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Der Israelit · 1867-01-30 · Heft 5 (30.1.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 5 (30.1.1867)
Date
1867-01-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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74 die Kosten waren fast unerschwinglich; das religiöse BÄmrsniß war befriedigt. Alles half nichts, der Rabbiner setzte den Neubau durch und balll ragte in Jebenhausen ein neues Zion mit Harmonium über die Giebel aller Gebäude. Die Reform schaffte den ma« po und den ab und die Regeneration des Judenthums war vollendet. Aber kaum nach einem Jahre erklärten die Israeliten zu Göppingen, der Weg nach I. sei ihnen zu weit, sie wollten in G. einen Gottesdienst haben. Rabbine und Oberkirchenbehörde untersagten es. Die israel. Volksschule in I. löste sich auf, und jetzt beantragen die Bewohner Göppingens die Lostrennung von der Kirchengemeinde in I., und der Rabbine agitirt für Verlegung des Rabbinatssitzes von Jebenhausen nach Göppingen. Der Reformgottesdienst in I. wird sich durch sein Harmon-um den Grabgesang accompagnrren lassen, wenn erst der Rabbine in die Thore Göppingens seinen Einzug gehalten und die welterlösenden Ideen des modernen Judenthums dort verkündigt. (Schluß folgt.) Göppingen. (Württemberg.) Eine schwere Wunde, die noch lange schmerzen wird, ist der Filial- Gemeinde Göppingen geschlagen worden, eine Wunde, die gewiß nicht nur in unserm engern Vaterlande, sondern weit über die Grenzen hinaus empfunden und in ihrer ganzen Bedeutung gewürdigt werden wird. Seit dem 28. Kislev weilt der Fabrikant Jsac Raff nicht mehr unter den Lebenden. Wenn je die Worte unserer Weisen: nnb:n ">pw D’aiD 2'rr/pQ D'pns auf einen Mann Anwendung finden können, wenn je Anspruchlosigkeit, Berufstreue und Hingebung für die Interessen Anderer einem Manne den Namen D’Dn pns geben können, so ist es der Hingeschiedene. Nicht nur seine Stellung sowohl als Kirchenvorfteher und Gemeinderath bot ihm häufig Gelegenheit, für die Interessen der Gesammtheit Gutes zu wirken, mehr noch war es sein warmes Herz, fern schönes Gemüth, von dem man mit Recht sagen kann d'td'1 ■vbin dto2. Sein Wahb'pruch war: du1? ijn: iDn nspi Jeder, der seine Hilfe in Anspruch nahm, war derselben gewiß. Von seinem Edelmuthe zeugen nicht nur die reichen Legate, die er noch kurze Zeit vor seinem Tode bestimmte, sondern das viele Gute, das er an seinen, an den Verwandten seiner Frau, an seinen Glaubensgenossen und an seinen chrEtlichen Mitbürgern fortwährend gethan hat. ro"sjn. Berlin, 20. Jan. Der Justizminister hat bekanntlich jüngst einen Gesetzentwurf über die Anstellung von Justizbeamten der neu erworbenen Landestheile in den älteren Provinzen eingebracht. Irgend eine Ausnahme statrurt der Gesetzentwurf nicht, sondern es sagt derselbe ganz allgemein, daß Justizbeamte, welche in den nenerworbenen Landestheilen nach den dort bestehenden Bestimmungen die Befähigung erlangt haben, ein Richteramt zu bekleiden, auch in den älteren Provinzen als Richter oder Beamte der Staatsanwaltschaft sollen angestellt werden können. Nur für die Ernennung zum Mitgliede eines höheren Gerichtshofes sind sodann noch besondere Qualificationebestimmungen gegeben. Aus dem Umstande nun, daß h nsichtlich der Anstellungsbefähigung an sich eine Ausnahme oder ern Vorbehalt nicht statuirt war, glaubte man, mit Rücksicht daraus, daß nicht überall in den neuen Landestheilen Juden von den Richterämtern ausgeschloffen sind, folgen zu muffen, daß das Justizministerium von seinem bis jetzt festgehaltenen Princip, daß Juden zur Uebernahme eines Nichterpostens nicht befähigt seien, zurückgekommen sei. Die neulichen Verhandlungen im Abgeordnetenhaus aus Anlaß der Sutro'schen Petition haben indessen gezeigt, daß diese Voraussetzug eine irrige war, denn der Vertreter des Justizministers erklärte auf die betreffende Bemerkung des Referenten klar und bestimmt, daß das Justizministerium an seiner bisherigen Anschauung nach wie vor festhalte. Bei der gestern ftattgefundenen Beratung des Eingangs gedachten Gesetzentwurf» Seitens der Justizeommission hat die letztere auf diese Sachlage natürlich zurückkommen müssen. Gab sie dem Gesetzentwurf ihre Zustimmung, so halte sie dadurch, Angesichts jener Interpretation des Justizminifters, einer Zurücksetzung und Beeinträchtigung der jüdischen Richter in den neuen Landestheilen Raum gegeben, was selbstverständlich nicht in ihrem Willen unv in ihrer Absicht liegt. Neben diesem Umstande machten sich auch andere Bedenken geltend, die es räthlich erscheinen ließen, die gesetzliche Ordnung der betreffenden Verhältnisse lieber einer späteren Zeit vorzubehalten, und die Commission vereinigte sich dehhalb mit weit überwiegender Majorität zu dem Anträge, daß das Haus den Gesetzentwurf ablehnen möge. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. In der Sitzung der philosophisch, historischen Klaffe der Akad/mie der Wiffenschaften brachte Profeffor Unger eine Fortsetzung seiner Untersuchungen über den Inhalt altegyptischer Ziegel in organischen Substanzen, welche von Dr. Reinisch aus der alten Judenstadt Ramses mitgebracht worden sind. Die Zieael enthielten weniger Häckerling als die von der 2000 Jahren vor Ramses erbauten Pyramide von Dafhur und deshalb auch weniger organische Substanzen. Dennoch wurden in beufelben die Reste von drei Nahrungspflanzen und von fünf Arten von Ackerunkräutern. dann das Fragment von einer Baumnrt, von Mollusken, und Jnseken und anderen Thierresten gefunden. — (W. F.-B.)

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