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Der Israelit · 1867-01-16 · Heft 3 (16.1.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 3 (16.1.1867)
Date
1867-01-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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44 habe, einem von ihm verkauften Esel das Halsband abzunehmen. Er erkannte offenbar die jungen Leute nicht wieder. Diese überreichten ihm das Kleinod und sprachen so, wie der Rabbi es befohlen hatte. Da erhob der Heide die Hände gen Himmel und rief: „Gelobt sei der Gott Israels!" Im selben Augenblicke trat der Rabbi herzu, der seinen Schülern gefolgt war, um sich zu überzeugen, wie sie seinen Auftrag erfüllen würden, und er sprach: „Meine Kinder, wiegt wohl alles Geld in der Welt die Freude auf, den Namen unsres Gottes so geheiligt zu seheu?" Ahron schwieg. Mit der größten Aufmerksamkeit hatte Alles ihm zugehört. Den Damen standen die Thränen in den Augen. „Bravo," rief jetzt der Freiherr, „das war schön von Deinem Rabbi I Und was sagst du, Heinrich?" „Ihr könnt hübsch erzählen, Nauheim," nahm der Graf von Laubach das Wort; „ich habe nie bezweifelt, daß es auch ausnahmsweise gute Juden gibt." „Verzeihen Sie, Herr Graf, es gibt ausnahmsweise auch schlechte Juden; es gibt unter meinem Volke mehr gute als schlechte, und die letzteren sind es größtenteils durch den furchtbaren Druck geworden, unter dem man uns nun schon so lange schmachten läßt." „Ah," entgegnete der Graß „ihr gebt zu, daß durch den langen Druck eure Race verschlechtert ist, daß es heutzutage keine solche Juden gibt, wie der Rabbi, von dem ihr erzähltet!" „Nicht doch," sagte Ahron, „es gibt heute noch viele Juden, die ebenso handeln würden. So kenne ich einen armen Mann, der ohne sein Verschulden sein Vermögen verloren hat und auf dem Punkte steht, Banquerott zu machen. Da zahlt ihm ein vornehmer Herr eine kleine öiimnte, irrt sich aber und rollt statt Viergroschenstücke Friedrichsdor ein. Die 5,000 Thaler, die der Jude auf diese Weise erhält, würden gerade hinreichen, seine Schulden zu bezahlen, seine Ehre zu retten und ihn mit Weib und Kindern vor Armuth und Elend zu bewahren. Er aber zögerte keinen Augenblick, er eilt per Extrapost hin, um die Summe zurückzuerstatten, noch ehe man den Jrrthum bemerkt. Der vornehme Herr, der sich so geirrt hat, sind Sie, Herr Baron, und der Jude, der die Heiligung des göttlichen Namens höher schätzt als Ehre und Vermögen, als Weib und Kind, das bin ich, meine Herrschaften — und wie ich, so denken alle meine Gottesfürchtige« Glaubensgenossen!" Bei diesen Worten überreichte Ahron dem Baron den Beutel, den er mitgebracht hatte. Der Freiherr goß den Inhalt deffelben auf den Tisch, der ganz von dem blinkenden Golde bedeckt wurde. „Mein braver Ahron!" rief der Baron und umarmte den Juden; auch die Baronin trat herzu und! drückte ihm die Hand; Baronesse Clara aber hatte genug zu thun, die reichlich fließenden Thränen zu trockenen. „„Gelobt sei der Gott Israels!"" rief plötzlich der Graf; „„ich bekenne mich besiegt. Nauheim ich leihe euch 10,000 Thaler, 5,000 für euch und 5,000 für euren Rabbi Schimmel den Scharlach oder wie der Mann geheißen hat. Kommt morgen nach Laubach und holt das Geld!"" Auch der Baron nahm die 6,000 Thaler nicht zurück. — Sprachlos vor Erstaunen stand Ahron da, als er die Geschichte des vermeintlichen Jrrthums vernahm. „„Gnädiger Herr Baron,"" sagte er, „„Sie hätten mich nicht in Versuchung führen sollen."" „Das hat," entgegnete der Baron, „auch meine Tochter gesagt, die ist bester als ich. An mir klebt noch die alte voruriheilsvolle Zeit. Gottlob, daß das Heranwachsende Geschlecht ein besserdenkendes wird!" Als Ahron nach Hause kam, und seiner Gattin das Alles erzählte, erschrak diese heftig. Was wäre daraus geworden, wenn Ahron ihren Rath befolgt hätte? „Siehst Du," sagte Ahron, „nach dem heiligen Gotteswort muß der Mensch handeln und nicht nach eigener Ansicht!" — Der Graf von Laubach wurde ein warmer Freund der Juden; namentlich blieb er Ahron Nauheim sehr gewogen. Dieser bezahlte seine Schulden und gründete die Fabrik, zu der ihm die Regierung die Concession erlheilt hatte. Das Unternehmen glückte, und Ahron ward ein reicher Mann. Der Sohn des Grafen von Laubach heirathete später das Fräulein von Buchensee und wurde einer der reichsten Gutsbesitzer des Landes. Als die Napoleonischen Kriege Europa verwüsteten, schlummerten die beiden Cavaliere, die beim Beginne unserer Erzählung am Schachbrette geseffen hatten, im Schooße der Mutter Erde. In den Freiheitskriegen stürzte sich der Graf von Laubach, ein eifriger Patriot, in Schulden, um auf eigene Kosten Regimenter auszustatten und diese dem preußischen Heere zuzuführen; zudem waren seine Güter verwüstet, feine Schlösser zerstört. Das Erbe seiner Väter wäre unter den Hammer des Auctionators gekommen, wenn nicht der alte Ahron Nauheim ihm ein unverzinsliches Darlehen von 50,000 Thalern geboten hätte. Als Ahron das Geld auszahlte, sagte er: „Gelobt fei Gott, der mich diesen Tag hat erleben lassen, an dem es mir vergönnt ist, die Schuld der Dankbarkeit abzutragen." — Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'fchen Hofbuchhandlung. — Damps.»Schnellprrüendruck von Z. GottSleöen in Main,.

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