Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1867)
- Date
- 1867-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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56 rend sie früher nur sporadisch vorkamen, jetzt fast ganz allgemein sind" pb« tf? »d opn *p-a o. Diese hocherfreuüche Thatsache hängt theils damit zusammen, daß sich n"2 die Lächerlichkeit überlebt, welche noch vor einigen Decennien grassirte, daß jeder „gebildete" Mensch nothwendig am anip rat? schreiben rc. müsie, theils aber auch mit der Freizügigkeit, welche bekanntlich auf Wien jeinen ganz besonders großen Einfluß übte, und wobei unter den Myriaden der „Zugezogenen" ,->"2 sehr viele gesinnungstüchtige dhi»t sind, die einerseits ihren Kindern eine zeitgemäße Erziehung geben, anderseits aber auch kein Jota vom Traditionellen preisgeben wollen. Wenden wir uns nun zur Beschwerde des H. Direktors. Doch zuvor noch eine Bemerkung. Man muß hier zweierlei Anstalten unterscheiden, Privatanstalten einerseits und communale oder Staatsanftalten anderseits. Ecstere werden sich und müssen sich weniger von principiellen als von lukrativen Motiven leiten lassen. Unsere Zeit ist nicht so idealistisch, daß an Privatinstitute ein anderer Calcul angelegt würde als der der Rentabilität, und werden diese Schulen in der Regel „nach Zert und Umständen" „liberal" oder „ultramontan" sein. Das principiis obsta ist hier Lebensfrage, wir haben uns mit denselben nicht zu beschäftigen; dieselben bekennen sich entweder zu unfern Resultaten ohne Räsonnement oder das Letztere wäre unnütz verschwendet. In eigentlich öffentlichen Gymnasien dürfen die israelitischen Schüler mit Recht von folgenden Voraussetzungen ausgehen: 1) Es gibt in allen Klassen Unterrichtsgegenftände, bei denen das Schreiben rc. nicht nur nicht unbedingt, sondern gar nicht nothwendig ist, daß der Schulplan bei Berücksichtigung einer solchen Gewissenssache, wie die Heilighaltung des Ruhetages gar nicht einmal beeinträchtigt zu werden braucht. Solche Gegenstände sind: Geschichte, Geographie, theoretische Gramatik, Lesen, Deklamiren rc., zumal auf Gymnasien, wo sicherlich für alle Gegenstände zur Vermeidung der Zeitvergeudung durch Diktiren Eompendien in den Händen der Schüler sind. 2) Nach der Ansicht vieler Pädagogen ist es vortheilhafter, einen Unterrichtsgegensiand möglichst zusammenzuhalten, und ihn in kurzen Zwischenräumen zu wiederholen, statt denselben auf entferntere QeiU räume zu vertheilen; daher erwächst durchaus kein Nachtheil für die Schule, wenn genannte Gegenstände in den Samstagstunden vereinigt werden. 3) Es ist billig und gerecht, wie in sehr vielen österreichischen Gymnasien, ja auch in Preußen, bekanntlich dem Muster staate für Schulwesen, der Fall ist, Samstag Nachmittag Ferialzeit anzusetzen und die dafür angesetzten Aktionen auf andere Tage zu vertheilen; hiedurch reduzirt sich das sogenannte (aber ungenaue) 7e der Schulzeit auf das Verhältniß 4:34 (täglich 6 Stunden mit Abzug des Mittwoch Nachmittags) also nicht ganz */». 4) Wenn die nachmittägigen Schulstunden auf 2—4 augefetzt werden, so dürfte kein jüdischer Schüler Anstand nehmen, Theil an jedem Unterrichte zu nehmen; daß dieses aber wenigstens für den Freitag Nachmittag geschieht, ist wahrlich kein so unbilliges Verlangen. — Es wird uns jeder das Zeugniß geben, daß alle unsere obigen Forderungen die Gränzen der Bescheidenheit nicht überschreiten, ja, daß sie sich sogar noch weit innerhalb dieser Gränzen desinden. Principiell könnte man sogar darauf dringen, daß alle Ferialstunden auf den Damstag vertrugt würden, so daß dieser mit dem Sonntage gleichberechtigt erschiene; wie weit bleiben wir also hinter unfern berechtigten Anforderungen zurück! In der auf die erste Interpellation des H. P. folgenden Nummer der „N. F. P." hat ein Claqueur des H. Dr., ein natürlich „liberaler" Anonymus, der sich „Freund der Wahrheit" zu nennen beliebt, in verba magistri geschworen. Wir hätten gar keine Notiz davon genommen, wenn nicht der G. Director in Nr. 648 in einem zweiten langathmigen Artikel Notiz davon genommen hätte, darin volle Billigung „aus israel. Kreisen" sindend. Wieso der G. vr. weiß, daß der H. Anonymos wirklich den israel. Kreisen angehört, ist nicht einzusehen, es gab schon Fälle, daß anonyme Kritiker mit den Autoren identisch waren, „vielen Eltern aus der Seele gesprochen )ein lassen," kann die geduldige Feder sehr leicht schreiben; mit solchen anonymen Kunsistückchen täuscht man keinen Kundigen mehr. Doch ist das Factum zu gleichgiltig, um sich dabei aufzuhalten; kehren wir zum redseligen H. Dircctor und seinen neuesten Eröffnungen zurück. Der langen Rede kurzer Sinn ist: a) dadurch, daß „liberalere" Schüler Samstag schreiben, erscheinen sie den „weniger liberalen" gegenüber als irreligiös, wodurch die öffentliche Moral beim Erziehungsgeschäfte eine große Schlappe erleidet; b) nichts Halbes. Der Wiener Gemeindevorstand, über dessen Schweigen und Jgnoriren der H. Direckor sich höchlich ärgert, möge „als hier maßgebende Autorität" decretiren, daß Schülerpflicht über Religionspflicht stehe, und damit Punktum, mögen dann die „Illiberalen" ihre Wege gehen. Gefertigter als Illiberaler erlaubt sich ergeben zu erwiedern: aä a) mit dem Köder von „Liberalismus" läßt man sich heutzutage nicht mehr locken; bange machen gilt nicht. Aufgeben der Religionssatzung ist mit Nichten Liberalismus, vielmehr besteht dieser unter Anderem in dem gewrffenhasten Respectiren der Gewissensfreiheit; und wenn man für die öffentliche Moral fürchtet, so möge man eben den „Lrberalen" ananheimgeben, ebenfalls ihr Religionsgesetz zu respektitiren. Wollen sie nicht, so mögen sie es bleiben lassen, nur möge man nicht mit abgedroschenen Redensarten schnöden Gewiffenszwang üben, aä b) Der