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Der Israelit · 1867-01-16 · Heft 3 (16.1.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 3 (16.1.1867)
Date
1867-01-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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43 Religion der Israeliten verbietet Lug und Betrug aufs Strengste." „„Ja, vielleicht betrügen ste sich nicht unter einander. Aber gegen die Gojim ist ihnen alles erlaubt; es gilt ihnen für ein verdienstvolles Werk, die Gojim zu betrügen!"" Aus dem Schloßhofe tönten die fröhlichen Weifen eines Posthorns herauf; man hörte zwar nicht das Nöllen der Räder im Schnee, aber die Glöcklern der Pse.de vernahm man deutlich klingen. Die Baronin trat ans Fenster. „Mir bekommen Besuch!" sprach sie. „ Wer kann das sekn in später Winternacht? " fragte der Freiherr. Nicht lange darauf meldete ein Bedienter den Kaufmann Ahron Nauheim aus Gundersbach, der den Herrn Baron zu sprechen wünsche. „Laß ihn nur hereintreten!" sprach dieser. Ahron trat ein, ein Säckchen in der Hand haltend. „Willkommen, Nauheim!" rief ihm der Freiherr entgegen. „Was führt Sie noch so spat zu uns bei so kaltem "schlechtem Wetter. Setzen Sie Sich und trinken Sie vor Allem eine Taffe heißen Thee; Sie sind ja ganz erstarrt!" Als Ahron, der in der That ganz starr vor Kälte war, sich gesetzt hatte, beeilte sich Baronesse Clara, ihm eine Taffe Thee zu reichen. „Gieße keine Milch hinzu, meine Tochter," sagte der Baron, „Ahron trinkt bei uns keine Milch. Auch keinen Rothwein," fuhr er fort, als er sah, daß seine Tochter die Weinflasche ergriff; „ich kenne ein wenig die jüdischen Sitten. Aber einige Tropfen Rum darfst Du schon hineinmischen." „„Dürft Ihr wirklich keinen Wein und keine Milch trinken?" fragte der Graf. „„Das habe ich noch nicht gehört."" „Wohl dürfen wir," entgegnete Ahron, „Wein und Milch genießen; allein . . . ." er unterbrach sich und schwieg verlegen. „Wir erörtern das ein anderes Mal," nahm der Freiherr das Wort. „Sie könnten uns jetzt über andere Dinge Auskunft geben. Nauheim. Mein Freund, der Herr Graf von Laubach, behauptete soeben, der Talmud gestatte euch, Nichtjuden zu übervortheilen und zu betrügen. „Kennen der Herr Graf den Talmud?" fragte Ahron. „„Das sollte mir fehlen,"" antwortete der Angeredete, „„ich und der Talmud! Ha, ha, ha! Doch habe ich Manches darüber gehört und gelesen. Ich hatte einst einen gelehrten Canditaten in meinem Schlosse, der studirte den Talmuds in der Bearbeitung von einem gewissen Eisen . . . Eisen . . . ich weiß nicht mehr wie der Mann heißt."" „Eisenmenger," ergänzte Ahron. „„Ja ganz recht,"" bestätigte der Graf. „„War der Mann ein Jude?"" Unwillkürlich mußte Ahron lächeln. „Nein," sagte er. „Eisenmenger war kein Jude, er war vielmehr ein wüthender Judenfeind. Er hat die Worte des Talmuds verdreht und entstellt. Erlauben mir die gnädigen Herrschaften, daß ich, um dem Herrn Grafen eine Vorstellung von der Rechtslehre des Talmuds den Nichtjuden gegenüber zu geben, ein Geschichtchen aus diesem großem Lehrbuche unserer Religion erzähle?" „Erzählen Sie nur," sagte der Freiherr, „wir hören Ihnen gerne zu." „Einer der größten Weisen des Talmud's," erzählte Ahron, „hieß Schimeon bm Schetach; im späterem Alter ward er ein Fürst unseres Volkes; in seiner Jugend nährte er sich kümmerlich vom Flachshandel. Einst sagten seine Schüler zu ihm: „Rabbi, wir wollen Dir einen Esel kaufen, damit du nickt so schwer zu tragen hast." — Sie gingen auf den Markt und kauften einen Esel von einem Araber; als sie das Thier heimgebracht halten, fanden sie einen Goldschmuck mit einem kostbaren Edelsteine an dessen Halse. Erfreut liefen sie zu ihrem Lehrer und sagten: „Freue dich, Rabbi, du brauchst dich nie mehr zu plagen, du bist fortan ein reicher Mann!" Und sie zeigten frohlockend das kostbare Kleinod und erzählten, wieso sie zu demselben gekommen. „Wußte der Araber," fragte der Lehrer, „daß dies Kleinod sich am Halse des Esels befand?" — „Nicht doch!" sagten die Schüler. „So bringet es ihm zurück!" „„Aber Rabbi, wenn der Araber nicht davon wußte, so hat er sicherlich selbst nicht mehr Anrecht daran als du; er wird das Thier ebenso wie wir mit dem Geschmeide gekauft haben!" „„Meine Kinder,"" sagte da der Rabbi ernst, „„es ist vielleicht möglich, daß der eigentliche Eigen - thümer des Kleinods nicht mehr zu ermitteln ist; es ist aber auch möglich, daß der Araber, der euch das Thier verkauft hat, der rechte Eigenthümer ist. Ich aber sage euch, ich will keinen Reichthum, an dem auch nur der Schein von Sünde haftet. Gehet hin zu dem Araber und saget ihm: Hier sendet dir unser Lehrer den Schatz, den er hätte behalten können; aber der Gott Israels befiehlt, ihn dir zurückzugeben."— Und die Schüler gingen. Nach vielem Suchen fanden sie dm Mann, von dem sie den Esel gekauft hatten. Er saß in dem Winkel einer Herberge, trübe vor sich hinstarrend. „Warum bist du so traurig, Sohn Jsmaels?" redete ihn einer der Schüler an. „„Ach ich armer Mann,"" sprach der Angeredete, „„ich habe heute mein ganzes Vermögen verloren!"" Und er erzählte ihnen, daß er vergessen

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