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Der Israelit · 1867-01-16 · Heft 3 (16.1.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 3 (16.1.1867)
Date
1867-01-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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47 den Spruch unserer Weisen: tanaia nn?n D’DDn wohl beherzigt, so daß die Juden, ohne irgendwie dem Patriotismus gegen das geliebte Kaiserhaus Eintrag zu thun oder den Preußen Ergebenheit zu heucheln, fast nirgends mit diesen in Collision kamen. Im Gegenteile, gerade in diesen Tagen haben die Juden ihre Liebe und Dankbarkeit gegen das Vaterland aufs Schönste gezeigt. Hievon zeugen Ne vielen Sammlungen fast in allen Gemeinden Oesterreichs, die wahrhaft bewunderungswerthe Thätigkeit der Hilfscomüö's für israel. Soldaten und endlich die innigen Gebete, die vor und während des Feldzuges für das Waffenglück Oesterreichs zum Himmel emporstiegen. Im Rathe der Vorsehung war es anders beschlossen worden! Ob vielleicht zu uHerem Heile, das wird die Zukunft lehren. — Sowie in jedem Feldzuge, so zeigten sich auch hier viele Beispiele von Frömmigkeit und Edelmuth. Sehr viele österreichische und preußische Soldaten erbaten sich Tephillin, Siddurim rc., die ihnen auch auf das Freundlichste verabfolgt wurden. Nun aber kommt das traurigste Kapitel der Occupationsgeschichte, ich meine nämlich-die Requisitionen. Es ist in der That ein eigenthümlicher und den Geist unseres Jahrhunderts hinlänglich charakterisirender Ausdruck für Aneignung fremden Eigentums. Durch diese Requisitionen litt auch die jüdische Gemeinde sehr stark. Bei einem hiesigen Stellwagtninhaber wurden bei 400 Metzen Hafer rcquirit; bei einem Fleischhauer Ochsen, Pferde, Kübe im Werthe von 1000 fl.; der Gesammtbetrag der Requisitionen belief sich auf etwa 30,000 fl., wie wir aus competenter Quelle vernommen. — Daß es bei diesen Requisitionen nicht an komischen Vorfällen fehlte, braucht nicht erst in Erwähnung gebracht zu werden. Allbekannt ist ja der Vorfall im nahegelegenen Dörfchen Dürnholz, wo ein Tambour aus einer vom Eofer requirirten Pergamentrolle sich eine Trommel verfertigte. Aus der Rolle war aber zufällig der Bibelvers geschrieben: „Auf einem Wege werden deine Feinde kommen, und auf 7 Wegen werden sie fliehen!" — Seltsame Fügung! — Sehr hnman und edel war das Benehmen der preußischen Obern gegen die Juden ihres Heeres. So wurde einem Soldaten, desien Bruder an der Cholera gestorben war und auf dem jüdischen Friedhofe beerdigt wurde, vom Stadtkommandanten ein ktägiger Urlaub bewilligt, damit er die Trauergebräuche nach mosaischem Ritus abhalten könne. Einem andern Soldaten, der im Militärspitale an der Cholera erkrankt war, wurde auf sein dringendes Billen der Rabbiner von Nickolsburg berufen, der auch sogleich bereitwilligst mit einem Vorsteher der Chebra Kadischa herbeieilte, um dem Armen den Trost der Religion zu spenden. — Besonders hörte ich sehr oft die israelitischen Soldaten ihre österreichischen Brüder beneiden, die damals gerade Feldprediger erhielten. Allgemein wünschten sie, daß das dem Könige gerade damals unterbreitete Gesuch hinsichtlich preußischer Feldprediger von Erfolg sein möchte; was jedoch, wie bekannt, nicht der Fall war. — Soviel ist gewiß, daß die Jnstallirung jüdischtr Feldprediger denn loch keine so zwecklose Institution ist, wie dies jüngst so kategorisch behauptet wurde. Am 4. August Men die Preußen von Nickolsburg ab, und ließen uns ein schreckliches Abschiedsgeschenk zurück-die Cholera, von der wir in unserm nächsten Aussätze sprechen werden. (Schluß f.) Nachschrift. Berlin, 12. Jan. .Im Hause der Abgeordneten wurde gestern übP' Petitionen verhandelt, von welchen? als für die Berichterstattung von Interesse, die Petitionen des Oberrabbmen Sutro, sowie mebrerer sonstiger Privaten und überaus zahlreicher SyuagvgengemLMden, um volle und thatsächliche Ausführung der Verfassungsartikel 4 und 12, hervorzuheben sind. Abg. Leut (Berichterstatter) meint, in der bisherigen Stellung des Zustizministers zur Sache dürste, nachdem der Gesetzentwurf über die Anstellung der Richter aus den neuen Landestheilen eingebracht worden, wohl eine Aenderung eingetreten sein, denn in Beuig aus Jrautsurk a. M. sei in dem (Gesetzentwürfe keine Ausnahme gemacht und da seien Juden als Richter angestellt. Der Commiffär des Justizmi ui st er o: In der Stellung des Justizministers zur Sache fei in so fern eine Aenderung eingetreten, als jüdische Assessoren jetzt bei der Staatsanwaltschaft angestellt werden könnten. Dagegen bleibe der Justizminister dabei, daß Juden, weil sie nicht im Stande seien, einem Christen den Grd abnehmen und demselben die nöthige Vorhaltung zu machen, nicht als Richter angestellt werden könnten. Abg. K o s ch: Dieser Standpunkt des Justizministers ist eigentlich gegen jeden sittlichen und gebildeten Christen gerichtet; er sagt (nach Rechts gewendet) Ihnen, nicht uns, daß Sie, weil es ein jüdischer Richter war, der Ihnen die gesetzliche Vorhaltung vor der Cidesabnahme geuracht, allenfalls auch einen Meineid schwören könnten. (O D! und Murren rechts.) Nun, gerade dieser Ihr Unwille beweist die Nichtigkeit Dessen, was ich in Bezug auf den Standpunkt des JustizminisierS gesagt habe. Ich protestire gegen diesen Standpunkt. Ter Justizminister nröge sich doch auch die Bestimmung der Verfassung einmal ansehen, daß die ^taatsämrer zugänglich seien für alle dazu Befähigten. Wo ist irgend gesagt, daß zu dieser Befähigung auch der vorherige Üebergang vom Judenthum zum Christenthum gehöre? Und vom Justizminister gebe ich zum Cultusminister über. Die Ministerien der Justiz und des

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