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Der Israelit · 1867-01-09 · Heft 2 (9.1.1867) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 2 (9.1.1867)
Date
1867-01-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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24 „ Vater," rief ein kleines Mädchen zur Thüre herein, „Rabbi Mvscheh wartet im „Lernzimmer" auf Dich!" „Sag ihm," entgegnete Ahron, „er möge heute allein „lernen!" — „Ach, fuhr er fort, als das Kind sich entfernt hatte, „ich kann nicht, mein Kopf ist zu schwer — mein armer Kopf!" Wieder öffnete sich die Thüre, und hereintrat Riwkah, Ahrons treue Gattin. „Geliebter Mann," sprach sie, „wie schwer muffen Dich die Sorgen drücken, da du die gewohnte „Schiurstunde" nicht einhältst!" ,,„O, mein Weib, mein theures Weib — ich kann, ich darf es Dir nicht länger verhehlen, ich bin ruinirt, bin nicht allein verarmt, gänzlich verarmt, ich hin auch banquerott!"" R wkah bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen und weinte bitterlich. „Ja," sprach Ahron, „namentlich Deinetwegen und um der Kinder willen ist es mir leid. Gerade fing unser Geschick an, sich so günstig zu gestalten, gerade stand mir ein industrielles Unternehmen in Aussicht, das reichen Gewinn abzuwerfen versprach; da kommen die Zahlungseinstellungen der großen Häuser in B., und bringen mich um mehr als ich selbst besitze." „„Und hast Du nichts versucht, dich zu retten?"" „Wohl habe ich alles Mögliche versucht — allein, es war Alles vergebens. Meine Gläubiger können und wollen nicht warten, meine Freunde haben theilweise ebtnfalls große Verluste erlitten, und die helfen könnten, wollen nicht." „„Und der Baron von Buchensee? Er ist so unermeßlich reich und hält so viel auf Dich!"" „Was soll ich von ihm verlangen? ich brauche 5,000 Thaler, um meine Schulden zu decken, und mindestens noch 10,000 Thaler um das neue industrielle Unternehmen zu beginnen; denn sonst habe ich keine Aussicht, jene 5,000 Thaler jemals zurückbezahlen zu können. Soll ein Mann mir 15,000 Thaler leihen? Uedrigens habe ich mich seinem Verwalter entdeckt, und dieser hat mir versprochen, mit seinem Herrn zu reden. Allein, ich habe nicht die geringste Hoffnung." Während sie so miteinander sprachen, trat der Briefträger herein und brachte Briefe und auch ein Paquet. „AL," sa?te Ahron, „vom Freiherrn von Buchensee! Laß sehen was er schreibt: „„Lieber Nauheim, Da mir mein Verwalter mittheilt, daß Sie Sich in Geldverlegenheit befinden, so beeile ich mich, Ihnen anbei Ihr Guthaben mit dreihundert Thalern zu senden. Ihr wohloffectionirter Ferdinand, Freiherr von Buchensee."" Ach Gott, die dreihundert Thaler und kein Wort von Hilfe und Unterstützung! Ahron öffnete die andern Briefe; der eine war von der Regierung und brachte die Concession zu dem neuen, industriellen Unternehmen; was konnte jetzt die ihm helfen? Der andere war ein Mahnbrief; Ahron öffnete das von Buchensee arnelangte Paquet, um mit dem darin enthaltenem Gelde den drängenden Gläubiger zu befriedigen. Es waren Rollen zu 10 Thalern in Viergroschenslücken; so stand wenigstens darauf zu lesen. Die Gestalt der Rollen fiel jedoch dem geübten Auge Ahrons auf; er erbrach eine derselben, und blankes Gold rollte ihm entgegen; er erbrach die andere — und bald war Ahrons Schreibtisch mit glänzendem Golde bedeckt — es waren 1000 Friedrichsdor, die in verlockendem Glanze vor ihm lagen. Sprachlos hatte ihm Riwkah zugeschaut; sprachlos stand auch Ahron da. „Welch' ein sonderbarer Jrrthum!" sagte er endlich. „„Sag' lieber,"" entgegnete Riwkah, „„welch' eine wunderbare Fügung! Ist es nicht gerade die Summe, deren Du bedarfst? O, geliebter Mann, Ehre, Wohlstand, Alles ist gerettet!"" „Riwkah, was sprichst Du? Ist denn das mein Geld? muß ich es denn nicht dem Baron von Vuchensee zurückgeben?" „„Gewiß, Ahron', Du sollst es ihm zurückgeben! Aber nicht jetzt. Später, wenn Du Deine Schulden bezahlt, wenn Du Deinen erschütterten Credit um so fester wieder aufgerichtet haben wirst, wenn Dir das neue industrielle Unternehmen reichen Gewinn gebracht hat, dann zahlst Du dem Freiherrn sein Geld mit Zinsen zurück!"" „Und bis dahin soll ich zum Lügner und Betrüger werden, soll leugnen, wann der Jrrthum bemerkt wird, soll vielleicht gar einen Meineid schwören? Und selbst, wenn der Jrrthum nicht bemerkt werden sollte, bleibt nicht das Vergehen der Unterschlagung dasselbe? Nein, nicht einen Augenblick zögere ich. Schicke hin und bestelle mir Extrapost; ich packe das Geld ein und fahre sofort nach Buchensee. „„Und Deine Frau und Deine Kinder? und die Noth, das Elend und die Schande, die uns erwarten? Was wird uns übrig bleiben?"" „Unerschütterliches Gottvertrauen und das Bewußtsein, den Namen Gottes geheiligt zu haben, wie Sein heilig Gesetz es befiehlt!" (Schluß folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Revaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofduchhandlunq. — Dampf.»Schnellpreffendruck von I. Gottsleüen in Main,.

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