Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1867)
- Date
- 1867-01-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 2 des Israelit. gettungSnaehriehterr und Correspondenzen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth. Au unserem größten Leidwesen sind wir bis heute noch nicht im Stande, dem freundlichen Leser des „Israelit" eine recht erfreuliche Kunde, während des hier stattsindenden Landtages, wo so vielfach über die Verbesserung der Zustände in unserem Lande Rath gepflogen wird, mitzutheilen Wir wollen hiermit nicht gesagt haben, daß wir es bedauern, noch nicht die Resultate des hiesigen Landtages oder Genaueres über die Beschlüsse für die gesammten politischen Verbesserungen der Verhältnisse Ungarns mittheilen zu können; das sind wohl Geschäfte, die nicht sobald abgewickelt werden können, und wobei man sich schlechterdings auf's geduldige Abwarten verstehen muß. Ich meine bloß unsere isr. Zustände, über welche ich wohl gerne genaucrn Bericht über die mannigfachen neuen Errungenschaften erstatten möchte. Doch ist bis heute noch Älles beim Alten geblieben, und von Verbesserungen unserer Verhältnisse war in der Rathsversammlung noch kein Wörtchen gefallen. Wir haben wohl unter den hervorragendsten Männern im Rathe unsere bewährten Freunde, und selbst Deak, der größte Sohn des Vaterlandes*), bat es schon oft bekundet, daß er für die vollständige Emancipation der Israeliten stimmen würde; doch dürfen wir uns durchaus nicht der sanguinischen Hoffnung hingeben, daß selbe schon als ein kalt accompli zu betrachten sei, und zu seiner Zeit ohne jede Schwierigkeit einstimmig im Hause der Rathsversammlungen durchgehen wird. Wir unserseits, so wenig wir auch zu den Schwarzsehern gehören, müssen dennoch aus Autopsie annehmen, daß viele ungarische Magnaten eifrig gegen eine vollständige Emancipation der Juden protestiren werden. Nicht alle diese Herren sind judenfreundlich gesinnt, und nicht Alle wollen mit gutem Willen dem Fortschritte der Zeit Rechnung tragen. Ja, mehrere dieser Herren sind ganz entgegengesetzter Meinung und wollen uns mit der Zukunft vertrösten, indem sie lnhaupten, noch wäre es zu früh , den ungarischen Juden eine vollständige Emancipation zu gewähren und uns alle Rechte der übrigen Bewohner des Vaterlandes einzuräumen. Selbe schützen viele gänzlich unstichhaltige und unlautere Motive vor. — Traurig aber ist es, wenn manche Israeliten der Sache selbst hindernd im Wege stehen und obendrein noch Dffn machen; aus diese müssen wir leider die Worte des Propheten anwenden: „yD-noi ■pa-ino ws» "]dd". So veröffentlichte vor kurzer Zeit ein gewisser Herr Rosenzweig (jetzt maayarisirt mit „Agai") ein Buch, betitelt: „Izig Spitzsg Naptära," worin der edle isaelitische Verfasser seine eigenen Brüder verhöhnt und verspottet; unsere Gegner machen sich nicht wenig lustig darüber und äußern sich bereits mit Ironie über die Emancipation eines solchen Volkes. Für solche Herren genügen schon diese kleinen Ursachen, um Großes damit zum Nachtheile Israels wirken zu können. — Dieses schöne Werk hat bereits 3 Auflagen erlebt und dürfte (da das böse Princip darin vorwaltet) gewiß bald in noch mehreren tausend Exemplaren im engern Vaterlande verbreitet werden. — Am Komischsten an der Sache aber ist, daß H. Agai im Wahne lebt, die ungarische Literatur als Israelit bereichert zu haben, und daß er zum Ausschüsse des hier bestehenden Izraelita magyar egylet, welcher sich die schöne Aufgabe gestellt hat, allenthalben 05571 55npo zu sein, gehört, und noch heute von vielen ehrbaren Mitgliedern dieses Vereines als wackerer Jude, welcher zum Heile Israels schafft und wirkt, angesehen wird. Möge sich doch H. Agai eines Bessern belehren lassen und in Zukunft solche Wege, auf welchen nur ein materieller Gewinn zu finden, und die einem Israeliten durchaus keine Achtung, weder bei Israeliten noch bei gebildeten Nichtisraeliten, erwerben können, behutsam meiden. Die Anforderungen aber, welche wir an den Landtag stellen, sind gerecht genug, und werden gewiß, so es der Willen des allerhöchsten Lenkers der Geschicke der Völker, des Hüters Israels, des einig-einzigen Gottes sein wird, nicht zu unserem Nachtheile erledigt werden. W. S. Schol. Munkaes. Aus unserer stockmagyarischen Gegend dürfte wohl der sehr geschätzte „Israelit" noch wenig Correspondenzen gebracht haben. Unsere Gemeinde selbst mit ihren 12 — 1400 jüdischen Familien läßt nicht viel von sich reden. Wir leben still und zufrieden unserem Gotte und unserer heiligen Religion und kümmern uns wenig um das Treiben der Welt. Lesen Sie folgenden Bericht, der zwar nicht aus dem Alltagsleben gegriffen ist, jedoch bei seiner genauen Zeichnung auch für dieses eine möglichst genaue Illustration bietet. Es handelt sich um die Wiederbesetzung der schon seit drei Jahren vacant gewesenen Rabbinerftelle in unserer Gemeinde. Denken Sie jedoch nicht, daß es uns erst jetzt eingefallen, daß wir uns nach einem Seelsorger umzuiehen hätten; io leicht wird bei uns religiöses Interesse nicht behandelt. Nehmen Sie vielmehr die Versicherung hin, daß wir während dieser *) So wird Deak von den Ungarn genannt.