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Der Israelit · 1867-01-09 · Heft 2 (9.1.1867) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 2 (9.1.1867)
Date
1867-01-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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26 drei Jahre unermüdlich Deputation um Deputation zu dem verehrten Rabbiner Mayer Perelß zu Nagy- Karoly entboten hatten, um denselben zur Annahme dieser Stelle za bewegen. Montag, den ersten Tag des schönen Chanukafestes, begab sich abermals eme solche Deputation, geführt von Herrn I. Meisels, nach N.-K. Donnerstag Mittag fand sich eine große Menge Glaubensgenoffen"vor dem hiesigen Postgebäude ein, um den Inhalt der ähnlichst erwarteten Depesche, über den Erfolg der Reise, die von Tissa Ujlak an per Post befördert werden muß, zu vernehmen. Der Vorstand las endlich nach Ankunft der Post der harrenden Menge der Inhalt der D» peiche in folgenden Worten vor. „So Gott will, hoffe ich Freitag mit dem hochverehrten Herrn Rabbiner in Munkacs ernzutreffen." Die Freude und den Jubel, die die Publizirung dieser Depesche verursachte, zu beschreiben, das ist mir unmöglich. Freitag Morgen, noch ehe der Tag angebrochen, war schon Alles auf den Beinen. Mehr als 40 Wagen fuhren dem großen Manne brs vor dem Vörös, welches zwei Stunden von unserem Orte entfernt ist, entgegen. Hier kam dersel e um 8 Uhr an und hielt, nachdem das nnrw Gebet verrichtet war, eine kurze Ansprache an die gastfreundlichen Munkacser. Hierauf wurden die Wagen wieder bestiegen, und der Herr Rabbiner fuhr mit dem zahlreichen Gefolge aus unserer Milte nach Munkacs. Vor der Stadt hatten sich einige Tausende unserer Glaubensgenoffen versammelt, um dem sehnlichst erwarteten Gaste ein dv?& zurusen zu können. Samstag vor dem Mussaphgebete hirlt der Rabbiner eine Derascha, in welcher er auf den Gemeindesrreden und die Erziehung der Jug'Nd im T orastudium hinwies, welche Rede bei den Zuhörern den glänzendsten Beifall fand, Man war so entzückt über dre Persönlichkeit und die Rede des großen Gelehrten, daß, als er bei einer man rmyD auf den Werth der Wohlthätigkett nur anspielte, sofort eine Sammlung zu GunsttN der Gemeindearmen veranstaltet wurde, die die Summe von 800 Gulden öst. W ergab. Während des nur zu kurzen Ausenihalts Sr Ehrwürden kamen die Glaubensgenossen der naheliegenden Gemeinden, um den hohen Gast zu begrüßen. Bei einer Versammlung des Gemeindevorstands äußerte der Herr Rabbiner, daß ihm die Gemeinde sehr gefalle und daß er sich bald entschließen werde, die ihm angebotene Stelle zu übernehmen; jedoch könne er die bestimmte Zusage erst in N. Karoly ertheilen. Einer Bitte des Herrn Baruch Meisels, noch ü'er Sabbat in hiesiger Gemeinde zu verbleiben, setzte er entgegen, daß er seine Mutter aus dem Krankenbette verlosten habe, und daß er seinen Pflichten als Kind vorerst genügen muffe. Mit großer Gespanntheit sieht man der Zusage des Rabbiners entgegen. Aus dem Wuugt'hule. Wer dem Schlangenlaufe der Waag durch unter idyllisches Thal folgt, der läßt sich nicht im Geringsten träumen, welche ein Chaos durcheinander wogender Ansichten und Meinungen die jüdischen Bewohner dieses schönen Thales von einem Extreme ins andere wirft. So ist z. B. die älteste und vornehmste Gemeinde unserer Gegend, die zu Trenchin, die circa 160— 180 Familien zählt, die zur Zeit die größten nnn zu ihren Rabbinen hatte, jetzt im Begriffe einen Reformprediger anzustellen. Der jetzige Rabbiner jwm y'JD 'Ib.1 ION m"no, der schon seit 25 Jahren sehr segensreich hier wirkt, muß also dem „Zeitgeistes zu Liebe einen solchen Reformprediger neben sich fungiren sehen und was noch weit mehr ist, dieses Kind der Zeit gab die Veranlassung, daß den Lehrern unserer Schule gekündigt wurde. Man denke jedoch nicht, daß man etwa aus Unzufriedenheit mit dem Wirken dieser Biedermänner dieselben brodlos gemacht habe. Im Gegentheil es erfreute sich diese Schule eines solchen Rufes, daß sie zu einer Muflerhauptschule ernannt werden sollte. Doch was thut man nicht alles, wenn man eben der Mode zu lieb einen Reformapostel haben will und kein Geld zur Besoldung desselben zur Verfügung har?! In Groß-Tapolccsan hingegen will man auf einstimmigen Beschluß der Gemeinde hin, nur einen solchen Rabbinen anstellen, der eine jüdische Derascha abbalten kann, ohne sich dabei eines richtigen deutschen Wortes zu bedienen. Derselbe darf jedoch auch Deutscher, selbst auch Doctor sein! In Neutra hingrg>n — nun da ist jetzt weder ein Rabbiner, noch ein Prediger, und die klugen Neutraer sche.nen sich in dem laisser Liter recht gut zu gefallen, denn sie treffen allem Anscheine nach noch immer keine Anstalten diesen Uebelständen abzuhelfen. Nun, lieber Leser, scheide ich von Dir, in der Hoffnung , Dir bald erfreulichere Berichte verführen zu können. Einer aus dem Volke. Holland. Die isr. Gemeinde zu Arlon (Luxemburg) weihte unlängst ihre neue Synagoge ein. Der Oberrabbiner Astruc aus Brüssel leitete diese Feier, der die sämmtlichen Beamten beiwohnten. Dieser Tempel gthört der isr. Gemeinde, die jedoch nur 12000 Frs. zu dessen Errichtung beschaffte, während die Stadt, das Departement und der Staat den Rest von 24000 Frs. beisteuerten. Die Israeliten von Arlon sind in der Bevölkerung sehr geschätzt; man kann sich nicht erinnern, daß Jemand von ihnen auf der Anklagebank erschien; Arme gibt es nicht unter ihnen. (U. I.) Delft. Bei dem Examen für einen ind schen Gesandtschuftsposten hat unser Glaubensgenoffe, Herr A. Sribbe, glänzend bestanden. (N. I. W.) A. S.

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