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Der Israelit · 1867-01-02 · Heft 1 (2.1.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 1 (2.1.1867)
Date
1867-01-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Rr. 1 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpon denzen. Deutschland. Hamburg. Die hiesige Talmud-Thoraschule verliert an Herrn Dr. Samuel Speier einen ihrer tüchtigsten Lehrer. Herr Vr. S. folgt einem ehrenvollen Rufe als Prediger der Synagogengemeinde Rendsburg. Bei einer Lasel! st gehaltenen Gostpredigt erregte er durch feine motorische Begabung allgemeine Bewunderung. Die schöne Synagoge daselbst war von allen Conscssiontn besucht. Herr vr. S. zeigte auch bei einer Prüfung, die er mit den dortigen Schulkindern vornahm, daß seine bisherige Berufsthätigkeit in Hamburg ihn zu einem geistvollen tüchtigen Beamten für Synagoge und Schule herangebildet hat. Wenn wir fein Echeidcn ans den hiesigen Kreisen bedauern, so freuen wir uns doch, daß er seine reichen Gaben einer so gesinnungstüchtigen Gemeinde wie der Rendsburger widmet, die bereits durch viele Aeußerungen theils auch auf dem Wege der Presse ihre Freude über die Ankunft dieses jungen Gelehrten ausgedrückt hat. Hamburg. Die hiesige höhere Bürgerschule, die unter dem Directorium des Herrn vr. Koref sich eines herrlichen Aufschwungs erfreut, hat an Herrn Leopold Löwenstein, dem Sohne des bekannten Verfassers der rmnio nmo, Herrn Rabbiner Löwenstein in Tauber-Bischofsheim, eine gute Acquisition gemacht. Herr L. hat sich durch den regelmäßigen Besuch des Carlsruher Lyceums, das er mit dem Zeugniß der Reife verließ, sowie durch seine Universitätsstudien, ebenso durch sein talmudisches Studium eine schöne Ausbildung verschafft, sodann durch seine Wirksamkeit an der. Gemeindeschule in Eisenstadt sich vollkommen zu einer Wirksamkeit an einer höheren Lehranstalt vorbereitet. Möge er unserer Schule und ganz Hamburg seine Fähigkeiten mit Liebe und Hingebung widmen, so wird seine Saat auf keinen unfruchtbaren Boden fallen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, den 28. Dec. Wie dem hiesigen „Fremdenblatt" geschrieben wird, beabsichtigt ^Se. Majestät der Kaiser die Freiherren von Rothschild in den Grafen stand zu erheben. — Nickolsbrrrg. Es war am 29. Juli des verhangnißvollen Jahres 1666, als Znaimer Flüchtlinge die Schreckensbotschaft nach NiüolSburg brachten, die Preußen wären bereits von dort abmarschirt und rückten gegen N. vor. Die Angst, die Verwirrung und der Schrecken, welcher in der sonst so friedlichen, ja idyllischen Judengaffe herrschte, zu beschreiben, dazu ist meine Feder viel zu schwach. Nur wer Zeuge jener Ereignisse gewesen, kann sich einen Begriff davon machen. Wir Juden halten, wie das leider fast überall der Fall war, einen doppelten Feind zu fürchten, die heranrückenden Preußen und den Nickclsburger Pöbel, der sich auch einmal einen Namen in der Geschichte der neuesten Judenverfolgungen erwerben wollte. Aber auch hier bewährte es sich, was wie ein rother Faden die ganze Geschichte des Judenthums durchzieht nVi do» vb run, ja, Gott v.rläßt die Seinen nicht. Da griffen denn auch die Juden zu den oft gebrauchten.Waffen, den Waffen des Gebetes und Gottvertrauens, das waren ihre Rettungsanker in den trüben Tagen der Noth und Gefahr, und diese verließen sie auch nicht bis an das Ende der Schreckenszeit; denn ihr Muth und ihre Hoffnung waren die Worte des Psalmisten: Nicht fürchte ich Myriaden, die ringsumher sich lagern, bei Gott ist meine Hilfe. Und dieser Glaube bewährte sich auf des Schönste. Denn schon der Einzug der Preußen machte den Pöbel gänzlich verstummen, so daß wir von der einen Seite wenigstens keine Gefahr mehr zu befürchten hatten. — Wer beschreibt aber das Entsetzen der Juden, als der erste preußische Soldat, der durch das Ghetto ritt und alle Häuser aufzumachen befahl, gegen die altehrwürdige Altschul, Nickolsburgs größtes Kleinod, weil dieselbe verschloffen war, abfeuern wollte und nur durch den Weheruf eines zitternden Greises: „Hier Osfizierleben, weh gesckrien, dos is unser Schül," von diesem Vandalismus zurückgehalten wurde! — Rührend war es ferner zu sehen, wie sich alte ehrwürdige Greise, „gebeugt von der Fülle der Jahre," da, wo selbst die Starken zitterten, unerschrocken, trotz aller Drohungen der preußischen Soldaten, zum Minchagebete versammelten, wozu sie von Herr Rabbinats-Affeffor Kohn aufgefordert wurden. Fürwahr, hier zeigte sich die wahre Orthodoxie in ihrem schönsten Lichte, und wir hätten manchen unserer Reformhelden xcu Zgoxy herbeigewünscht, diese Szene mitanzusehen. «ro'o hi Inzwischen hatte der jüdische Bürgermeister, Herr Blau, die ersten Preußen empfangen. Wir können an dieser Stelle nicht umhin zu bemerken, daß der Herr Bürgermeister während der ganzen Occupation eine seltene Aufopferung zeigte, und dafür in der That sich die Liebe, sowie den Dank und die Anerkennung nicht nur seiner, sondern auch der christlichen Gemeinde, im hohen Grade erworben hat. Staunenswerthe Erfolge hatten seine Unterhandlungen mit den preußischen Offizieren, Resultate, die eben nur durch einen Mann wie Blau, der wahrhafte Bildung mit echter Religio-

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