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Der Israelit · 1867-01-30 · Heft 5 (30.1.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 5 (30.1.1867)
Date
1867-01-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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73 zu gewinnen, vergl. auch Herzfelds (mir scheint auch nicht sehr orthodox, weder alt noch neu), Geschichte und den herrlichen Cyclus von Aufsätzen über dies Thema im „Univers Jsradlite" v. I. Und die Hasmonäer, haben die auch keinen Impuls'gegegben?*) Soll ein Sz. das nicht wissen? Und wenn es auch vielleicht zu viel verlangt wäre, bei ihm die Kenntniß der Bücher der Makkabäer und des Josephus vorauszusetzen; wo bleibt D’wn und \-ijw’ ns nyo, zumal bei einem Director einer israel. Realschule? In der Thal weiß der gelehrte H. Redacteur von alledem; nur ist's unbequem, stört das fünfgliederige System. Zwar ist nach Artikel I „die Stimme des Blattes die der Aufrichtigkeit, die der Erscheinungen, wie sie sind und nicht wie sie in den Parteikram passen. Maßen nun aber Esra, Jehoschua, Makabi et qui sunt alii generis ejusdem nicht in den Parieikram der Neuzeit paffen, so läßt man dem Papiere die Geduld, spekulirt auf das schwache Gedächtniß des lesenden Publikums, und schreit dummdreist in die Welt hinein, als ob Alles in verba magistri schwören müsse, und als ob's keine jüdische Gemeinde mehr gebe. — Schluß des Artikels das Steckenpferd vom „Romanticismus, welcher Bildung heuchelt". Eitel Humbug! die Trauben sind ja doch sauer, hat schon jener schlaue Fuchs gesagt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfp^ndenzen. Deutschland. Aus Württemberg. I. In der Nähe Heilbronn's, im Weinsberger Thal, liegt ein Dorf Lehren- Steinsfeld, umgrenzt von Rebhügeln, inmitten von lachenden Obstgärten. Die Doppelgemeinden Lehren und Steinsfeld sind getrennt durch einen Raum von 100 Schritten in's Geviert. In Steinsfeld ist der Sitz einer alten freiherrlichen Familie, die hier ein schönes Schloß mit Hofgarten und Orangerien besitzt; in Lehren wohnen seit undenklichen Zeiten Israeliten. Die Namen der berühmten Männer, Rabbi Hirsch und Akiba Lehren, weisen auf diesen kleinen Ort hin. In Frankfurt a. Nt. sind bedeutende Familien, deren Stammbaum in Lehren wurzelt. In diesem Dörfchen bestand schon vor Jahrhunderten eine israelitische Gemeinde; sie war der Sitz berühmter Rabbinen, unter deren Leitung ein vielbesuchtes Lehrhaus, rcmon rva, bestand. Lehrhaus und Synagoge waren fromme Stiftungen, sundirt durch reiche Kapitalien. In den napoleonischen Kriegen ging von dem Grundstock Vieles verloren, und der damalige Rabbine verlor dadurch an Einkommen; aber er harrte ruhig auf seinem Posten aus und lebte treu seinem Amte auch unter Mangel und gedrückten Verhältniffen. — Mit der Organisation der bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten wurde die fromme Stiftung säeularisirt, das amon nra ging ein und aus den Mitteln der Stiftung wurde ein stattliches Rabbinatshaus (!) erbaut. Der jetzige Rabbiner nun zog in die Stadt, nach Heilbronn, und verwaist steht der Lehrstuhl in der Gemeinde, in welcher Jahrhunderte lang würdige Rabbinen die Lehre Gottes verbreitet; die Stiftungsgelder sind gegen den Willen der Stifter verwendet, ja verschleudert, und die Protestation der Gemeinde wird für Nichts geachtet. H. In der Nähe der Schwäbischen Alb, in einem Seitenthale der Fils, an einem Gesundbrunnen, der seit Jahrhunderten sein köstliches Waffer aus dem dunklen Schooße der Erde zum Heile der Menschen sprudeln läßt, liegt das Dorf Jebenhausen. — Noch nicht 100 Jahre sind es, daß eine Anzahl jüd. Familien, die aus Unduldsamkett ihre Heimath verloren, vor das Schloß der Freiherren von Lieb enstein kamen und um Aufnahme, um Schutz baten, daß sie sich niederlaffen dürften und eine Gemeinde mit Synagoge und Schule gründen. Und der Freiherr nahm sie auf, und die arme Colonie hatte bald einen Rabbiner gewonnen, der leitete die Heerde der Kinder Israel an den Brunnen des 0”n d'd, zu dem besten Gesundbrunnen. Schon nach einem Lustrum war eine Synagoge erbaut und für alle religiösen Bedürfniffe gesorgt. Nach 25 Jahren waren in dem Orte neue Straßen entstanden, erbaut von den jüd. Colonisten, und nach einem halben Jahrhundert ist der Ort ein bedeutender Fabrikplatz geworden; die früher armen, jüd. Einwanderer haben einen Industriezweig in der Gegend verbreitet, und tausend Hände führen am Webstuhl das Schifflein für jüd. Fabrikanten. Eine prächtige Synagoge prangt an der Straße, mehrere Lehrer wirken an den öffentlichen Schulen; mit dem Wohlstand der Gemeinde hebt sich auch der wohlthätige Sinn der Bewohner. Später ent'endet diese Gemeinde einen großen Theil ihrer Angehörigen nach Amerika, die Fabrikanten ziehen in die nächste Stadt und wie rasch die Gemeinde sich gehoben, so nimmt sie allmählich wieder ab; es siedeln sich viele Israeliten aus Jebenhausen in Göppingen an. Am Anfang der 60er Jahre, als die Reform in Stuttgart die Orgel beim jüd. Kultus einführte, wurde der Rabbine in I. auch lüstern nach musikalischer Gottesverehrung und führte seine Gesinnungsgenoffen in's Treffen für Einführung von Reform mit Orgel und Chorgesang. Er verlangte eine neue Synagoge und Orgel zur Hebung des Kultus, zur Regeneration des Judenthums. Die Conservativen remonftrirten; sie wollten das geheiligte, liebgewordene Alte behalten, die Gemeinde nahm an Zahl ab, die Synagoge hatte Raum genug;

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