Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1867)
- Date
- 1867-01-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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23 Kriegsdauer ernannte Herr Josef Szanto seine Stelle nieder, da die beiden vom Vorstande der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde an das h. KriegSministerium gerichteten Gesuche um definitive Anstellung eineS israelitischen Feldprcdigers abweislich beichieden worben sind. In den Gründen des abweielichen Bescheides wird darauf hingewiesen, daß in dem bereits fertigen Militärbudget für das Jahr 1867 die Ausgaben für eine solche Stelle nickt vorgesehen nnrrden, und daß überhaupt bei den Einschränkungen und unbedingt nöthigen Ersparungen in den Ausgaben auf die Stelle eines iSrael tischen FeldpredigerS vernichtet weben muffe. Von Seite des hiesigen Generalkommandos erhielt der bisherige Feldprediger ein Anerkennungsschreiben für sein ersprießliches Wirken. Wie wir vernehmen, bereitet der Vorstand der Gemeinde ein Gesuch an Se. Majestät um definitive Anstellung des Feldpredigers vor. Die Stelle des israelitischen Feldpredigers war mit dem Range und der Besoldung eines k. k Oberlieutenants verbunden. (F.-B ) Wien. Vergangenen Sonntag fand in dem israelitischen Temp l die Trauung eines taubstummen Paare> statt. Sowohl die Braut als auch der Bräutigam waren ehemalige Zöglinge des Taubstummen- Jnstituts und bestand der größte Theil der eingeladenen Gäste aus Taubstummen. Lemberg, 27. Dezember. In der Specialdebatte beantragt Landsberger die Beiziehung eines Vertreters der israelitischen Bevölkerung, welcher abwechselnd von der Lemberger und der Krakauer Kultusgemeinde zu wählen sei. Dieser Antrag wird von Koczynski unterstützt und von Avam Potocki und Dietl bekämpft und schließlich ab gelehnt. Hierauf wird die Vorlage in zweiter und dritter Lesung unverändert angenomnlen. Kesmark, (Ungarn) im Jan. Vor noch nicht zwanzig Jahren durfte in der hiesigen wie in mancher andern Stadt unseres Vaterlandes noch kein Jude wohnen; nun aber haben sich G. s. D. die Verbältniffe geändert, und es hat sich hier eine wahrhaft jüdische orthodoxe Gemeinde gebildet. Obwohl in der Zahl klein, hat cs dock unsere Gemeinde durch viele Opfer sckon so weit gebracht, daß wir hier eine schöne Synagoge haben. Dank der edlen Gesinnung unseres geachteten, allgemein verehrten Vorstandes, der stets mit gutem Beispiel vorangebt, und so es auf eine msD -Qi Bezug hat, zu jedem Opfer bereit ist, wurde eS uns ermöglicht, auch ein Frauenbad nach echt jüdischem Ritus zu errichten Wir wollen hiermit dem hockgeachteten Vorstand öffentlich unseren Dank aussprcchcn und rufen ihm at»s innigem Herzen ein nt?« ns zu. Möge er fo fortfahren in seinem -rühmlichen Bestreben, und wir werden stets der Stunde, in welcher wir diesen Vorstand an unsere Spitze stellten, mit Freuden gedenken. W. Ramson. Frankreich. Paris. Die Kaiserin hat dieser Tage dm Großrabbiaer Isidor empfangen und sich lange mit ihm über die Lage der „gefallene« Mädchen" unterhalten, welche gegenwärtig nicht mehr in „St Lazare," sondern in Zufluchtshäusern untergebracht sind, welche eine Komitä von Israeliten auf Anregung der Kaiserin hat anlegen lasten. Paris. Der Baron James v. Rothschild übergab der Administration der öffentlichen Wohlthätigkeit 30,000 Bons für je ein Kilogr. Brod, um dieselben unter die Armen der Stadt Paris zu vertheilcn. (U. I.) Paris. Einer der Preise Montions, bestimmt für dasjenige Werk, das am Meisten zur Hebung der Sittlichkeit beitragen könne, ist von der ^.eaäernis fran^aAse unserem Glaubensgenossen M. Eugen Manuel für sein Werk „Pages intimes“ zuerkannt worden. Dieses Werk, das die jüdischen Zeitschriften in Frankreich sehr lobend besprochen haben, enthält Gedichte, sowohl religiösen, als auch allgemein sittlichen Inhalts. Der Hrn. Manuel zugedachte Preis beträgt 2500 Francs. (U. I.) England. London. Der Oberrabbiner Artom von Neapel, der zum geistigen Oberhaupt der portugiesischen Gemeinde zu London berufen wurde, hat seine Stelle bereits angetreten. Man verspricht sich sehr viel von seiner Thärigkeit, seinen ausgezeichneten religiösen Principien, und seinem unermüdlichen Eifer für die heilige Sache des Judcnthums. (U. I.) Feuilleton. Vsrurtheile. (Fortsetzung.) II. In seinem Comptoir saß Ahron Nauheim, den sorgenschweren Kopf mit den Händen stützend. Er rechnete und rechnete und fand keinen Ausweg. „Fünfzehntausend Thaler Passiva und nur 10,000 Tholer acriva!" sprach er vor sich hin, „wo soll das hinaus? Die Ersparniste vieler Jahre sind dahin, und ich bin mit Frau und Kindern auf einmal verarmt, gänzlich verarmt! O, Gott, hilf Deinem Knecht, auf Dich richtet sich unerschütterlich mein Vertrauen l Verlaß mich nicht!"