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Der Israelit · 1867-01-30 · Heft 5 (30.1.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 5 (30.1.1867)
Date
1867-01-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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70 chen, welche die Engel kennen, die da geschrieben ist Feuer aus Feuer, die da, unbekümmert um irdische Verhältnisse, nichts ist als die Wahrheit, die reine Wahrheit — nach dem ÄuSsprüche des Propheten: „Und ich werde dir Zutritt verftatten zu den hier Stehenden" (nVan onöiyn p DO^na "p ’nnji). Das ist die höchste Aufgabe des denkenden Mensche», die Thora so zu erfassen, daß er nicht bloß vereinzelt „Wahrheiten" in ihr erkennt, sondern daß er sie als eine einzige, oder vielmehr als die einzige Wahrheit begreift, daß er einsieht, daß Alles in ihr aus einem Geiste entspringt, und daß dieser Geist nichts Anderes ist als der Geist der Wahrheit, der nur. den Verhältnissen entsprechend, jedesmal die Form annimmt, welche die Verhältnisse bedingen. Gelingt es zum Beispiel einem Richter, derart in den Geist der Thora einzudringen, daß er das Allgemeine erfaßt und von ihm aus im Einzelnen das Urtheil fällt, so wird er ein in'a«h nc« i1” p sein, das heißt, er wird die pract-ische, angewandte, de» irdischen Verhältnissen gemäße Wahrheit, mit der reinen, theoretischen Wahrheit m Uebereinstimmung bringen, er wird an einem einzelnen, bestimmten Falle darthun, daß es nur eine Wahrheit gibt, wie in jenen Tagen, da Gott die Theorie zur Praxis werden ließ, da Gott die Welt erschuf. In diesem Sinne haben wir den Ausspruch der Weisen aufzufassen: Py Pyo in’a«*? na« p pty pi p iviwro ntyyoa n"apffn bv ^nny niyyj P«a airan. „Jeder Richter, der nach wahrhaftem Recht der Wahrheit gemäß richtet, wird gleichsam ein Genosse Gottes beim Schöpfungswerke;" denn er thut ja gleichsam wie Gott bei der Schöpfung gethan, er umwandelt die reine Wahrheit zur practischen, angewandten — er holt die Wahrheit aus dem Himmel, um sie aus der Erde wieder hervorwachsen zu lasten; es ist also hier das D'a«d na« keine nichtssagende Wiederholung, es will auch nicht, wie Toßaphot sagen wollen, trügerisches Recht und ein auf falscher Zeugenaussage beruhendes, an sich wahres Urtheil ausschließen, sondern die Weisen machen uns hier auf die wirkliche Wahrheit der Wahrheit, auf die reine Theorie der angewandten, practischen Wahrheit aufmerksam, die als Richtschnur dienen soll dem Richter, damit die Wahrheit in der Thal eine werde — und das ist ein göttliches Thun, ein solcher Richter thut, was Gott gethan bei der Schöpfung, noch mehr, er wird gleichsam der Genoste Gottes beim Schöpsungswerke, indem er dieses der höchsten Vollendung entgegensührt. Das Resultat nun dieser Abhandlung, mit der wir unsere Leser feit mehreren Wochen beschäftigen, ist ein gewichtiges, großes: Wir haben erkannt, daß die Thora die Wahrheit ist, nicht, daß in der Thora Wahrheit, sondern daß die Thora selbst die Wahrheit ist. Die Thora als Theorie, als reine, unangewandte Wahrheit, Feuer auf Feuer geschrieben, besttzen wir allerdings nicht; aber die Wahrheit in ihrer practischenAnwendung, den irdiscffenVerhältnissen gemäß, Dinte auf Pergament, ist uns geworden. Allein in dieser waltet der ewige Geist der Wahrheit, oder vielmehr, sie ist dieser ewige Geist der Wahrheit selber in practischen Geboten und Verboten, in Erzählungen und Darlegungen; alle diese Gebote und Verbote, ErMlungev und Darlegungen, alle Bücher, Abschnitte, Worte, Buchstaben der Thora zmammenssefaßt, sind die Wahrheit, die angewandte, unfern Verhältnisten gemäße Wahrheit, das heißt, die reine Wahrheit nicht bloß der Möglichkeit, sondern der Wirklichkeit nach. Sich aus unserer Thora und durch unsere Thora zu derjenigen der Engel, das heißt, aus der angewandten zu der reinen, aus der Praxis zur Theorie zu erheben, das ist die Aufgabe des Forschers, des Denkers. Was aber folgt für uns aus allem Dem? Die Ueberzeugung, daß alle Gebote und Verbote, alle Lehren, Anordnungen, Erzählungen der Thora einem eiuzigeu Geiste entspringen, dem Geiste der Wahrheit; daß alle Gebote und Verbote, die großen wie die anscheinend kleinen, die mit Gründen versehenen, wie die ohne Grunds hingestellten, die einleuchtenden wie die dunkeln, daß sie alle gleichberechtigt sind und daß kein Unterschied unter ihnen statthat als der, welchen die Thora selbst in Bestrafung oder Belohnung feststellt; denn das Gebot der Elternehre wie das Verbot des Schaatnestragens, das Verbot des Mordes wie das Gebot des Mazzothessens am Peßachfeste, das Gebot. Gott zu lieben und die Erzählung vom Auszuge aus Egypten 2c., sie alle sind nichts als der in's Practische übertragene reine Geist der Wahrheit. Das Alles zu erkennen und aus dem einen Geiste zu erklären, oder mit anderen Worten, die Wahrheit der Wahrheit ganz zu erfassen, das blieb selbst Moscheh Rabbenu, dem größten Propheten, versagt; wer aber so glücklich ist, auch nur Einzelnes in diesem Geiste aufzufaffen und zu erkennen, der darf zu den Weisesten gezählt werden; er hat gefunden und erreicht, was die Weisesten aller Nationen vergeblich gesucht und erstrebt haben — Wahrheit. Me Wuthausbrüche eines Rrfarmbiaites gegen die Wiener Äultusgemeinde. für jeden Unparteiischen beurtheilt von vr. J. Hildesheimer. Eisenstadt, am 9. Schebat 5627.*) Pokorny und Szantö*) — zwei Herzen und 1) Erst heute kamen mir die betreffenden Nummern, im Ganzen 5. zu Gesichte. Ob die am Ende angekündigte erschienen, weiß ich nicht. — *) Der Red. des in Wien erscheinenden Reformblattes „die Neuzeit".

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