Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1867)
- Date
- 1867-01-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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7 rin und gehören ihr an bis zum Beginn des Confirmations-ÜnterrichtS. Hebräisch Lesen und biblische Geschichte sind die beiden einzigen Gegenstände, die i» der unteren Classe tbiS zmn 9. und 10. Jahre) ertheilt werden, und wofür wöchentlich 4 Stunden ausgesetzt sind. Systematische Religionslehre, biblische Geschichte und Uebersetzung der Gebete in 5 Stunden hat man für die erwachsene Jugend für ausreichend erachtet. An Pentateuch und Th'nach wird gar nicht, an hebräische Grammatik vieleicht gelegentlich gedacht. Und für diese wenigen Stunden sind nicht weniger als vier Lehrer bestellt! Doch wie armselig die ganze Veranstaltung ausgefallen, gegenüber der großen Ausgabe, welche auf den Schultern der Leiter der Gemeinde ruht, — der Schiffbrüchige klammert sich fest an jedes Brett, das ihm Rettung aus den wogenden Fluchen zu bringen die schwache Hoffnung bietet, und so wollen wir hoffen, daß die neu organistrte Religionsschule der Anfang werde zur gänzlichen Herstellung unseres ehemaligen Gemeindelebens im echten Geiste der jüdischen Lehre, ein Anker, der uns verbindet mit dem Heiligthum ihrer beseligenden Gebote. — B. M. Österreichischer Kaiserstaat. Lemberg. Im vorigen Jahre faßte der n i ederösterreichische Landtag den Beschluß, daß in die Findelanstalt auch evangelische und jüdische Kinder ausgenommen werden sollen. Der Beschluß wurde jedoch von der Regierung zurückgewiesen, und der Landtag war gestern abermals in die Lage versetzt, diese Angelegenheit in Berathung ziehen zu muffen. Der Finanzausschuß stellte in ^Anbetracht dessen, daß der wiederholt anerkannte Grundsatz der Gleichberechtigung aller Konfessionen endlich zur Ausführung kommen müsse, den Antrag, den in der vorigen Session gefaßten Beschluß in einer an Se. Maj. denKaiser zu richtenden Eingabe neuerlich zur Genehmigung vorzubringen. Bischof Feßler erklärte zwar, daß die Gleichheit der Konfessionen nirgends anerkannt und ausgesprochen worden sei, und verlangte den Beweis des Gegentheils vom Referenten Di*. Mühlfeld, aber dieser wies diesen Einwand entschieden zurück, indem er die Thronrede vom 1. Mai 1861 und das Gesetz vom 8. April desselben Jahres hervorhob. Bei der Abstimmung erhoben sich beinahe sämmtliche Abgeordnete für den Ausschußantrag (auch Abt Haydmann). (Czas). Türkei. Conftairtiuopel. Dem „Libanon" wird von hier geschrieben : Am 22. November erlitt unsere Gemeinde einen großen Verlust. Moses de Kastro ist plötzlich in ein besseres Jenseits übergegangen. Wer das Leben und Wirk« dieses großen Mannes gekannt, nur der begreift die große Trauer, die in der ganzen Stadt um den frommen Biedermann herrscht. Seinem Sarge folgten die höchsten Staatsbeamten, sämmtliche Consuln der europäischen Mächte und eine Anzahl kasserlicher Truppen bis auf den Friedhof. Vor dem Sarge gingen die sämmtlichen jüdischen Schulen und die Rabbinen und Lehrer der Stadt und xecitirten Psalmen. Die ältesten Leute erinnern sich keines solchen Leichenzuges. n"as3n. Unlängst traten 50 unserer Glaubensgenossen zusammen, um ein jüdisches Hospital zu gründen. Unter den vielen Mängeln, die unsere Stadt aufzuweisen hat, ist das Fehlen eines Hospitals noch der empfindlichste. Es ist daher begreiflich, daß man das Zustandekommen dieses Unternehmens sehnlichst wünscht. Kleinasien. Beirut. In Folge des Aufstandes der hellenischm Unterthanen der hohen Pforte ist unsere Negierung gezwungen, in ihren Ländern Kriegssteuern zu erheben. Namentlich leiden unsere armen Glaubensgenossen im heiligen Lande, besonders diejenigen, die nicht unter dem Schutze eines fremden Consuls stehen, sehr hart unter diesen Lasten. Von den Einwohnern zu Tiberias habe ich erfahren, daß sie sehnlichst den Zeitpunkt erwarten, an welchem sie durch die Unterstützung ihrer auswärtigen Glaubensgenossen im Stande sein werden, sich dem Ackerbau widmen zw können. Es sind dies ausschließlich fromme und gottessürchtige Männer, denen energisch geholfen werden sollte, daß sie ihren schönen Zweck vollführen könnten. (Libanon.) Feuilleton. VnrurtheiLe. I. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts war es, da jene großen geistigen Kämpfe sich entspannen hatten, welche bald darauf in der französischen Revolution von 89 den Erdball erschüttern sollten. Reue Ideen von Menschenrecht nnd Menschenwürde, von angeborener Freiheit und nimmer zu zerstörender Gleichheit aller Nachkommen des ersten Menschcnpaares, durchwogten die Welt, fanden hier gläubige Jünger und eifrige Apostel, stießen dort auf heftigen ^Widerstand. Auch auf die Gestaltung der Geschicke unserer Glaubensgenossen sollte die Entscheidung jener Fragen! den größten Einfluß üben. Noch herrschten überall