Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1867)
- Date
- 1867-01-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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78 Abänderung der Statuten vorgenommen und die revidirten Statuten, welche insbesondere in Betreff der Besteuerung für die Kultusgemeinde eine Abänderung erfahren haben, dem Staatsminister zur Sanktion vorgelegt. Wir erinnern, daß bisher die Besteuerung für die Kultusgemeinde 105 fl nicht überschreiten durfte; nach den neuen Statuten wurde die höchste Besteuerung auf das Fünffache des bisherigen Betrags in Antrag gebracht. Die geringste Besteuerung wurde mit 10 fl. bemessen. Als ein vollgilliges Motiv wurden die gesteigerten Erfordernisse des Armenfondes hervorgehoben. Es dürfte nicht uninteressant sein zu erfahren, daß gegenwärtig in Wien und im Bezirke Sechshaus 40,000 Israeliten wohnen. Wien. Wie wir bereits gemeldet haben, schreibt das „F-B.," sind zwei Gesuche vom Vorstände der israelitischen Gemeinde um definitive Anstellung des israelitischen Felopredigers, eines an Se. Majestät gerichtet und mit der Allerhöchsten Signatur versehen, von Seite des Kriegsministeriums abweislich beschieden worden. Nach Veröffentlichung des neuen Wehrgesetzes hat nun der Vorstand des Hilfscomite's für israelitische Soldaten abermals ein Gesuch in gleichem Sinne an das h. Kriegsministerium gerichtet und darauf hingewiesen, daß die Zahl der in der k. k. Armee dienenden Israeliten durch das neue Wehrsystem auf's Doppelte (40—50,000 Mann) erhöht werden dürfte. Aber auch dieses Gesuch wurde vom Kriegsminister abweislich beschieden. Mittlerweile ist am 4. Januar d. I. auch die Stelle eines provisorischen Feldpredigers gänzlich eingegangen und Herr Josef Szanto, der diese Stelle bekleidete, entlassen worden. Aszod. (Ungarn.) Unsere Gemeinde war unlängst der Schauplatz eines Ereignisses, das die Humanität der Hervorragendsten unserer christl. Mitbürger in klarem Lichte erscheinen ließ: Donnerstag th 's hült unser ehrwürdiger Herr Rabbiner M. Händler (früher Rabbiner in Siofok) seinen Einzug in unsere Gemeinde. Alles harrte schon sehnsuchtsvoll seiner Ankunft entgegen. Wohl dauerte es von dem Abhalten seiner Probereden bis zu seinem Einzuge nicht länger als 14 Tage; doch hatte er durch seine beiden ausgezeichneten Probereden sich die Herzen der Zuhörer derart gewonnen, daß es der lebhafteste Wunsch jedes Einzelnen war, diesen ehrw. Mann je eher desto lieber in unserer Mitte zu sehen. Mittwoch Abend kam der Herr Rabbiner in Begleitung der Herren Ignatz Fleischmann, Cult. Vorst., und Jakob Fischer aus Siofok, in Ofen an, wo ihn 5 der Angesehensten unserer Gemeinde-iKttglieber erwarteten und auf das freundlichste empfingen. — Tags darauf fuhr er von Pesth nach Aszod ab. Viele Gemeinde-Mitglieder fuhren dem ehrwürdigen Gaste bis Gödöllö mit Fahnen entgegen und erhoben ein Freudengeschrei als sie ihres herßersehnten Seelenhirten ansichtig wurden. Nach kurzem Aufenthalte ging es mit verdoppelter Eile nach Aszod. Dort angelangt, stieg der Herr Rabbiner vor dem Gotteshause ab, und wurde von der ganzen Gemeinde freundlichst begrüßt. Herr vr. Glück hielt an ihn eine Ansprache, die jener kurz beantwortete. Kaum war der Herr Rabbiner einige Schritte weiter gegangen, da hielt der hochwürdige Herr Ortspfarrer an ihn eine ung. Ansprache, die ebenfalls in ung. Sprache erwiedert wurde. Nun ging man in das Gotteshaus. Vor allem wurde das Minchahgebet verrichtet — hernach bestieg der ehrw. Herr Rabbiner die Kanzel und hielt eine Rede, die sich des größten Beifalls erfreute. Unter den Zuhörern sah man die Honorationen der christlichen Bürger hiesiger Stadt, selbst die Gräfin von Keglovitsch hatte versprochen, zu kommen, wurde aber vom rauhen Wetter daran verhindert. Nach Beendigung der Predigt und des Gebetes begab sich der Herr Rabbiner, von der ganzen Gemeinde begleitet, in seine prachtvoll möblirte Wohnung. Bei dem Abends stattgehabten Festessen sprach der Herr Rabbiner mit ungeteiltem Beifalle. Am Sabbat darauf hielt er im Gotteshause eine Rede, die, wo möglich, noch größern Beifall fand. Einige Tage später besuchte der Herr Rabbiner die beiden Herren Barone v. Podmaniczki, von denen der eine ihm seine großartige Bibliothek zur Verfügung stellte. Möge unser ehrw. Herr Rabbiner, dem bei seinem Amtsantritte so viel Ehre zu Tbeil wurde, auch fernerhin stets der Liebe, Achtung und Verehrung Aller sich erfreuen — und durch sein Wirken das Wohl unserer Gemeinde befördern. R.g. Nickolsburg. Es thut dem Auge des aufmerksamen Beobachters so wohl, wenn es unter der großen Schaar neologer Gemeinden noch eine vom echten Geiste israel. Frömmigkeit und Gottesfurcht durchwehte auffindet. Eine solche Gemeinde ist unstreitig Nickolsburg. Da ist denn noch ein ergiebiger Boden, der nur guter Gärtner bedarf, die ihn urbar machen und bebauen. Selbst die Nähe der Residenz konnte bis jetzt noch wenig verderblichen Einfluß auf diese fromme Gemeinde ausüben und so steht Nickolsburg, von jeher die Pflanzstätte jüdischen Glaubens, noch heute ehrfurchtgebietend da. Aber noch ein anderer Umstand war vorhanden, der Nickolsburg zur Metropole des mährischen Juden- Ihums machte. Es war nämlich auch der Sitz des Talmubstudiums, und dies hat jetzt furchtbar abgenommen. Fragen wir uns, warum dies der Fall ist, da doch immer talmudische Celebritäten in Nickolsburg leben? Noch immer hat N. außer seinem Rabbinen seine drei Dajanim, die als Rabbiner einer jeden Gemeinde zur Zierde gereichen würden, einen R. I. Weinberaer, einen Rabb.-Ass M. L. Kohn und den gelehrten Prediger und Subrabbiner Herrn Knöpflmacher, und den rühmlichst bekannten Rabbinen vr. Feucht-