Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1867)
- Date
- 1867-01-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Juden aber ist es, die «irren Fäden so vieler durch den Krieg unterbrochener Aufgaben deS Lebens Und der Religion zu entwirren und wieder anzuknüpfen, da, wo Krieg und Tod sie durchschnitten haben. G. Karpeles. Frankreich. Paris. Die Franzosen, als die Pionniere der Judenemaneipation in der civilsirten Welt, sind noch heute bestrebt, dieses schöne Werk auf die weitesten Kreise auszudehnen. Während in anderen Ländern die Presse, „der Mund des Volkes," sich so weit vergißt, friedliche und arglose Staatsbürger zu verläumden und gar gegen sie zu Hetzen, ist die französische Journalistik in neuester Zeit fortwährend bemüht, Juden und Judenthum in dem Lichte zu betrachten, wie sie sich dem unparteiischen und wohlwollenden Beobachter zeigen. Die größten und einflußreichsten Blätter Frankreichs, wie sie olle heißen, berichten nicht allein solche Nachrichten, die speciell jüdisches Interesse haben, sondern sie bringen sogar in ihren Feuilletons Novellen, in denen Juden stets rühmliche Rollen spielen. Eines der tüchtigsten Blätter, welches in der höheren Literatur einen großen Namen einnimmt, ist „VEv4ii4ment“. Dieses Blatt enthielt unter dem Titel: „Les Isra61ites“ einen Artikel über die innere Organisation, die Synagogen, die religiösen Gebräuche und die Geistlichkeit des Judenthums. Obgleich diese Berichte manche Ungenauigkeiten enthalten, so zeigt jedoch deren Verfasser, Herr Eduard Danojin, für unseren Kultus die wohlwollendsten Gefühle, einen tiefen Respect und edle Sympathien. Wir können nicht umhin, nach dem Beispiele des „Univers Jsraelite" das Vorwort dieser charmanten und merkwürdigen Arbeit wiederzugeben: „Das größte Wunder, das sich zum Erstaunen aller Denker erhalten hat, ist sicher dasjenige Volk, dem cs zur Aufgabe geworden, die Vergänglichkeit der Menschen und Dinge dieser Welt Lügen zu strafen, das sich durch Jahrtausende zu erhalten und zu verbreiten wnßte, das dasselbe Kleinod bewahrt, dieselbe Sprache erhalten hat, demselben Kultus und demselben Gotte treu geblieben ist." „Ein solches Volk ist das israelitische: Anfangs ein Nomadenvolk, hat es mehr als irgend eine Nation die Wechselfälle schrecklicher Kriege erduldet; zwanzigmal unterworfen, erhob es sich immer wieder; zwanzigmal in Gefangenschaft geführt, kommt es immer wieder auf den Boden des Vaterlandes zurück, und Rachel ergreift von Neuem die Laute, um den Ruhm und die Wohlthaten des Herrn zu besingen; in der Welt zerstreut, von Titus an die vier Enden der Erde geworfen, bewahren sie ihre Sitten, ihre Gebräuche, ihren Typus, ihr Blut, indem sie sorgfältig die Vermischung mit Andersgläubigen vermeiden; verfolgt im Mittelalter, verstanden sie zu sterben und man hatte gesagt, daß diese Bluttaufe einmal mehr die lebenskräftige Ausdauer dieser Nation bewies, die nie zu erlöschen scheint." „Jetzt hat die Verfolgung aufgehört, sie leben unter uns und erhalten dennoch dieselbe Einheit. Die Race hat sich in so fern umgestaltet, daß der Jude von heute mit erhobenem Haupte einhergeht, intelligent und nett, gesellig und fromm, sich geschätzt und beliebt zu machen weiß und daß aus dem Schooße dieses Volkes Männer entstehen, die heutzutage in den Künsten und Wissenschaften glänzen." „Aber, das einzige unter allen Völkern, bewahrt es seit seiner Entstehung denselben Cultus und verehrt denselben Gott, was in der Thal wie ein historisches Phänomen betrachtet werden kann. Die Israeliten sind unstreitig diejenigen, welche ihrer Religion am treuesten anhängen. Diese Religion hat nicht wie die unsrige pompöse Ceremonien, welche die Einbildungskraft frappiren: die Form des Cultus ist einfach und besteht nur in dem Absingen der Psalmen und Vorlesen des Gesetzes, — aber diese Religion flößt ihren Anhängern einen unerschütterlichen Glauben ein, der ihnen nicht genommen werden kann." Paris. Einer unserer ausgezeichnetsten jungen Rabbinen, Herr Zadoc Kahn, Direktor der Talmud- Thoraschule, wurde an Stelle des Herrn Astruc zum Rabbinats - Affesior in Paris ernannt. Rußland. Schadow. In unserer Stadt herrscht G. s. D. noch eine große Begeisterung für das Studium unserer heiligen Thora und wird von Groß und Klein jed<s nur mögliche Opfer an Zeit und Geld gebracht, um demselben immer größern Aufschwung zu geben, was um so mehr Anerkennung verdient, da die meisten Israeliten Handwerker sind und kaum Zeit und Mittel haben, sich mit dem Thorastudium zu beschäftigen. So bauten diese Handwerker, unterstützt von einzelnen Männern und durch Beiträge mehrerer Vereine, vor einigen Jahren ein neues amon rw, in welchem der Verein „Q“in "N," der einen besondern Lehrer besoldet, jeden Tag nach dem nnrw Gebete einige Abschnitte aus dem Oiu "n lernt. Durch dieses schöne Vorbild aufgemuntert, gründeten jüngere Leute den Verein „wpwyw ym," der sich die Anschaffung der zum Thora-Studium nöthigen Bücher zur Aufgabe gestellt hat. Ein anderer noch nicht lange unter dem Namen „rvan p-n" bestehender Verein hat bereits seinem Namen dadurch entsprochen, daß er eine Mauer um den Vorhof der Synagoge erbauen.