Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1867)
- Date
- 1867-01-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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21 Cultivirung, sowie über Bienenzucht (denn Honig und Wachs ist ein stets gesuchter HandeÜartikel und findet jederzeit Absatz). Was die Viehzucht betrifft, so wäre die Schaaf- und Zi. gen-, resp. Gaiszucht bei kleinen Coloniften sehr zu empfehlen, erstere geben ihnen zugleich Kleidung (Wolle, welche das Schattnißtragen sehr verhindert) und letztere Milch- und Fleischnahrung und sind dieselben nicht so vielen Krankheiten ausgesetzt, als das größere Zuchtvieh (wie z. B. Kühe ^c.) und der Verlust durch Krepiren eines Stückes nicht so bedeutend und auch bei Futtermangel im Winter leichter durchzubringen als jene. — Ferner sind Ziegenfelle, bei den vielen Safianfabriken im Orient, ebenfalls ein gesuchter Exportartikel; nicht minder im Verhältniß ist die Ziege eher und mehr -> ito als ein großes Stück Rindvieh. — Was das Obst dann wieder anbetrifft, so gehört dasselbe, namentlich gekocht, zu den gesundesten und nahrhaftesten Nahrungsmitteln, hauptsächlich, wenn dasselbe gemischt, d. h. Aepfel, Birnen rc. zusammengekocht werden. — Die Körner des Steinobsts sowohl als des anderen an der Sonne oder am gelinden Feuer geröstet, geben ein vortreffliches Hühner- und Taubensutter ab. — Schließlich will ich noch bemerken, daß die Erfahrung oft genug gelehrt, daß selbst auch bei Mißrathung des Obstes dennoch eine oder die andere Sorte, wenigstens quantitativ, wenn auch nicht qualitativ immer gut ausiällt, also eine Hungersnoth, Gott behüte, nicht leicht denkbar ist, und läßt sich letzteres auf mehrere Jahre (wenns gut getrocknet ist) aufbewahren. Würde Japan namentlich nicht so viel Obst und Gemüse bauen, es könnte seine große Bevölkerung gar nicht ernähren (Siehe Liebigs Landwirthschaftlichchemische Briefe). Der Ackerbau ist nur dann rentabel, wenn derselbe im größeren Maßstabe und mit vollkommenen Maschinen oder wenigstens guten Ackergeräthen betrieben wird, zumal er im Orient mindestens Mauttbiere, also nicht iino Thiere zu halten bedingt und sehr viel Tageszeit in Anspruch nimmt, sowie nicht minder die Haltung von Knechten und Mägden voraussetzt. — Dazu würden aber die Mittel der wenigsten Kolonisten ausreichen und selbst kräftig ein- resp. anzugreifen, können wir wenigstens augenblicklich unserer entnervten Generation nicht zumuthen; später, wenn erst durch einen länger» Aufenthalt auf dem Lande unsere Kmder regenerirt sind, dann eher kann man zum Pfluge und Dreschflegel greifen; denn es ist eine harte und ungewohnte Arbeit. Also nochmals in den liefern Thälern Wiesenbau und Viehzucht und auf den Anhöhen und Hügeln Obst- und Gemüsebau, welches mit dem Spaten bewerkstelligt wird. — Der Spaten ist die beste Maschine, um des Bodens Säfte sich dienstbar zu machen. Gebe der Allgütige seinen Segen dazu. I. Sander. Malsch (bei Karlsruhe), dm 27. Dec. Der in Ihrem geschätzten Blatte kurz erwähnten Todesanzeige des im Alter von 108 Jahren verstorbenen Rabbi Lipmann Frank wollen Sie heute von mir, einem langjährigen Freunde veffelben, eine etwas längere Biographie Nachfolgen lassen. Auf ein so langes Leben vaßt ein so kurzer Nekrolog nicht gut. Rabbi Lipmann Frank wurde im Jahre 1758 in Polen geboren. Als einziger Sohn eines reichen Kaufmanns, der auch zugleich ein fleißiger Talmudist war, wurde für dieses Studium auch viel für den schönen, kräftigen und begabten Knaben verwendet. Die Eltern sahen mit Stolz und Freude, wie nach zurückgelegtem 13. Lebensjahre eine der ersten Familien des Städtchens ihr Töchterchen dem Sohne zur Braut antrug (dieses war damals das gewöhnliche Verlobungsalter in Polen). Die Verlobung wurde gefeiert, und am ersten Peßach Tage erhielt er das erste Brautgeschenk, bestehend in einer Pelzmütze. Sein Gesellschafter, ebenfalls Bräutigam, ward gleichfalls beschenkt, aber mit einer noch schöner» Pelzmütze, wenigstens nach der Ansicht des Bräutigams. Kleine Ursachen, große Wirkungen! Wer von den geneigten Lesern würde sich wohl denken können, daß die Differenz dieser beiden Pelze (nach menschlicher Berechnung) die Differenz zwischen vielen glücklichen und unglücklichen Jahren wurden? Lipmann Frank wurde von seinem Kameraden wegen der geringem Mütze verspottet, und verhöhnt. Der tiefgekränkte Knabe faßte mit Blitzesschnelle seinen Entschluß: „Ich nehme meine Braut nicht!" Sein Vater fuhr ihn darüber hart an, hielt es aber nur für vorübergehende Laune. Am achten Peßachtage schickte er ihn zu seinem Schwiegervater, um sich von demselben im Talmud examiniren zu lassen. Bei seiner Rückkehr davon in Gegenwart mehrerer Kameraden über den Erfolg befragt, antwortete er: „Ich habe gut gekonnt, mein Schwiegemater war sehr zufrieden mit mir, aber ich nehme doch meine Braut nicht". Da er trotz aller Gegenreden seines VUers auf seinem Entschluß beharrte, erhielt er von dem erzürntm Vater derbe Schläge. Diese Züchtigung, in Gegenwart Anderer, versetzte diesen feurigen, polnischen Knaben in solche Aufregung, daß er unter heftigen Thronen seinem Vater zurief: „Ou schlägst mich und stehest mich in deinem Leben nicht mehr*. Am andern Morgen schon konnte man den jungen Starrkopf mit einem kleinen Bündelchen unter dem Arme, in Abwesenheit seiner Eltern, die so etwas nicht ahnten, der Heimath, die er nie mehr sehen sollte, entlaufen sehen, ohne daß der Flüchtling auch nur einen einzigen, wehmüthigen Blick rückwärts geworfen hätte. Fort, recht weit fort, war sein einziger Gedanke, seine einzige Freude, sein einziger, glühender Wunsch. So wunderte er mehrere Tage und kam endlich unter vielen Strapazen und Entbehrungen in Gesellschaft eines.