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Der Israelit · 1867-01-16 · Heft 3 (16.1.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 3 (16.1.1867)
Date
1867-01-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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42 schon einer bedenklichen Krankheit zufolge die Praxis völlig aufzugeben genöthigt war, so wurde in den Herzen Aller der Wunsch nach einem Mediziner rege, indem wir bis nun einzig und allein auf die hier domiz lrenden drei Chirurgen hingewiesen waren. Nun haben sich in Folge dessen vor acht Tag die Herren Med. Dr. Baderl, Porges und Husserl zu unserer Freude hier eingefunden. Selbstverständlich stellten sich die Herren Doktoren dem hiesigen Bürgermeister vor, von» dem sie auf das freundlichste ausgenommen wurden. Nur bei der Aufwartung, die Herr Dr. Husserl dem Herrn Bürgermeister machte, waltete zufälligerweise folgendes Mißverständniß ob: Der Herr Bürgermeister sagte nämlich zu Letzterem, daß es ihn sehr freue, daß er, Herr Dr. Husserl nämlich gekommen sei, und meinte, daß ihm, dem Dr. Husserl, weil die andern zwei Neuangekommenen Aerzte „Iudm" seien, ctls einem „Nichtjuden" gewiß die größte Praxis prognostizier werden könne. Später stellte sich nun aber zum Bedauern des Bürgermeisters heraus, daß auch Herr Dr. Husserl dem Stamm Israels angehöre , was der Herr Bürgermeister wahrscheinlich aus dem Diplome des Herrn Doktors, wo natürlich die Religion nicht wie vormals in den Paffen eine Rubrik hat, nicht entnehmen konnte. Lemberg. Von den Verhandlungen in den österreichischen Landtagen entnehmen wir unter Stnberm Folgendes, was sich auf die Zustände unserer Glaubensgenossen bezieht, der „Zeitung" : Bei der Rekrutirung sollen für die Folge die Juden insofern von den Christen geschieden sein, daß einer jeden Confession aufgegeben wird, je nach dem Maßstabe der Zahl der Militärpflichtigen eine Anzahl Rekruten zu stellen. Selbstverständlich bedarf dieses Gesetz vorerst der Genehmigung des Kaisers. Die „ Zeitung " erblickt für den Fall der allerhöchsten Genehmigung nur Gutes für die Israeliten in diesem Gesetze, da sie der Ueberzeugung ist, daß die österreichischen Juden zu viel Mannschaft zu den Contingenten des Kaiserstaates stellen. Rabbinen und Rabbinats - Candidaten sollen auch bei der allgemeinen Wehrpflicht vom Militärdienste befreit bleiben. Italien. Venedig. Bei den jüngst dahier stattgehabten Wahlen wurde unser Glaubensgenosse, Herr Dr. Jsaac Pesaro Maurogonato, von dem Wahlbezirk Mirano als Abgeordneter gewählt. Derselbe war im Jahre 1848 Finanzminister in Venedig; er ist die Seele vieler wichtiger Institutionen, und seine bedeutenden Kenntnisse im Finanzwesen können unter den jetzigen Verhältnissen seinem Vaterlande zu großem Nutzen gereichen. Palästina. Jerusalem. Herr Albert Cohn in Paris erstattet folgenden Bericht über das Hospital Mayer Rothschild in Jerusalem: Dieses Hospital hat im verflossenen Jahre der leidenden Menschheit wiederum große Dienste geleistet. Außer Herrn Dr. Luciano Be cg, welcher des Herrn Dr. London bereitwillig dessen Stelle einstweilen versah, schulden wir den Herren Hausdorf und Apotheker Nubowisch, die ihre Verrichtungen mit einem musterhaften Eifer erfüllt haben, die aufrichtigsten Lobeserhebungen. 519 Personen wurden in dem Spitale geheilt, 16 starben, worunter 6 im Alter von 80 Jahren. Ausgenommen wurden unter Andern von Jerusalem 42 Personen, Saphet 4, Hebron - Tiberias 1, Jaffa 1, Neapel 1, Rußland 171, Türkei 55, Oesterreich 22, Polen 18, Moldau - Walachei 13, Marokko 11, Algerien 2, Frankreich 1, Egypten 1, Persien 1. Die Mädchenschule, welche von Frau Baronin Lionel v. Rothschild reichlich unterstützt wird, erfreut sich, wie Herr Albert Cohn weiter berichtet, des besten Aufschwungs. Bereits sind die zahlreichen Schülerinnen soweit vorangeschritten, daß sie die meisten Gebete übersetzen können. Die Stiftung für arme Wöchnerinnen, welche von Frau Baronin James v. Rothschild gegründet wurde, hat in diesem Jahre 120 Frauen Hilfe geleistet. Feuilleton. Vorurtheile. (Schluß.) III. Wiederum war im Schlosse zu Buchensee die Gesellschaft versammelt, wiederum saßen der Graf und der Freiherr beim Schachspiel. „Jetzt wird Dein Jude," sagte der Graf, „schon mit Deinem Gelde seine Schulden bezahlt haben. Heißt das ein Prosttchen, das der Mauschel da gemacht! Mich ärgert nur, daß ich die Veranlassung gegeben habe, Dich um Dein gutes Geld zu bringen." „Wie Du nur so vorurtheilsvoll sprichst!" entgegnete der Freiherr. „Was berechtigt Dich, gleich das Schlimmste zu glauben?" „„Was mich dazu berechtigt? Sind denn nicht alle Juden Spitzbuben und Betrüger?"" „Rein, das sind sie nicht! Im Gegentheil, die

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