Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1867)
- Date
- 1867-01-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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57 Wiener Cultusvorstand hat in richtiger Erkenntniß, daß er eben so wenig, wie etwa eine christliche Gemeinde-Repräsentanz in kirchlichen Dingen „die hier maßgebende Autorität" sei, hierin gar nichts gethan. In der That kann nicht nur kein Gemeindevorstand, sondern weder einzelne Rabbiner noch rabbinische Synoden irgend welche „Concessionen" nach dieser Richtung machen, irgend etwas „decretiren". Es gibt ' im Judenthunze keine Machtvollkommenheit zu binden und zu lösen, und die diesbezüglichen Religionsvorschriften stehen wie alle anderen unwandelbar fest, und wäre es viel bester gewesen, wenn sich der H. Di*, erst über die Stellung von Vorständen und Rab- > binen zum Religionsgesetze erkundigt hätte, ehe der-! selbe vor die Oeffentlichkeit getreten. Kurz und gut, die „ Illiberalen" stehen auf dem Boden des Gesetzes und haben das Recht, Wahrung ihrer Gewissensfreiheit zu verlangen; der H. Direktor aber hat nicht das Recht, wenn nämlich vie Anstalt keinPcivatinstitut ist, ihnen wirsch die Thüre zu weisen. Dr. I. Hildesheimer. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Dem Glaubensbekenntniste nach hat der preußische Staat durch die jüngst einverleibten Staatsgebiete einen Zuwachs an Bevölkerung von 3,685,199 evangelischen Staatsbürgern, 607,080 römisch-katholischen, 6 griechisch-katholischen (letztere in den Elbherzogthümern), 410 Mennoniten (in Homburg, Nassau und den Elbherzogthümern), 4181 Dissidenten und 52,869 Juden erhalten. Das Verhältniß in den bisherigen preußischen Landen ist: Evangelische 65,34, Römisch-Katholische 33,8, Dissidenten 0,25, Juden 1,33. Das gesammte Preußen zählt jetzt 15,413,207 Evangelische, 7,603,346 Römi'ch-Katholische, 1530 Griechisch-Katholische, 14,196 Mennoniten, 43,032 Dissidenten, 314 797 Juden und 41 anderer Religion. Berlin. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, daß nach dem Kriege keine Juden in Preußen die Bestätigung zu Landwehr-Offizieren bekommen hätten. Der König soll über das Gerücht sehr aufgebracht gewesen sein. Es ist thatsächlich durch die Ernennung von jüdischen Offizieren widerlegt; bei sonst gleichen Bedingungen hat, wie vor dem Feinde, kein Unterschied zwischen Juden und Christen stattgefunden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Bei der vorgestern Abends stattgehabten Wahl des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde wurden mit absoluter Majorität gewählt: als Vertreter Gemeinderath Moriz Pollak und als Beiräthe Friedrich v. Schey, Paul Schiff, Gustav v. Epstein und von der orthodoxen Partei Anton Bing. NickolSburg. (Schluß.) Stille, schauerliche Stille herrschte in der sonst so regen Judengaste. Wo sind sie hin, die neugierigen Gestalten, die schwatzend und so lärmend noch vor Kurzem die Gaffe belebten! Alle sind sie von Sorge und Angst gequält, von Sorgen für ihr oder ihrer Angehörigen Leben, denn die arge Gottesgeißel hält Umzug in ihren Häusern! Die Gaste, die noch vor Kurzem durch Waffengeklirr und Wagengerastel ein lebendiges Bild der Kriegsgetümmels dargeboten, liegt jetzt da im düsteren Trauerkleide, in öder Einsamkeit, nur der eine Weg, der da führet zum Gottesacker, wo Leichen gesäet und Hoffnungen eingepflanzt werden, ist belebt, belebt durch die Bestattung der Tobten. Hier zieht ohne Glockengeläute und Grabgesang eine christliche Leiche vorbei, ihr folgt eine Gruppe jüdischer Männer, beladen mit schwarzer Last — neue Opfer der unersättlichen Gottesgeißel. Da im Tode vereinigen sie sich, die im Leben sich gehaßt und angefeindet haben. Keine Büchsen klirren, dem Almosenspender ewiges Leben verheißend, keine Grabgesänge und Leichenreden tönen von den Lippen frommer Beter und gottergebener Priester, eines nur, das bleibt, wie es sonst gewesen, das ist der Staub, der zum Staube wiederkehret, von wannen er ist genommen worden. — asy nnm awn isy bxi nrw w UnJ -HPK DVlbfiO. „Doch nicht auf ewig werde ich zürnen!" verhieß der gütige Gott seinem Volke Israel. Sein Zorn dauerte nicht lange, bald wendete er uns wieder seine Gnade zu, wehrte dem Sensenmanne in seinem unersättlichen Mähen, so daß die Gemeinde Nickolsburgs bald lichtvolleren, glücklicheren Tagen entgegensehen konnte. — Da kamen nun auch die hohen Feste heran und in den erhebenden Augenblicken, wo sich Alles zum lieben Gott wendete, um Ihm zu danken, um Ihn zu preisen; da ist es uns Allen klar geworden: Die Leiden des vergangenen Jahres waren eine gerechte Zuchtruthe für das vom rechten Wege abgewichene Israel; eine große Malmuug ist an uns ergangen! — Nun denn, sie ist uns geworden! Mögen wir sie zu unserem Heile benützen und an das Ende der Schreckenstage den Anfang einer glücklichen Zukunft knüpfen und so die erhaltene Strafe zu unserem Wohle ausbeulen. Düstere, blutgefärbte Blätter sind es, um die die Weltgeschichte reicher geworden. Oesterreichs Aufgabe ist: die folgenden Blätter mit schöneren, sonnigeren Zügen auszufüllen. Die Aufgabe der österreichischen