Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1867)
- Date
- 1867-01-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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30 kümmert aus. Sonst hält' ich's nicht angenommen; heute schon gewiß nicht." Fräulein Antoinette von Montalban, die innig ergebene Freundin und Gestll'chaflerin, lächelte mir über den Dsch zu, als wollte sie sagen: „Warte nur, es wird noch besser kommen!" Sie kannte ihre Gönnerin Es wurde ein arderes Gericht präsentirt. Frau Amalie liefe es unberührt vorubergehen. Der Arrger, versicherte sie, habe ihr die Eßlust geraubt. Der betroffene Diener schlug im Bewußtsein, dies verschuldet zu haben, erröihend die Augen nieder. „Geben Eie her!" rref sie ihn plötzlich an. Er stürzte sich auf die Schüssel, hoffend, der Appetit den er verscheucht, kehre zurück. „Nicht doch, den Brief will ich haben, ich will sehen, was der Mann für eine Hand schreibt!" — (Antoinettens Lächeln ging in Lachen über.) Kaum hielt sie das Paket, so riß sie auch das unförmliche Siegel auf und machte große Löcher in mehrere ststgeklebte Papiere. Die Zeugnisse schob sie bei Seite, den an sie gerichteten Brief gab sie mir, ich sollte ihn vorsisen. Der Mann war ein Handwerker; Kinder. Frau, er, waren krank gewesen; Arbeitszeug und Hausgeräthe versetzt. Eine bestimmte angegebene Summe konnte ihn retten, wenn er sie noch im Laufe der nächsten Tage empfing. Das Schreiben war verständig, bescheiden abgefaßt. Einige amtliche Beilagen bestätigten, daß er ein vorwurfsfreier, ordentlicher Bürger sei. „Steht die Adreffe im Briefe?" fragte unsere Wirthin. — „Gewiß, Madame Beer; schon die Gegend, wo er wohnt, gibt Zeugniß von seiner Armuth." — Es war am entgegengesetzten Ende der Stadt, schier eine Meile weit. Sie stand auf und kam sehr bald mit euer Handvoll Kastenanweisungen zurück, die sie mit sämmtlichen Zeugniffen in den Umschlag hüllte. Dann winkte sie den hartangelfstenen Diener hei bei: „Jetzt gleich tragen Sie das hin Mt*» lasten Eie sich bescheinigen, daß der Mann seine Papiere zurückerhaltcn hat und sein Geld auch. Gehen Sie rasch, zur Strafe, daß Sie mir mein Mittagessen verdorben!" Kaum war er hinaus, so rief sie den andern Diener: „Geben Sie mir was zu esten; jetzt Hab' ich Hunger!" — Aber Ihr Etat, Madame Beer?" fragte ich. „Lasten Sie mich ungeschoren mit meinem Etat," antwortete sie, „iverd' ich mich lassen auch noch auslachen?" Das fiel vor im Jahre 1832. Als ich im Jahre 1350 durch Berlin reiste, waren ihre Söhne Heinrich und Michael längst begraben, Wilhelm kurz vor meiner Ankunft gestorben. Ich fürchtete die sehr alte Frau durch mein Erscheinen zu erregen und beschloß, ihr keinen Besuch zu machen, was um so natürlicher war, als ich nur wenige Tage in Berlin verweilte. Sonnabends war ich eingetroffen, Sonntags speiste ich bei einer nahe befreundeten Familie und wie ich nach meinem Hotel heimkehrte, erblickte ich die Beer'sche Equipage vor dem Hausthor. Frau AmaOe saß darin, meiner harrend. Ich mußte einfteigen und mit ihr hinausfahren. Lange saß sie schweigend neben mir, dann Hub sie an: „Kakadu" — (dies war mein Spitzname im Beer'schen Familienkreise — „Kakadu, Sie tollen mir eine Grabschrift machen für meinen Sohn Wilhelm. Ich hätte nicht gedacht, daß ich den auch begraben würde. Alle tobt! Alle tobt! Und ich lebe noch, Kakadu." „Und Giacomo?" „Gott sei gelobt, ja, der lebt auch noch." Ich habe sie nicht wieder gesehen. 1854 ist sie alterSmüde sanft gestorben. Aber ihr Andenken lebt und wird leben bei ihren Zeitgenossen. Wäre mir der Auftrag geworden, ihr Grabmal mit einer Inschrift zu versehen, ich hätte Nichts in den Denkstein graben lasten, als: Charitas. (Barmherzigkeit.) (W. F.-B.) Ärr Moses Montrfiore. Was zog dich denn fort aus dem heimischen Kreis Schon wieder hinaus in das Wellengewühl? Was gab denn das Feuer der Jugend, dir, Greis, Zu wagen der Stürme gefährlich!8 Spiel? Dein Israel rsts dich, du stiegest auf's Schiff; Dein Israel! welch' lieblicher Laut für dein Ohr! Wenn Israel rußt, dann scheu'st du kein Rrff, Du scheu'st nicht der Stürme gewaltigen Chor. Du fragst nicht: „Wie ferne?" wie stark ist der Feind? Du forsch'st nur: „Wo wird entheiligt das Recht?" „Wo wird denn die perlende Thräne geweint?" Und weißt du es, eilest du kühn in's Gefecht. Dein Wort ist dir Lanze, dein Schild ist Vertrau'», Dein Herz ist dein Köcher, die Liebe dein Pfeil, Dich bannet nicht Zagen, dich bannet nicht Grau'n Du kämpfest und ringest für Israels Heil. Wer hörte nicht wonnevoll von den Trophä'n, Die, wackerer Streiter, dein Herz dir gebaut? Wo früher manch Auge nur Wolken gefeh'n, Die lächelnde Sonne jetzt freudig es schaut. Du streutest dm Sauren, er sproßt und er blüht, Es strahlet so prächtig der Fluren Gewand Dort in dem Damasker-, im Kanaangebiet; Schon reifen die Früchte an Afrikas Rand. Und zeugen und künden die Fluren allein Von deiner hochedelen Waffengewalt? Wo immer nur mochte ein Pharao fein, Ist, Moses, dein Wort für dein Israel erschallt. Das bittere Wasser, du machtest es süß, Entschlugcst dem sprödesten Steine das Naß; Und wo auf Amalek dein Israel stieß, Da hobst du die Hände, erdrücktest den Haß.