Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1867)
- Date
- 1867-01-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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64 unserer Gefühle hoher Achtung und brüderlicher Ergebenheit entgegen zu nehmen gez. Crämieux, Präsident der Alliance Jsr. Univ." Wie bereits gemeldet, hat Herr Cr4mieux versprochen, vorläufig schon sich direkt an einen Minister in Confiantinopel zu wenden, mit welchem er persönlich befreundet ist, um über den am Schluffe seines Briefes an Herrn R. Natonek erwähnten Punkt Auskunft zu erhalten. Er drückte zugleich mit diesem Versprechen die Überzeugung aus, die er hege, daß jene Schwierigkeit überwunden werden würde. In keinem Falle steht fortan noch etwas im Wege, die für die Colonisation bestimmten Summen bei der „Alliance" zu deponiren und sich mit ihr über die Verwendung, sei es der Zinsen, oder der Kapitalien selbst, zu verständigen. Es ist demnach ein Mittelpunkt gegeben, wo sich alle Bestrebungen für die Colonisation concentriren können, ein Mittelpunkt, der das unbedingte Vertrauen aller unsrer Glaubensgenoffen verdient und wirklich besitzt. Dieser glückliche Umstand kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Fähigkeit, Organisationstalent, politischer und socialer Einfluß, Redlichkeit und der beste Wille, verbunden mit der Kraft zu handeln, alles findet sich vereint bei jenen Männern, die an der Spitze der „Alliance" stehen, und bei Jenen, die ihre Mitwirkung zu dem großen Werke der Regeneration zugesagt haben. Möge daher recht bald eine Versammlung, etwa bei Gelegenheit der diesjährigen Pariser Weltausstellung, zu Stande kommen, wo sich alle Freunde unsres Volkes und des heiligen Landes persönlich kennen lernen und über die weitern Schritte zur Erreichung des großen Zieles berathen können. England. London. Am 30. Dezember v. I. wurde durch den Herrn Oberrabbiner das israelitische Taubstummeninstitut eingeweiht. Eine große Menschenmenge wohnte dieser eigenthümlichen Feierlichkeit bei. Diese Anstalt ist mit allem Röthigen bestens versehen und lediglich durch die Wohlthätigkeit unserer englischen Glaubensgenoffen errichtet. Herr Rhind, der sich schon seit 37 Jahren mit dem Unterrichte von Taubstummen beschäftigt, ist an dieser Anstalt als Lehrer bestellt. (I. Chr.) Schweden und Norwegen. Stockholm. Unsere Glaubensgenoffen in Skandinavien nehmen wie in allen Ländern, wo man sie nicht mit roher Gewalt zurückdrängt, regen Antheil an Kunst und Wiffenschaften. So wird dem ,,Hamagid" geschrieben, daß soeben sein neues ConversationSlexicon in schwedischer Sprache unter der Leitung unseres Glaubensgenoffen, des Herrn Magister Schick, vollständig erschienen sei. Bei dtn großartigen Sternschnuppen, die in der Nacht vom 13.—14. November fast in ganz Europa wahrgenommen wurden, hat der jüdische Gelehrte Dr. Robirffon an der Sternwarte zu Upsala mit noch sechs anderen Astronomen in der Dauer von 1 Stunde und 16 Minuten 4162 solcher Sternschnuppen gezählt. Unter dem nordischen Himmel Skandinaviens war die Erscheinung um so herrlicher, so daß von dem Aufleuchten der Gestirne die Pferde in den Straßen scheu wurden. 'n ywyü snu nol Türkei. Konftantinopel. Herr Raphael Salomon Camondo dahier starb plötzlich vor einigen Tagen. Derselbe hinterläßt seinen Vater, den ehrwürdigen Greis, den edlen allbekannten Philanthropen und würdigen Wetteifern der Rothschilds und Monteftores, Herrn Abraham Camondo, im tiefsten Schmerz ob des herben Schlages, der ihn auf einmal getroffen hat. Eine ungeheure Menge von Bürgern, den verschiedenenCulten angehörig, Repräsentanten aller Administrationen, Vertreter des Gerichtshofes, Männer aus der Handels- und Finanzwelt drängte sich in die Straße Camondo, wo sich das Hotel des ehrwürdigen Verschiedenen befindet. Trotz des ungestümen Wetters ist dennoch in Konftantinopel noch nie eine solche Demonstration der Gefarnmtbevölkerung bei dem Unglücke einer glorreichen Familie wahrgenommen worden. Ein Corps kaiserlicher Truppen, geführt von seinem Obersten , bildete die Spitze des Zuges, vor welchem die Musik der kaiserlichen Garde einherzog. Nach diesen kamen die Zöglinge der verschiedenen Schulen nebst ihren Directoren und Lehrern, alsdann die Chachamim, die versweise die Gebete des spanischen Ritus recitirten. Als der Zug an dem Hafenthor vorüberging, salutirten sämmtliche Schiffe, indem sie ihre L>egel plötzlich hißten, eine Ehre, die sonst nur Fürsten zu Theil wird. Bei der armenischen Kirche angelangt, singen die sämmtlichen Glocken an zu läuten und der Bischof, umgeben von fernem gesammten Clerus, erwartete in feiner Amtstracht den Zug, um sich demselben anzuschließen. Alle fühlen lebhaft den Verlust, den die Stadt erlitten; Alle, vom Gouvernenrent S. M. des Sultans bis zum Aermsten, wollten ihren Tribut dem geraden und rechtlichen Manne, dem eifrigen und aufrichtigen Israeliten, dem Manne ohne Stolz und Ehrgeiz, besten wohlthätige Hand jedem Bedürftigen geöffnet war, zollen. Der Verschiedene hat seine Tugenden und feine großen Eigenschaften als Mensch und Jsraelite ans seine beiden würdigen Söhne zu vererben gewußt.