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Der Israelit · 1867-01-30 · Heft 5 (30.1.1867) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 5 (30.1.1867)
Date
1867-01-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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71 ein Schlag (!) — gegen die Rückschritte der Wiener Gemeinde: „Es mehren sich," lamentirt Erfterer, „in neuerer Zeit und zwar nicht mehr sporadisch, sondern fast ohne Ausnahme die Fälle, daß Israel. Schüler am Sabbat, ja sogar Freitag in den Abendstunden, nicht schreiben, zeichnen, ja nicht einmal nmsiciren und turnen wollen"« O te.nopora, o moresl „Die Wiener Kultusgememde schreitet zurück," ächzt und krächzt Letzterer in 5 Artikeln, die „Reaktion", als deren reelles Zeichen die Thatsache auftrat, daß H. Anton Bing als Beirath in der Verwaltung möglich geworden, was später der „Neuzeit" wirklich zu einer gewaltigen Jeremiade Veranlassung gab, wodurch sie aber nicht verhindern konnte, ja vielleicht unwillkürlich befördert hat, daß diese Möglichkeit eine Wahrheit geworden, diese Reaksion läßt H. Sz. „keine Ruhe bei Tag und Nacht". Und da interpellirt der neupreßliche H. Director P. an die Wiener Kultusgemeinde, und interpellirt und interpellirt, daß es eine Art hat, aber — keine Antwort ist auch eine Antwort; der neuzeitliche H Direktor schreibt zufällig eine einzige Epistel über das Mihalowitzer Thema; am Ende, als sich derselbe recht warm geschrieben hatte, kommen ihm zufällig „gewisie Vorstände in gewissen Großgemeinden, die sich jener Orthodoxie gefällig erweisen und ihr Eoncessionen machen wollen", in die Feder. Halt! „Ich ergriff ihn und lasse ihn nicht mehr los;" halb zog es ihn, halb sank er hin. „Wo käme mir denn sobald wieder," denkt Herr Sz., „ein Thema mit solch' wächserner Nase in den Wurf, vier Leitartikel des Journals zu füllen," die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus", und es beginnt die Litanei der Studien über die jüngste Rabbinenversammlung (wobei aber hundert Diogenes mit eben so vielen Leuchtgaslaternen auch vergeblich Studien suchen würden) und die soit-disant Rückschritte der Wiener Kultusgemeinde, in der sich leider in neuerer Zeit Wunderdinge zutrugen, wie, was der eigentliche uervu8 reruru der Rückschritte ist, aber vom „ alleweil eleganten ", getreuen, klugen Publizisten wohlweislich in tiefster Brust verborgen gehalten, dafür aber mehr auf Schiffchule Preßburg rc. losgepaukt wird, daß z. B. der neue Predigiger auf nsio rosa u. dergl. m. rein wie versessen ist, das ärgert natürlich; mehr als dies, das thut weh. Lomper aliquid haeret denkt sich der neuzeitliche wie der neupreßliche Herr Redacteur und beide schreiben und schreiben und schreiben wieder . . . . o zarte Sehnsucht, süßes Hoffen! Wir wollen nun den Ausflügen der „Neuzeitlichen" ein wenig folgen, um sowohl den Standpunkt derselben wie die Formen, deren sich dieselbe bedient, zu zeigen; die Leser werden da ihre blauen Wunder erleben. Also Artikel I. Die Mihalowitzer Rabbiner- Versammlung. Der langen Rede kurzer Sinn ist: „Wir stimmen mit Mihalowitz, wohlverstanden im j „Princip" nur; übrigens sind wir nicht solche „Esel" j (sehr elegant I), das Umbiegen einer Nadel am Sabj bäte für eine schwere Arbeit, für eine Sabbatfchän-! düng erster Klaffe z« halten, während das Uebersie- -dein der schwersten Lasten vom Erdgeschoß ins oberste I Stockwerk desselben nicht einmal als leichte Arbeit be- , trachtet und keine Sabbatentweihung genannt wird." Durch solchen niederträchtigen Hohn, der übrigens hier wie in allen Blättern dieses Organes für „religiöse"! (—) Interessen unzählige Mal, ja eigentlich fast im-! mer, wiederkehrt, entfernt sich der Redacteur vom emzig wahren tradirten Judenthume viel weiter, als selbst die Karäer es gethan, die bekanntlich alle ö"*? I niDs^D (es ist mir nicht bekannt, ob auch mit den Cons skguenzen in v”v u. angenommen haben; am j Ende wäre daran sehr wenig gelegen, wenn der Re-! dacteur nicht zugleich Director einer israel. Realschule j wäre (!!!). Und alles dies wird mit einer non chalance, einer Behäbigkeit behandelt, als handele es sich um eme Theater- Balleikritik. So'frechen Stirnen gegenüber verlohnt es wahrlich kaum der Mühe, von den Blasirtheiten und den Unzurechnungsfähigkeiten in den Formen, vom Geklapper, das zum Handwerk gehört, als da sind „die Doctorchen, die sich nur durch die gespreizte Aussprache der erhöhten Selbstlaute von den Binkeljuden (?) unterscheiden" und dergl. edlen Statistik mehr zu sprechen; hat ja dieser Wahnwitz nur in der verbissenen Wuth darüber den Grund, laß die schönen Tage von Aranjuez — wollte sagen, die schönen Privilegien der PhiUppion, der Holdheim Geiger, Stein und wie sie alle heißen, leider Gottes längst vorüber, und unwiederbringlich vorüber, eines unseligen Todes entschlafen, so daß nur noch deren Manen ruhelos wie die Unglücksknaben krächzend umherziehen, daß „viele Derer, die auf das Leben alter Bräuche und Sitte einen großen Werth legen," leider! doch nicht „zu verzichten nöthig haben auf Reichthum des Geistes, des Wissens und "der Bildung, auf Ehre und sociale Stellung", das ärgert mehr als das, das thut weh, und schlimmer als alles , das eröffnet eine bitterböse Concurrenz. Höchst spaßig aber ist es, mitten in dieser hochtrabenden Asterweisheit die Worte zu finden: „Welcher ehrlicher wahrheitsliebender Mench . . der . . . dem liebkoset". Wer zwei so elende Schnitzer (die, wie wir in der Anmerkung sehen werden, durchaus nicht vereinzelt dastehend) meinem Athem macht, hat nicht das Recht, sich auf ein so 2) Hier eine kleine, auf Grund nur zu diesem Zwecke vor» genommener Lectüre, gesammelte Blumenlese: S. 448 b.: „Aber Manheimer . . . weil er glaubte wenn ... die Verwitterung das Ihrige thun werde für: daß wenn u. sw." Seite 490 b.-. „Wie em preußischer Minister sich einst . . . für: wie sich einst.* Seite 473 b.: „in den Weg sich stellte," für, sich in den Weg stellte. 498b.: „Die Erfahrung lehrt, daß je ausgebildeter rc. je mehr rc. desto näher liegt die Gefahr" für: desto näher die Gefahr liegt.

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