Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1867)
- Date
- 1867-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Geschäfte war viel Geld verdient worden; allein bei der Auseinandersetzung waren Schwierigkeiten entstanden. Juda Katzew behauptete, 1,000 Ducaten an den Parneß Jakob abgeliefert zu haben, die jener nicht ewpfanaen zu haben vorgab. Heute sollte der Proceß entschieden werden; die Advocaten beider Parteien boten alles Mögliche zu Gunsten ihrer Clienten auf; mit Spannung wartete man weit und breit auf den Ausspruch des Drei-Richter Collegiums. Nachdem die Verhandlungen beendet und alle Versuche, einen Vergleich zu Stande zu bringen, gescheitert waren, neigte sich das Artheil der beiden Dajanim auf Jakob's Seite; allein Rabbi Mordechai, der Rabbiner, wies in überzeugender Weise aus dem Choschen Mischpot nach, daß die Beweise, welche Juda gebracht hatte, als genügend und überzeugend erachtet werden müßten, und so wurde das Uriheil zu des Letzteren Gunsten gefällt. Jakob wurde schneeweiß, als das Urtheil verkündet wurde und ballte die Faust. „DaS ist ein ungerechtes Urtheil," rief er aus. „Wer weiß, was Juda Katzew an Bestechung gegeben hat!" Jetzt war die Reihe zu erblassen an dem Rabbiner. Allein er faßte sich bald; würdevoll erhob er sich und sprach: „Jakob, ihr seid der angesehenste und einflußreichste Mann in dieser Gemeinde; aber nimmermehr werde ich dulden, daß ihr in mir die heilige Gotteslehre entwürdigt. Ihr seid im Bann! Und jetzt verlaßt augenblicklich mein Haus!" Scheu zogen sich die Anwesenden von Jakob zurück. Dieser verließ wuthschäumend das Haus des Rabbiners. Als er nach Hause kam, las Leah, seine Frau, den Ausgang des Prozesses auf seinem Gesichte; er aber befahl ihr barsch, ihm seine Filzschuhe*) zu bringen. Run wußte Leah, was sich ereignet hatte. „Ach," sprach sie schluchzend, „du hast dich von deinem Jähzorn Hinreißen lassen, hast den Rabbiner beleidigt und bist in den Bann gethan worden!" „Ja," sagte er, „du bist ein kluges Weib; du hast's errathen!" „„Jakob, mein geliebter Mann, gehe doch hin und bitte den Rabbiner um Verzeihung. Er ist so gut; er wird den Bann wieder von dir nehmen."" „Was, zu Dem soll ich gehen, der mich um tausend Dukaten gebracht hat? Nein, ich will den Bann aushalten — allein er soll nicht umsonst den Jakob Steiufurt sich zum Feinde gemacht haben!" Leah ließ sich dann ausführlich von ihrem Gatten den Gang der Verhandlungen erzählen. Als Jakob geendet hatte, suchte sie den Rabbiner zu rechtfertigen; allein Jakob beharrte bei seiner Behauptung, daß ohne *) Der im Banne Befindliche durfte keine Lederfußbekleidung tragen. stattgehabte Bestechung der Prozeß für ihn nicht hätte verloren werden können. Noch an demselben Tage wurde Jakob Steiufurt von den Aeltesten der Gemeinde seines Vorsteheramtes entsetzt; Jakob lachte inngrimmig, als er es vernahm. „Ich werde doch wieder Parneß!" sagte er, und er hatte wohl das Recht, so zu sprechen; er war hochangesehen beim Grafen von Neuberg, unter dessen Botmäßigkeit Lommersheim stand. Nach wenigen Tagen gelangte ein Befehl an den Rabbiner, den Bann von J?kob zu nehmen, nnd die Gemeinde erhielt die stricte Weisung, Jakob wiederum als Vorsteher einzusetzen. Von nun an hatte der Rabbiner böse Tage; was er that, war dem Vorsteher nicht recht. Jakob lebte nur für seine Rache. Zuerst suchte er des Rabbnien Gehalt zu schmälern, andere Einkünfte suchte er ihm zu entziehen; endlich wollte er gar dessen Vertreibung aus Lommersheim bewirken. Zwar stand die ganze Gemeinde, die ihren Rabbinen liebte und ehrte, auf Rabbi Mordechai's Seite; allein, was konnte das ihm nützen gegen den mächtigen Einfluß Jakob's beim Grafen! Da ward dem bedrängten Manne Beistand von einer Seite, von der er ihn nicht erwartet hatte. Victor, Jakobs ältester Sohn, stellte seinen Vater ernsthaft zu Rede und bat ihn, zwar ehrerbietig, doch dringend, nicht so große Sünde auf sich und sein Haus zu laden. Allein Jakob blieb unerbittlich; er glaubte sich im Rechte, da er mit Bestimmtheit behauptete, Rabbi Mordechai habe sich bestechen lassen. „Vater," sprach Victor, „wenn du den Rabbiner vertreibst, „so will ich nicht Theil haben an deinem Thun; ich werde kein Stückchen Brod mehr essen, das dir gehört; ich werde dein Haus verlassen, und in der Fremde ein Unterkommen suchen." Jakob lachte; nicht die Vorstellungen des Sohnes, nicht die Bitten der Göttin konnten ihn veranlassen, seinen Racheplan auszugeben. Nach wenigen Tagen langte ein Befehl vom Grafen herab, daß der Rabbiner binnen vierundzwanzia Stunden das Gebiet des Grafen zu verlassen habe. Die ganze Gemeinde folgte weinend und trauernd dem Leiterwagen, welcher Rabbi Mordechai und die Seinen über die balderreichte Grenze brachte. An dem selbigen Tage hatte Victor das väterliche Haus ohne Abschied verlassen. Der Rabbiner fand in einer benachbarten Gemeinde ein Asyl, bis daß ihm in einer größer» Stadt das erledigte Rabbinat übertragen wurde. In Lommersheim blieb er unvergessen, und man wunderte sich nur, daß Jakob Steinfurt's Vergehen so lange ungestraft blieb. — (Forts, folgt). Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Df. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf.«Schnellprefsendruck von I. GottSleüen in Mainz.