Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1867)
- Date
- 1867-01-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 same Fanatiker über unsere armen Brüder herfielen, ihre Häuser zerstörten, die Synagogen und die Thora - rollen verbrannten und unsere Brüder gar zwangen, ihrem Glauben untreu zu werden, haben Sie gewiß wie unsere Brüder auf dem ganzen Erdenrund mit Entsetzen erfüllt. Sobald ich die erste Kunde davon erhielt, Lelegraphirte ich an unsere Vereinsgenofien in Europa. Durch die Thätigkeit dieser Edlen erhielten die französischen und englischen Consuln den Befehl, sich der Armen anzunehmen. Auf diese Weise wurde die persische Negierung gezwunaen, sich unserer Brüder ernstlich anzunehmen. Sie schickte darauf einen Beamten nach Masanderan, der den Juden die Rückkehr zur angestammten Religion gestattete, ihnen einen Theil Ihres geraubten Vermögens ersetzte und die Synagogen wieder bauen ließ. Kurz darauf erhielt ich abermals eine Depesche, die mir die betrübende Nachricht brachte, daß einige unserer Glaubensgenossen durch die Hetzereien fanatischer Kadis ermordet worden. Nur Gott weiß es, wie sehr mich diese Hiobspost betrübte. Ich fragte per Telegraph bei dem französischen Consul an, wie sich die Sache verhalte. Dieser bestätigte mir die vorige Angabe und fügte hinzu, daß die Kadis sich gegen die Regierung empört, den Beamten der Regierung mißhandelt und 18 unserer Glaubensgenossen grausam getödtet und die 2 Angesehensten unserer dortigen Brüder lebendig verbrannt hätten. Auf eine abermalige Intervention unserer europäischen Vereinsgenossen schickte die persische Regierung ein Detachement kais. Truppen dorthin. Auch die russische Regierung hat uns ihren Beistand zugesichert, so daß wir hoffen dürfen, daß durch eine exemplarische Bestrafung der Schuldigen die mohamedanischen Einwohner anderer Städte von einer ähnlichen Handlungsweise abgeschreckt werden. Hätten wir nicht die „Alliance Israelite“ zur Hilfe gehabt, so wären wahrscheinlich unsere sämmtlichen Brüder in Persien einem ähnlichen Schicksale entgegengegangen. Der Gott der Gerechtigkeit, der das unschuldig vergossene Blut rächt, möge unsere Brüder in Persien um der unglücklichen Opfer willen, die zur Heiligung seines Namens willig den grausamsten Tod erlitten, bald befreien. Viel bleibt noch zu thun übrig. Mehr als 80,000 jüdische Brüder und Schwestern leben in unserer Nähe in den Gebirgen Kurdistans in der härtesten Sklaverei. Der Druck, der auf ihnen lastet, hat sie zum Theil so dem Judenthum entfremdet, daß viele von ihnen nur noch wissen, daß sie dem Namen nach Juden sind; andere, die noch an der Religion festhalten, werden gewaltsam zum Arbeiten an Sabbat- und Festtagen gezwungen. Ich zweifle nicht im Geringsten, daß wir durch die Hilfe Gottes und die Vermittelung der „Alliance“ auch diesem Elende Schranken setzen können. Darum, meine Brüder, wer von Ihnen, dessen Herz für den Gott der Heerschaaren feurig schlägt, der trete unserem Vereine bei, denn wie könnten wir die Freiheit genießen, wenn unsere Brüder, unser Fleisch und Blut, unter dem Sklavenjoch seufzen! Wie können wir auf die Ankunft des Befreiers hoffen, wenn wir unthätig die Knechtung unserer Stammesgenoffen mitansehen! Wir hegen die zuversichtliche Hoffnung auf die Hilfe GotteS und erwarten aber auch, daß unsere Brüder nach dem Beispiele der „Alliance“ das Ihrige thun werden. Um dieses Verdienstes willen möge der Allgütige uns und ganz Israel den sehnlichst erwarteten rrttfo baldigst schicken. p2dr." — Mit einem Toast auf die Herrn Crömieux, Sir Moses Montefiore, Abraham Kamonda und die „Alliance" schloß das Fest. Feuilleton. OWNj'? -ffil rv3 Gallerie der Rabbiner. Erste Centurie. (Fortsetzung.) 5. v'NvV in h David Strauß, ein bekannter Rabbiner in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts. Er war geboren in Frankfurt a. M., von einer alten Familie und machte seine talmudischen Studien mit Erfolg in seiner Vaterstadt. Nachdem er daselbst mehrere Jahre hindurch als Rabbinatsaffesor fungirt hatte, wurde er 1743 nach Worms als Oberrabbiner berufen. Wir finden ihn im Jahre 1746 mit der Organisation der Pfälzischen Gemeinden beschäftigt. 1749 wurde er als Oberrabbiner nach Fürth berufen. Im Jahre 1754 schrieb von ihm Andrea Würfel in seiner historischen Nachricht von der Judengemeinde in Fürth S. 59. „Der jetzt lebende Rabbiner David Strauß konnte bei seinen vielen Kindern mit der Gage (400 Rthl.) nicht auskornmen, darum hat ihm Kahl auf sein inständiges Bitten, drei Jahre lang, jährlich 200 fl. Zulage gegeben." David Strauß starb zu Fürth den l8.Jjar5522, d. i. den 5. Mai 1762, nachdem er dort dreizehn Jahre lang rühmlich gewirkt hatte Er wird lebend im dvi nnDD von seinem Neffen Jakob Mayer Coblenz erwähnt, und ein Brief von ihm gegen R. Moses David steht im mpikxnn, Seite 102, abgedruckt. Von seinen hinterlaffenen Schriften ist nichts gedruckt; unsre Handschriften - Sammlung besitzt die nam oder Antrittsrede, die er in Fürth, im Jahre 1749, hielt.