Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1867)
- Date
- 1867-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447291-2447296--04844-2460320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
62 der Schulgemeirche zu vertreten, und sie bäten wiederholt um Hinzuziehung des Rabbiners zur städtischen Schuldeputation. Man hofft, daß nunmehr dem Wunsche der Stadt genügt werden wird, da nur dann die Schule in gewünschter Weise sich entwickeln könnte, wenn alle Betheiligten ihr Recht an derselben gewahrt sehen. (Ostdfch. Ztg.) Schweiz. lll St. Gallen, 14. Jan. Der israel. Religions-Gesellschaft in St. Gallen wird laut Großraths- Beschluß vom vorigen Jahre Genehmigung der Statuten ertheilt, und den öffentlichen Angestellten derselben in Bezug auf Niederlassung dieselbe Begünstigung gewährt, wie den öffentlichen Beamten und Angestellten des Staates. Holland. Amsterdam. Herr David de Castro, einer der eifrigsten und angesehensten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, läßt aus seine eigenen Kosten die alten Grabsteine nusro des Begräbnißplatzes der sephardischen Gemeinde bei dem Dorfe Ouderkerk renoviren. Unter diesen Grabsteinen besinden sich die des Gelehrten Menasche den Jisrael, Rabbi Joseph Porto, Rabbi Abraham Chamiz di Schischa, Arzt des Königs Ferdinand, Rabbi Samuel Falagi, Consul des marockanischen Beys bei den Generalstaaten, des berühmten Arztes Orobio de Castro und anderer berühmter Männer aus dem 15. und 16. Jahrh. Diese sammtlichen Grabsteine werden photographirt und enthalten dieselben nebst den Inschriften noch die Familienwappen der Verstorbenen. Herr Castro hat sich mit dem Professor Salomon Munk in Paris Ln Verbindung gesetzt und wird die Photographiensammlung nebst einer kurzen Biographie jener Männer ediren lassen. (Hamagid.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Am vergangenen Sonntage fand in Ottakring die Trauung eines israelitischen Paares in der Wohnung der Braut statt. Als das Paar bereits unter dem Trauhimmel stand, um den Segen des sunktionirenden Rabbiners zu empfangen, stürzte plötzlich der von vier Stangen getragene Trauhimmel auf unerklärliche Weise zusammen; da das Brautpaar glücklicher Weife ohne Schaden davon kam, wurde der Tranhimmel wieder aufgerichtet und die Trauung fortgesetzt. Als nun die Ceremonie kam, wo der Bräutigam der Braut den Ehering an den Finger anzustecken hat, fiel der Ring auf den Boden und konnte erst nach geraumer Zeit wieder aufgefunden werden. Die anwesenden Hochzeitsgäste, welche diese eingetretenen Hindernisse als ein böses Omen für das junge Paar hielten, ließen ihre Befürchtungen laut werden. Der Bräutigam, welcher Diener eines bekannten ReichsrathS-Abgeordneten ist, beschwichtigte die Befürchtungen seiner Braut mit dem Worte: ,^Jch werde die eheliche Treue mit solcher Gewissenhaftigkeit bewahren, wie mein Herr die Treue an die Verfassung." Dies feierlich gegebene Versprechen beruhigte auch die junge Frau und kein weiteres Hinderniß störte das Hochzeitsmahl. (W. F> B.) S. a. Ujhely. Unsere Nachbargemeinde Varanna, deren Rabbiner vor zwei Jahren mit dem Tode abgegangen, hat sich Herrn David Schick, Oberrabbiner der Niederung. Gemeinde Szecheny, einer der gelehrtesten Rabbinen Ungarns, zu ihrem Seelenhirten erwählt. Durch eine geistreiche und gelehrte nam, die er als Gast vor einigen Wochen dort abgehalten, hat er die Achtung und Liebe der ganzen Gemeinde gewonnen. Es darf sich auch jeder gläubige und jüdischdenkende Israelit mit dieser vortrefflichen Wahl freuen, weil der Gewählte der Mann ist, welcher dem hier zu Lande überhandnehmenden Chassidismus energisch und unerschütterlich entgegentreten wird. — Unser hochw. Herr Oberrabbi hat eine amtliche Zuschrift erhalten, die diejenigen Bechurim, die die hiesige Jeschlbah einen Zeitraum von drei Jahren besuchen, und mit Zeugnissen über den befriedigenden Fortgang ihrer talmudrschen Studien und über ihre sittliche Aufführung versehen sind, der Militärpflicht enthebt. — Prag, 10. Jan. Das Urtheil im Processe der 46 Hostonntzer Excedenten wurde heute verkündigt und drei zu siebenjähriger, zwei zu sechsjähriger, drei zu zweijähriger schwerer Kerkerstrafe, die übrigen theils zu kürzerer Haft verurtheilt, theils freigesprochen. — Aus dem nördlichen Böhmen. Als vor einigen Jahren die jüdischen Notabeln Böhmens in der Hauptstadt des Landes tagten, um den Entwurf einer Cultusordnrmg zu berathen ward allgemein der Wunsch rege, daß ein Seminar zur Heranbildung von Rabbinen und Lehrern gegründet, werde, und Viele gaben sich der Hoffnung hin, daß jene bedeutende Summe, welche von den Resten der Judensteuer herrührend, und für allgemeine jüdische Zwecke bestimmt war, dem Seminar zugewendet werden könnte. — Diese Hoffnung zeigte sich jedoch als nichtig, da jene Summe bereits für die Gründung eines Waisenhauses bestimmt, und eine Aenderung in dieser Bestimmung nicht beliebt und auch, nicht angestrebt wurde. — Mittlerweile haben sich üM' die- Stimmenzahl bei Leitung des Waisenhauses zwischen der Landesrepräsentanz und dem Vorstande der Prager Cultusgemeinde Differenzen erhoben, die kürzlich, wie uns die Zeitungen berichten, durch die Verfügung hohen Orts, daß das vorhandene Vermögen nach dem