßen? In Nickolsburg befindet sich ein von Juden stark frequentirtes Plansten-Gymnasium und eine Realschule. Warum wird den jüdischen Zöglingen der bei Gründung der Talmud - Thora - Schule in Aussicht gestellte Religionsunterricht von zwei Stunden täglich nicht ertheilt? Wahrlich, aus Mangel an Theilnahme nicht! Warum verlieren die ehedem so beliebten allsabbatlichen Raschi - Vorträge im Bet-Hamidrasch immer mehr Anhänger! Es wäre noch Vieles zu fragen. Hoffen wir einstweilen, daß diese Fragen ihre Erledigung, oder mindestens eine Beantwortung von maßgebender Seite finden werden, und gewiß Nickolsburg wird auch wie früher der Sammelplatz vieler Bechurim werden, die hier an dem trefflichen, unter der humanen Leitung des P. R. Lopata stehenden Gymnasium ihre klassische und in den Räumen des Bet-Hamidrasch ihre talmudische Ausbildung erhalten könnten. Ich kann zum Schluffe nicht umhin, hier einer Persönlichkeit zu erwähnen, die, das Geräusch der Oeffentlichkeit vermeidend, hier schön und gedeihlich wirkt; es ist dies Herr vr. M. Eisler, Director der israel. Hauptschule und Religionslehrer am Gymnasium und der Realschule. Mögen die obgenannten Uebelstände bald ihre Beseitigung finden, und dadurch Nickolsburg bald wieder das werden, was es einst gewesen, nämlich — -py DnsiDi □,DDn ntfto. Frankreich. Paris, 21. Januar. Der „Kölnischen Zeitung" wird von hier geschrieben: „Gestatten Sie, die Leser Ihres in allen Welttheilen verbreiteten Blattes auf einen Verein aufmerksam zu machen, der es verdient, gekannt und geschätzt zu werden. 1860 wurde hier von hochstehenden Juden eine ^Iliavoe uviverselle gegründet, deren Zweck ist, für die Gleichstellung und den sittlichen Fortschritt ihrer Glaubensgenoßen zu wirken, denjenigen, welche in ihrer Eigenschaft als I Juden leiden, wirksame Hilfe angedethen zu laßen und! jede Schrift zu unterstützen, die geeignet ist, solche! Resultate herbeizusühren. Der Verein ist in den wenigen Jahren seines Bestehens groß und mächtig geworden und seine Organisation hat sich über die ganze Erde verbreitet. Schon hat er in mehreren Ländern Europas die Unterdrückung derjenigen Gesetze angestrebt und verlangt, welche dem Grundsätze der bürgerlichen und politischen Gleichheit wiversprechen und der religiösen Freiheit entgegengesetzt sind; er hat die Geschicke der Israeliten im Orient und Occident — in Marokko, Persien, Syrien und Serbien — da, wohin die Lichtstrahlen der Civilisation noch nicht gedrungen sind, überwacht, hat seine Glaubensbrüder vor Verfolgungen geschützt und ihnen die Wege zu ihrer geistigen Entwickelung, durch Errichtung von Schulen, anbahnen laßen. Die Alliance zählt schon heute 5000 contribuirende Mitglieder, und ihre Anzahl wächst noch mit jedem Tage, denn ihr Programm besteht nicht in windigen Phrasen, ihr Programm ist das große Werk des Fortschritts der Humanität, der Vernichtung des Wahns und des Fanatismus, der Einigung der menschlichen Gesellschaft in der Liebe. Adolf Cremieux ist der Präsident, Munk und Frank, Mitglieder des Instituts, Rothschild, Erlanger, Königswarter. Javal, Isidor, Bloch, Albert Cohn sitzen im Vorstande — Respect vor solchen Namen! Die Rede, welche Cremieux bei der General-Versammlung der „Alliance" am 29. November gehalten hat, ist ein neues chefd’oeuvre dieses berühmten Meisters. — In nächster Zeit soll auch in Cöln durch den Einfluß des dortigen Rabbinen vr. Schwarz ein Zweig-Comitä der „Alliance" gegründet werden." Palästina. Sir Moses Montefiore hat seit seiner Rückkehr aus dem heiligen Lande beschloßen, in Jerusalem noch ein anderes Hospiz für mehrere arme jüdische Familien zu errichten. Das Gebäude wird groß werden und neben demjenigen, welches im Jahre 1859 unter der Leitung des Architekten, Herrn William Eduard Smith errichtet worden, seinen Platz finden. Wie wir vernehmen, ist die Ausführung demselben Baumeister übertragen worden. (Builder vom 12. Januar.) Feuilleton. Kin Msgg jür Zkschichk falmnmt Wimlm'ö.*) Hebet Salomon Maimon, den berühmten, oder vielmehr berüchtigten kritischen Philosophen, den frü- *) Anm. der Red.: Dieser talentvolle, aber lasterhafte Mensch, ein in früher Jugend der Heimath entlaufener Pole, hatte die Frechheit, einen dem des großen Maimonides ähnlichen Namen zu acceptiren.

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