Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1867)
- Date
- 1867-01-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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27 Luxemburg. Die hier erscheinende Zeitschrift, „das Land" berichtet Folgendes: „Am 22. Dezember war das Dorf Straßen Zeuge einer Begebenheit, die wir in unserm Lande für unmöglich gehalten hätten. Die in Straßen wohnende Wittwe Louis Levy hat ein Töchterchen von 14 Jahren, welche die dortige Schule besucht. Nun ist die kleine Henriette Levy israelitischer Confession, und die straßener Schule wird durch Ordensschwestern geführt. Die Schwestern konnten, wie es scheint, dem frommen Wunsche, dem lieben Herrgott ein Weihnachts gescyenk mit einer getauften israelitischen Seele zu machen, nicht widerstehen, und zettelten mit dem Pastor und sonstigen frommen Seelen ein Complott gegen die religiösen Ueberzeugungen der kleinen Henriette, und gegen die heiligen Rechte ihrer Mutter auf die Unmündige an, das am 22. dadurch glücklich zu Ende geführt wurde, daß das Mädchen in der Kirche, im Beisein zweier Gemeinderaths-Mitglieder und mit Assistenz eines andern Geistlichen durch den Pastor getauft wurde. Die durch das ungewohnte lange Ausbleiben des Kindes besorgte Mutter suchte es allenthalben, und erfuhr endlich, daß ihr Kind in der katholischen Kirche sei. Entsetzt läuft sie hin, aber zu spät, die Taufe ist vollzogen. Kaum ist das Kind in das elterliche Haus zurückgekehrt, als auch die beiden abwesenden Brüder heimkehren, und nicht zu ftüb, denn einige fanatisirte Bauern wollten die neue Christin mit Gewalt entführen. Es wurde sogar des Nachts noch eine Leiter an ein Hinterfenster des Hauses angelegt. Der Entführungsversuch mißlang. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat die Sache in die Hand genommen und bei den betreffenden Behörden anhänaig gemacht. Durch eine unter den Israeliten gemachte Collecte ist die erforderliche Summe zusammengebracht, um die kleine, über ihren Schritt reuige Israelitin nach einem Institut nach Frankreich zu bringen. Man wird schwerlich eines gewählt haben, das durch Ordensschwestern geführt wird. Wir können es nicht über uns bringen, unsere Gefühle über das Vorgefallene zu verbergen, soll das „Wort" uns auch steinigen lassen. Wir tadeln und verabscheuen die Handlung des Pastors von Straßen; denn er hat mit ftevetnder Hand die heiligen Rechte der Eltern auf ihre unmündiaen Kinder angegriffen. Er hat unsere israelitischkn Mitbürger lief beleidigt. Dieser Theil unserer Bevölkerung, der den andern Luxemburgern an Patriotismus, F^eiheitsliebe, Gehorsam vor dem Gesetze und in der Erfüllung aller Bürger- und Menschen-Pflichten in nichts nachfteht, hat unsere ganze Achtung und Sympathie, und wir glauben im Namen aller Ehrenmännner des Landes zu sprechen, wenn wir der Entrüstung Ausdruck gebe«, die bei Anhörung der Straßener Morlara-Geschichte allgemein empfunden wurde. Y." Italien. Modena. An der hiesigen Militärakademie docirt unser Glaubensgenosie, Herr Vr. Cesare Rovighi, der zugleich Mitglied des dasigcn Gcmeinderaths ist. Während des jüngsten Kriegs bekleidete er die Stelle eims Kopitain in dem Privat-Kabinet des Generals Cialdmi, einen Vertrauensposten, den er schon während des Krieges im Jahre 1859 inne hatte. Bei der jüngsten Anwesenheit des Königs Victor Emanucl zu Venedig wurde er von der Stadt Modena beauftragt, dieselbe unter den Abgeordneten der anderen Städte des Reiches bei dem Könige zu vertreten. Padua. Es ist beschloffen worden, daß das collegiurn rabbinicum, welchem der verstorbene S. D. Luzatto einen großen Theil seiner Thötigkeit widmete, höchstens noch ein Jahr bestehen soll. Am i9. November 1866 wurde der diesjährige Curfus mit nur 2 E chülern eröffnet, die jedoch nur mit dem Vorbehalt ausgenommen wurden, daß sie selbst für ihren Unterhalt sorgen müssen. (N. I. 38.) Donaufürstenthümer. Buchareft. Bei Gelegenheit der Feststellung des Schadenersatzes für die während der jüngsten Juderiexc.sse in Bucharest zerstörten Synagoge hat der Fürst Carlos von Hohenzollern dem israelitischen Gemeindevorstand 2000 Qucaten übergeben. (Handelsblad.) P a l ä st i n a. Jerusalem. Wir haben, schreibt der „Univers Jsraelite," einen sehr interessanten Bericht über die isr. Handwerksschule zu Jerusalem, die von Herrn Franchetti in Turin gegründet worden, erhalten. Diese Anstalt, an der ein recht gründlicher Religionsunterricht ertheilt wird, zählt gegenwärtig 39 Schüler im Alter von 12 zu 17 Jahren; neunundzwanzig derselben sind aus Jerusalem, einer aus Hebron, drei aus der Türkei, einer aus Griechenland, einer aus Rußland, einer aus Oesterreich, einer aus Algier und zwei aus Marocko. Von diesen sind 16 Schuhmacher, 8 Goldarbeiter, 6 Blechschmiede, 5 Schneider, 2 Apotheker, 1 Schlosser, 1 Buchbinder. Die Namen der Lehrer scheinen uns sämmtlich jüdische zu sein. Zwölf Schüler sind während des Jahres 5626 ausgetreten und zwar: sieben nach einer dreijährigen Lehrzeit, einer aus Gesundheitsrücksichten, einer in