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Der Israelit · 1867-01-16 · Heft 3 (16.1.1867) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 3 (16.1.1867)
Date
1867-01-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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46 in England, christliche Personen vor jüdischen Beamten, z. B. dem Lordmayor von London, Eide geleistet hätten, daß in Holland ein Jusüz - Minister jüdischen Glaubens gewesen sei, ohne daß irgendwie die Geistlichen sich hierdurch in iürem religiösen Gefühle verletzt gefühlt hätten. Die Kommission konnte nach Allem nur anerkennen, daß die innerhalb des Refforts des Kultus- und Unterrichts-Ministeriums, sowie des Justiz-Ministeriums bestehenden, in Vorstehendem als den Bestimmungen der Verfassungs-Urkunde zuwidercharakterisirte Beschränkungen in Betreff der Zulaffung von Juden zu den Staatsämtern der Abhilfe dringend bedürftig seien. Sie glaubt, daß die preußischen Staatsbürger jüdischen Glaubens einen Anspruch auf schleunige und gründliche Abhilfe ihrer Beschwerden um so mehr haben, als die Ereignisse des gegenwärtig seinem Abschluffe zuneigenden Jahres wiederum Zeugnisse dafür abgelegt haben, daß die preußischen Juden in der Erfüllung ihrer bürgerlichen und staatsbürgerlichen Pflichten hinter ihren christlichen Mitbürgern nicht zurückstehen, daß aber auch andrerseits der Staat einen Anspruch darauf habe: „von der Summe von Geist und Kräften," — wie eine der Petitionen sich ausdrückt, — welche der preußischen Judenschaft innewohnt, auch innerhalb der staatlichen Aemter nicht unbenutzt zu lassen. Die Kommission trägt, und zwar bezüglich des Refforts des Kultus- und Unterrichts- Ministeriums gegen 3, bezüglich desjenigen des Justiz- Ministeriums gegen 2 diffentirende Stimmen, darauf an, das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: „Die Petition des Ober-Rabbiners Sutro vom 16. Oktober d. I., die von dem emerit. Rabbiner Or. Philippson Namens der 298 Synagogen - Vorstände eingereichte Petition vom 1. November c., sowie die derselben beitretenden Petitionen der Vorstände der Synagogen-Gemeinden zu Schwerin a. W., zu Insterburg, zu Petershagen, zu Breslau, des Hillerstein und Genoffen, Bruck und Genossen und Frank und Genoffen, soweit diese Petitionen des Refforts der königlichen Ministerien der Justiz-, sowie der Kultus- und der Unterrichts-Angelegenheiten betreffen, der königlichen Staatsregierung zur Abhülfe wiederholt zu überweisen. — Breslau. Vergangenen Montag fanden hier die Repräsentantenwahlen statt. Trotz aller Agitationen und Machinationen konnte die Reformpartei dennoch die aufgestellte Candidatenliste nicht ganz durchbringen. Wären die hiesigen Orthodoxen etwas rühriger gewesen, so hätten sie vielleicht den Sieg errungen. Jedenfalls ist es ein großes Glück für die orthodoxen Juden Breslaus, daß nicht Männer der extremen Reformpartei, sondern der sogenannten gemäßigten Liberalen zu Repräsentanten gewählt wurden. Einige orthodoxe Candidaten sind ebenfalls gewählt, und so kann man denn im Allgemeinen die Repräsentantenwahl als eine günstige bezeichnen. Mögen die neugewählten Vertreter das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen und womöglich den Interessen beider Parteien Genüge leisten. Ich kann an dieser Stelle nicht umhin, eines Uebelstandes zu erwähnen, den sowohl Reform als Orthodoxie hart empfinden — ich meine nämlich den Mangel einer jüdischen Schule. Bei dem ausgeprägt confessionellen Character, den fast alle hiesigen Institute immer mehr annehmen, ist eine solche israel. Gemeindeschule ein unabweisliches Bedürfnitz. Denn gewiß haben die Eltern, welcher Partei sie auch immer angehören, wenig Vergnügen an den Lehren und Eindrücken, die ihre Kinder in solch" protestantischen oder katholischen Schulen empfangen, exempli gratia, an der hiesigen höhern Töchterschule, wo der Lehrer seinen zahlreichen jüd. Schülerinnen das Weihnachtslied aus dem Protestant. Lesebuche von Seltzsam zu memoriren aufgab. Was soll das 10jährige jüdische Mädchen sich beim Memoriren folgender Strophen denken: Das schönste Kind, das liebste Kind, So viele rings auf Erden sind. Kommt her und hört, damit ihr's wißt, Das ist der liebe.!!! Dieser Ton geht durch das ganze Gedicht fort. — Ich glaube, daß, wo es möglich ist, eine prachtvolle Synagoge mit einem solchen Kostenaufwands zu erbauen, sich auch noch die viel geringern Mittel zur Gründung einer Schule finden werden. Wahrlich, es ist die höchste Zeit, wenn anders die Eltern es wünschen, daß ihren Kindern die Religion nicht in homöopatischen Dosen dargereicht, sondern die rechte Erkenntniß des Judenthums aus ungetrübten Quellen geboten werde. Dixi. Theodor Braun. Österreichischer Kaiserstaat. Mckolsburg. (Fortsetzung, siehe Nr. 1 d. I.) Ein hier ansässiger Jude machte auf der Brünner Straße Bemerkungen über Bismark und die Preußen. Dies hörten einige vorübergehende Soldaten nnd wollten ihn sogleich auf die Hauptwache führen. Inzwischen war auch ein Garde-Landwehrmajor dazu gekommen und erkundigte zsich nach dem Vorgesallenen. „Herr Major" riefen entrüstet die Soldaten „der Mann hat Preußen beschimpft." „Gott bewahre," unterbrach sie der Jude, „nein Herr Major, ich habe nur auf Bismark geschimpft! Der Major lächelte über die rührende Naivität des Mannes, und befahl den Soldaten: „Laßt ihn los Kinder, das haben schon Größere gethan." Wer der Major war? das können die lieben Leser sich wohl schon denken — kein Anderer als Bismarck selbst. — Nebrigens haben größtenteils die Israeliten nicht nur hier, sondern in allen occupirten Landestheileu

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